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Foto nordische Landschaft

21. August 2013

Flod: Für die kühleren Stunden nach Sonnenuntergang

Noch sind die Abende lau, aber die Sonne geht jeden Abend gefühlte fünf Minuten früher unter. Das Licht verändert sich allmählich, wird intensiver, wärmer. Der September naht. Es gilt sich schon heute dafür zu rüsten, dass in spätestens zwei Wochen die ersten Stapel mit Spekulatius und anderem Weihnachtsgebäck in den Supermärkten auftauchen. Noch viel zu früh, um das Übergangsjäckchen aus dem blauen Sack im Keller zu holen, aber man kann sich ja musikalisch bereits auf kühlere Stunden nach Sonnenuntergang einstellen. Mit Flod aus Dänemark etwa: Das Quartett aus Aalborg fröhnt voller Hingabe dem eigenwillig verspulten Postrock, in dem die Gedanken auf angenehmste Weise ins Weite schweifen können. Agiert mit einer Vielzahl von Instrumenten aus der Grabbelkiste des Orff´schen Schulwerks. Und schickt mit vergleichbarere Begeisterung die elektronischen Helferlein gen Feenland. Sympathisch ist, dass sich die weißbehemdeten Jungspunde selbstbewusst alle Zeit der Welt nehmen, um ihre krausen Ideen zu entwickeln. Das Träumen lassen sie sich nicht verbieten.

Außer der Single »Joki« liegt von den Dänen noch kaum Material vor, aber diese kommt angenehm versponnen daher. Die Vier (zwei Nikolaijs, ein Daniel und ein Aksel) haben keine Scheu vor unperfekten Chorgesängen und dem Aufbau langer Spannungsbögen. Geduld muss man haben. Dass es sich bei Flod um »das bestgehütete Geheimnis Dänemarks« handelt, wie die Pressemenschen vom Reeperbahn Festival behaupten, ist wohl etwas übertrieben: Zu offenkundig haben die Nachwuchskräfte Sigur Rós oder den Landsleuten Efterklang gelauscht. Gleichwohl geben sie sich experimentierfreudig, schwelgen irgendwo zwischen tribaler Abenteurlust und romantischer Sinnsuche und streben hörbar nach dem Gesamtkunstwerk. Mit kunstvollen Cover-Illustrationen zwischen Japan-Ästhetik und Jugendstil. Auf dem Reeperbahn Festival in Hamburg in knapp vier Wochen treten Flod erstmals außerhalb Dänemarks auf. Wer in der Nähe ist, sollte hingehen!

Foto: Jacob Ljørring

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1 Kommentare

1. Stippvisite 18/09/2013 (Ohne Experimente kein Heureka!) | Lie In The Sound schrieb am 19. September 2013 um 19:19

[...] bewegen, nicht wirklich unbekannt, aber eine eigene Note bleibt unverkennbar. Laut Eva-Maria vom Polarblog geben sie sich “experimentierfreudig, schwelgen irgendwo zwischen tribaler Abenteurlust und [...]

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