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Foto nordische Landschaft

29. September 2013

Gentrifizierung Go Home: Reeperbahnfestival 2013

Eigentlich soll bei der 2013er-Ausgabe des Reeperbahn Festivals die Musik im Mittelpunkt stehen, aber so ganz will das nicht gelingen. Dem traditionsreichen Rockclub Molotow ist zum kommenden Frühjahr gekündigt worden. Ein Investor mit dem schönen Namen Bayerische Hausbau will die zugegebenermaßen alles andere als schönen Häuser am Spielbudenplatz abreißen und deutlich größere Neubauten errichten. Die früheren Mieter können zwar an ihre angestammten Standorte zurückkehren – aber die Mietkonditionen werden neu verhandelt. Betroffen sind auch die kleineren Musikbars Planet Pauli und Hörsaal. Der Pauli-Kiez also im Umbruch. Am Festival-Samstag gibt es sogar eine rege besuchte Demo für bezahlbaren Wohnraum in Hamburg, begleitet von einem Großaufgebot martialisch ausgerüstester Polizisten. Diese Geschichte ist noch lange nicht ausgestanden! Und mit einem fast nostalgischen Gefühl drängt man sich am ersten Festivalabend in die völlig überberfüllte Molotow Bar, wo die zurückhaltenden Norweger Dråpe bei ihrem zweiten deutschen Gig auf Tuchfühlung mit dem Publikum gehen und live erstaunlich handfest daherkommen. Diese psychedelische Dahintreiberei hat deutliche Erdenschwere will mitunter mit Macht überwältigen. Die Stimme von Hanne Olsen Solem klingt sehr erwachsen, ganz im Gegensatz zur äußeren Erscheinung der fünf Osloer, die teils so aussehen, als hätten sie erst vor zwei Tagen das Abitur bestanden. Darauf pfeifen sie im schönen Video zum Song »We Want The World«, der von souveräner Schlunzigkeit ist. Und passen somit bestens in das noch nicht gentrifizierte Umfeld. Erstes Album erscheint demnächst, bitte wiederkommen!

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