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Foto nordische Landschaft

23. September 2013

Alles Aniara! Aber keineswegs harmlos so!

Warum Singer-Songwriter gerade in und um Malmö bestens gedeihen, ist eine interessante Frage. Kann man einfach so schön über den Belt in Richtung Dänemark gucken und seinen Gedanken nachhängen? Oder ist es das Gefühl, dass man von der schwedischen Grenzstadt ganz besonders schnell aufbrechen und alles hinter sich lassen kann? Oder weil man hier umgekehrt bestens stranden kann? Müßige Spekulationen. Aber aus Malmö tauchen immer wieder Musiker und Bands auf, die es gerne handgemacht lieben und zu gehobenem Klampfenklang in unsentimentale Harmoniegesänge ausbrechen. Und großäugig so tun, als könnten sie kein Wässerchen trüben. Ganz so harmlos kommen Aniara allerdings nicht daher, das neue Projekt um den umtriebigen Barden Emil Brynge. Der bebrillte Jungspund hat für sein Alter arg viele lebensweise, mitunter melancholische Gedanken. Gut so! Denn Herr Brynge und seine drei Mitstreiter schauen gerne über den Tellerrand und wollen es bloß nicht Klein-Klein haben. Die große Geste mitunter, jawohl! Bewusste Annäherung an ausufernd-psychedelische Songstrukturen! Vor Saxophonen, Synthies und Streichern hat man jedenfalls keine Berührungsängste. Ohne sich dabei wirklich von der Innigkeit der Liedermacherei zu verabschieden. Tja, so hießen Singer-Songwriter eben vor 30 Jahren. Oder 40? Mit dem fast schon schwelgerischen Sahnestückchen »Hiding From Your Fate« brechen die Schweden in Richtung Barock-Pop auf. Schöne Sache, das, auch mit der Trompete, den Streichern und den weiblichen Gäste-Vocals.

Mit Tracks wie »Arizonian Greyhound« kehrt man in bekanntere Gefilde und zu warmen Gitarrenklängen zurück, um eine lebhafte Form der Nachdenklichkeit zu pflegen. Kann man durchaus einige Schweißtropfen vergießen bei dieser anstrengenden Aufgabe! Ansonsten ist über die Schweden noch relativ wenig bekannt: So hat man jüngst eine EP mit dem Namen »Två« herausgebracht, deren Cover Palmen und Pyramiden zieren. Sehnsucht nach dem Süden etwa? Ach was, Jungs, bei Euch wird uns doch auch mitten im Frühherbst warm! Aniara haben kürzlich im Norddeutschen und Preußischen einige Gigs gespielt. Die Mitte und der Süden gingen mal wieder leer aus. Ach, traut Euch doch mal weiter runter! Denn auch die fast schon meditativen, orientalisch angehauchten Troubadour-Stückchen wie Black Trumpets gefallen.

Foto: Ylva Agni Almcrantz