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Foto nordische Landschaft

04. Dezember 2013

Na, da sind sie ja wieder, die Sternschnuppen: Goodbye Lisichka

Diese gefühlige Trompete hat gefehlt: Die von Daniel Bonde! Aber so schnell geht auf dieser Welt nichts verloren, auch wenn einige Dinge zu Ende gehen. Neue entstehen! Jetzt erstmal der Reihe nach: Zu den schönsten Entdeckungen des Iceland Airwaves Festivals vor zwei Jahren gehörte die junge dänische Band Raised Among Wolves, die sich ihre eigene Märchenwelt zwischen Tweepop, Folk und anspruchsvoller Bilderbuchästhetik erschuf und in Wo-die-Wilden-Kerle-Wohnen-Wolfsanzügen über die Bühne tollte. Man wartete danach immer auf den großen Paukenschlag, der unweigerlich folgen musste, denn diese Jungspunde aus dem Königreich kamen so verspielt und sympathisch daher, dass aus ihnen einfach etwas werden musste. Allein, so war es nicht. So weit ich es übersehe, wurde eine EP veröffentlicht, und dann passierte nichts mehr. Aus den Resten von Raised Among Wolves aber ist nun eine neue Band entstanden, die den Namen Goodbye Lisichka trägt und deren Musik mitunter so funkelt wie die Sternschnuppen. Wenn eine Band große Kinderaugen hat, dann ist es dieses Trio aus Kopenhagen. Das die eigene Musik als »electronic lo-fi poprock« bezeichnet. Und dabei zu erwähnen vergisst, dass man irgendwie noch immer mit einem Fuß im Märchenland steht und gerne vor sich hintagträumt. Ja, und da ist sie wieder, diese Trompete! Die als Instrument in der Popmusik definitiv unterschätzt wird. Und da ist als Neuerung die sanfte Stimme von Gerda Ordaag, die nun schön mit den beiden Herren in Boy-Girl-Harmonien schwelgen darf. Die Dänen schreiben verhalten euphorische Songs mit schönen Titeln wie »From Our Windows We Can Hear The Humming Trees«. Und lassen die elektronischen Gerätschaften naiv dazu puckern.

Die Drei werkeln aktuell am Debütalbum und entschwinden dabei gerne in märchenhafte Gegenwelten, wo sich unter simplen Küchentischen geheimnisvolle goldene Kästchen verbergen. Ach, zu viel C.S. Lewis gelesen als Kinder? Was Goodbye Lisichka hier vorlegen, sind kleine Oden an Zustände fragiler Schönheit, in denen man der schnöden Welt einfach entwischt, um in Bäumen zu schlafen. Hartgesottene und abgebrühte Gemüter mögen derlei flüchtige Pastell-Preziosen für Grenzwert-Kitsch halten, aber die müssen das Träumen einfach verlernt haben. Und erstmal solch sinnlich hakenschlagende Songs ersinnen wie »Tomorrow Was Just A Flock Of Sequels, My Dear«, das irgendwie so kullert wie ein roter Gummiball über den Pausenhof. Dazu perlt ein zutiefst romantisches Piano. Das Logo des Bandnamens ist in Kinder-Krakelschrift gehalten. Passt! Was mag man den Dänen als ferne gute Fee aus Deutschland zurufen? Dieses Mal bitte nicht so schnell aufgeben!

Foto:Bo Søgaard Nielsen.