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Foto nordische Landschaft

20. November 2013

Kleine Melodien, vertrackte Gefühle: Suns Of Satan

Über unglückliche Ehen, in denen die Partner emotional oder intellektuell verkümmern, gibt es regalmeterweise Literatur. Über glückliche, inspirierende Partnerschaften eher nicht. Problembeziehungen sind so viel interessanter und vielschichtiger, so scheint´s. Wenn das mal nicht falsch gedacht ist! Denn dass sich Ehegatten gegenseitig wunderbar anregen können und dabei fern aller langweiligen Heimeligkeit agieren, zeigt das dänisch-norwegische Duo Suns Of Satan, bestehend aus der Sängerin und Perkussionistin Kristine Bjørg Markussen und ihrem multiinstrumentalistischen Ehemann Jeppe Søndergård Knudsen. Und nur für vorsichtige und vorurteilsbeladene Naturen: Mit Death Metal und wildem Headgebange haben Suns Of Satan nichts zu tun. Das Duo definiert sich selbst als »dualistische Liebesaffäre zwischen Gut und Böse«, wobei der Dualismus hier eher auf Katzenpfoten daherkommt. Mann und Frau bewegen sich hier geschmeidig in den weiten Grenzlanden zwischen Weird-, Kammer-, Dream- und Mathpop (uff! das war eine Ansage!). Vielleicht ist es hier noch als kleine Hintergrundinformation von Bedeutung, dass Frau Bjørg Markussen in Westafrika traditionelle tribale Schlagwerkkunst studiert hat und sich im Zuge der Ausbildung mit Hexen-Ritualen beschäftigte.

Auf ihrem Debütalbum »SIDESPRING«, das bereits im Sommer beim dänischen Label Father Figure Records erschienen ist, widmet sich das Duo den scheinbar kleinen Melodien und den fragilen Gefühlen. Einfühlsam gestützt von Keyboard-Samples, Spielzeuginstrumentensounds, zurückhaltenden Synthies und näselnden Gitarren. Die Stimme von Bjørg Markussen erinnert mitunter an die wunderbare (und in Deutschland leider immer noch völlig unbekannte) finnische Sängerin Noora Tommila und ihre Bands Lowlife Rock´n´Roll Philosophers und Eleanoora Rosenholm: Zart, aber dennoch kraftvoll und irgendwie nicht ganz von dieser Welt. Suns Of Satan finden mit ihren Miniatur-Hexenwerk-Songs eine ganz eigene Nische. In der es zwar leicht und luftig zugeht, aber in denen die Gewissheiten langsam schwinden wie das Sonnenlicht zur Abenddämmerung. Das ist schlau und vertrackt und in der kleinen Form auf eine nicht kirre machenden Art sehr aufregend. Dass hier auf Dänisch gesungen wird, steht dem Werkverständnis übrigens keinesfalls im Wege.

Ganz unauffällig führen uns diese scheinbar simplen Songs auf verträumte Nebenwege, wo auch Schatten lauern. Und erst bei mehrfachem Hören fällt auf, wie kompliziert diese Strukturen sind und welche feinen Querverweise hier wie die kleinen Gespenster durch die Tracks huschen: Von Klassik über Folk bis zu Jazzigem und Kinderliederigem. Und trotzdem wird es einem hier nie befangen ums Herz, sondern offen und frei. Hoch lebe die Fabulierkunst! Dieses Album entpuppt sich übrigens kurz vor Jahresende als echte Entdeckung, die es durchaus noch in die persönlichen Jahrescharts schaffen könnte. Via Bandcamp kann man dem Werk zur Gänze lauschen. Und ich weiß nicht, welchen Track ich hier besonders empfehlen soll: Die sind alle gut und auf eine zurückhaltende Weise euphorisierend!

Foto: Verner Johnsen