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Foto nordische Landschaft

22. Oktober 2013

Dinge, die wir gestern sagten: Easy October

Ach, der Oktober ist doch immer der Monat der lauen Wehmut. Der Monat des allmählichen Abschiednehmens vom wochentäglichen Nachhausekommen bei Tageslicht. Des Nachdenkens darüber, dass schon wieder ein Jahr fast vorbei ist. Und des bangen Nachfragens, ob man nicht viel zu jung ist, um älter zu werden. Den perfekten Soundtrack für den zehnten Monat des Jahres liefern die Schweden von Easy October, die uns mit countryesker Melancholie das Herz wärmen. Meist angenehm verlangsamt daherkommen und sich irgendwo zwischen bluegrassiger Solitude, poppigen Ausbrüchen und Singer-Songwriter-Innerlichkeit ansiedeln. Was nicht heißt, dass hier für sanftes Pathos kein Platz wäre! Das wäre alles zwar schön und Seele streichelnd, doch die Namen hinter dem Projekt lassen aufhorchen: Es sind allesamt Veteranen der schwedischen Alternative-Rock und Americana-Szene: Johan Håkansson von The Soundtrack Of Our Lives und der immer über den Tellerrrand schauenden Kristoffer Åström etwa. Wer von den Herren den schönsten Vollbartwuchs hat, wollen wir dem Geschmack des Einzelnen überlassen. Das Debütalbum »THINGS WE SAID YESTERDAY« ist jetzt herausgekommen und hat macht aus jedem Abschied ein Miniatur-Melodram. Auf der Bandcamp-Seite von Easy October kann man zu spätnebeliger Dämmerstunde zur Gänze in das Erstlingswerk hereinhören. Und die unermüdlichen Szene-Urgesteine unterstützen, wenn man mag.

Ein schönes Detail am Rande ist das Faktum, dass drei der vier Bandmitglieder im Oktober geboren worden sind. Was ihr Hingezogensein zu welkenden Zuständen und einer seufzenden Form der Sehnsucht erklären könnte. Oder sie fühlen sich einfach wohl in einer Umgebung, in der die Dinge dezidiert nicht sicher sind und sich die Nächte endlos dehnen können. Ob es dort am besten ist, wo man schon seit einer ganzen Weile verharrt? Fraglich! Aber gute Frage, das! Noch ist hier nicht alles völlig rund ausgefallen. Mitunter streift man die Grenze zur Gefälligkeit, aber sei´s drum: Die Stimmung einer rauchblauen Melancholie treffen die vier mitunter präzise. Wo war die genaue Stelle, an der wir vom Wege abgekommen sind? Wollen wir besser gar nicht so genau wissen, sondern lieber in großen Gefühlen schwelgen. Und uns darauf freuen, dass Easy October im Januar (!) auf Deutschlandtour kommen und dabei auch in der heimischen hessischen Provinz Station machen. Aber vorher gibt es noch einen Grund, den Oktober einen wunderbaren Monat zu finden: Ende Oktober startet in Reykjavik das allerschönste Festival von allen, das Iceland Airwaves Festival. Fünf Tage randvoll mit Musik. Das diesjährige Programm hat vor allem beim Off-Venue-Teil nochmal zugelegt. Irgendwas mit insgesamt 500 Gigs. Ich freu mich schon kringelig.

Foto: Stina Persson