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Foto nordische Landschaft

30. November 2013

Eine kluge Nachtmusik mit Redder

Röter ist ein schönes Wort. Gerade gestern benutzte ich es, um der netten jungen Frau von Miller Mützen auf dem Bessunger Weihnachtsmarkt zu erklären, welche Farbe die ideale, sehr freche Zipfelmütze haben müsste. »Ein röteres Rot als dieses!«

Redder ist auch der Name eines neuen Elektronik-Duos aus Helsinki, das schön verlangsamte, kluge Nachtmusik für die Stunden nach Mitternacht macht. Dabei ist es durchaus von Vorteil, dass Frans Saraste and Vesa Hoikka aus unterschiedlichen musikalischen Zusammenhängen kommen: Frans aus der folkigen, singer-songwriterigen Ecke, Vesa aus dem triphoppigen, elektronischen Umfeld. Wer hier genau hinhört, registriert auch Anklänge an blasses, britisches Schönmenschentum vom Anfang der 80er Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Edel und postromantisch, geht es hier zu, aber keineswegs zu abgehoben. Etwas Unbestimmtes liegt hier in der Luft, das sich nicht recht fassen lässt, aber auf gehobenem Niveau zum Nachdenken anregt. Von Redder liegt bislang die EP »BORDER/LINES« vor. Man lässt sich hier entspannt im Ambient-Modus durch Gefühlszustände treiben, die eigentlich nur mit der Schwarz-Weiß-Kamera aufgenommen werden können. Zum titelgebenden Stück gibt es ein sehr edles Video, in dem gutaussehende Menschen leicht verloren durch urbane Landschaften taumeln. Ein empfindsames Piano verleiht dem Track Charakter, und die helle Stimme von Saraste fügt sich wie selbstverständlich in das Gesamtkunstwerk ein,

Fast noch besser aber gefällt das minimalistische »Closer«, bei dem die Massive-Attack-Anspielungen zwar unüberhörbar sind, aber doch eine eigene Handschrift erkennbar wird. Simpel sind die Dinge in Redder-Land sicherlich nicht, aber man folgt den beiden gerne in die labyrinthischen Windungen angedüsterter Emotionen. Wobei zwischen den Zeilen und Tönen jederzeit deutlich wird, dass sich mitunter Sonnenstrahlen in diese mittelschwarze Welt verlieren. Und wenn man sich´s genau überlegt, dann sind es die intelligente Vertracktheit und das elegante Hakenschlagen, die hier am meisten Freude bereiten. Vorstellbar, dass diese beiden blassen Jungspunde in England reüssieren. Denn im James-Blake-Land sind sie musikalisch hörbar mehr zuhause als im heimischen Finnland.

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