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Foto nordische Landschaft

11. Dezember 2013

Ach, Norwegen: Thea Hjelmeland und Aurora Aksnes

Da sitzt sie nun im grünen Glitzerkleid auf der kleinen Bühne in einem Darmstädter Hinterhofgebäude, das an diesem stockdunklen Abend wohl nur von Eingeweihten zu finden ist. Die norwegische Sängerin Thea Hjelmeland scheint auf den ersten Blick eine Mischung zwischen Koboldin, weiblichem Nerd und Feierabend-Galadriel zu sein, aber der Eindruck täuscht ungemein. Die Chanteuse ist hochpräsent, hellwach und auf aufregende Art unberechenbar. Muss keine großen Geschichten erzählen, um dramatische Effekte zu erzielen. Sie muss auch nicht schreien: Flüstern und sanft artikulieren sind völlig ausreichend, um mächtig Eindruck zu hinterlassen. Frau Hjelmeland spinnt krause kleine urbane Märchen und begleitet sich selbst auf reduzierte Weise mit Gitarre, Banjo und Ukulele. Dreht Alltagsgeschehnisse auf ihre Weise weiter, bis sie einen Sinn ergeben, der nicht unbedingt naheliegt. Wie die Mär von der verwirrten alten Frau, die eines Tages auf Førde, der kleinen Heimatinsel der Chanteuse auftaucht und wie ein Geist durch die Straßen irrlichtert. Keiner kennt sie. Wenige Wochen später stirbt sie. Thea Hjelmeland erfindet ihre eigene Interpretation der Dinge: Die betagte Dame muss die Witwe eines Gefangen sein, der vor vielen Jahren in einer Strafkolonie auf dem Eiland interniert war. Und setzt der Verstorbenen so ihr eigenes Denkmal.

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