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Foto nordische Landschaft

12. Dezember 2013

Dark Tranquillity: »You are amazing! Thank you!«

Tatort: Heruntergekommener, alter Lokschuppen
Tatverdächtige: Melodische Death Metaller aus Pippi Langstrumpf-Land
Tatzeit: In den düsteren Abendstunden des 3. Dezember 2013
Tatzeugen: Alte, Junge, Mittlere von kurz bis langhaarig

»You are amazing! Thank you!« – das sind die wohl die meist verwendeten Worte des Abends, ausgesprochen von Dark Tranquillitys Frontmann Mikael Stanne.

Stanne und seine Nordmänner geben sich am 3. Dezember 2013 die Ehre in den Stuttgarter Wagenhallen vor einem recht überschaubaren Publikum zu spielen – ursprünglich sollte das Konzert im Club Universum stattfinden.

Vorspiel

Als wir von diesem Konzert erfahren haben, war uns sofort klar: »Wir müssen hin!« Auch 115 (bzw. 80) Kilometer entfernt. Auch unter der Woche. Auch wenn der Wecker am nächsten Morgen um 5.30 Uhr klingelt. Dark Tranquillity sind es wert – und das haben außer uns noch eine Hand voll Leute gedacht.

Voller Vorfreude fahren wir in Karlsruhe los. Nur ist unserer Internet-Wegbeschreibung nicht zu trauen: »Sie haben Ihr Ziel erreicht« … von wegen. Wir kommen einfach nicht an. Fahren stattdessen zweimal im Kreis und verfranzen uns total. Okay, also doch das Navi programmieren. Endlich angekommen, werden wir von der Crew mit einem fröhlichen »schön, das Ihr da seid« begrüßt – und haben die erste Band (Name-vergessen) verpasst, was uns allerdings nicht weiter tragisch erscheint.

Die Location ist einfach »amazing«. Ich bin zum ersten Mal in den Wagenhallen und finde sie klasse: Dort gehe ich gerne wieder hin – und finde den Weg dann auf Anhieb.

Die norwegischen Tristania fangen bald nach unserem Eintreffen zu spielen an, doch stehen sie auf verlorenem Posten: Das Publikum will einfach nicht mitziehen. So bleiben die Zuschauer nach der Aufforderung zum Mitsingen einfach still, was eine kafkaeske Situation hervorbringt. Erst bei den letzten zwei oder drei Songs hat es Fronterin Mariangela »Mary« Demurtas (AdR: seit 2007 Vibeke Stenes Nachfolgerin) geschafft: Die Menge wirkt mit, vereinzelt wird gebangt oder mitgeklatscht.

Dark Tranquillity (S)

Als die Zeit für Dark Tranquillity heranbricht, erwacht auch das Publikum: Es scheint wie ausgewechselt. Vom ersten Song an, »The Science Of Noise« vom aktuellen Album »CONSTRUCT«, gibt die Menge alles.

Die Setlist bewegt sich durch die ganze Bandgeschichte: Von »Bolt of Blazing Gold« vom Debüt »SKYDANCER«(1993) – mit Tristanias Mariangela Demurtas als Duettpartnerin– über »Punish My Heaven« von »THE GALLERY« (1995) bis zu »ThereIn« von »PROJECTOR« (1999). Egal welchen Song der Schweden-Fünfer anstimmt, das Publikum ist sofort bei der Sache. In so einem kleinen Rahmen macht es verdammt viel Spaß richtig Gas zu geben.

Auch Stücke von den Werken »HAVEN« (2000), »FICTION« (2007), »WE ARE THE VOID«(2010) und »DAMAGE DONE« (2002) sind vertreten, sogar »Zero Distance« von der gleichnamigem EP (2012) spielen die Melodic Deather. Die meisten Songs stammen jedoch vom aktuellen Album und fügen sich harmonisch in die abwechslungsreiche Setlist ein.

Überall wirbeln Haare durch die Luft, wird getanzt, mitgesungen und mitgeklatscht … mir tut der Nacken auch zwei Tage später noch reichlich weh. Herr Stanne weiß, wie er seine Fans behandeln muss: Immer freundlich, gut gelaunt und mit sichtbarem Spaß. Er dankt den Zuhörern ausgiebig nach jeder Darbietung, und seine Bandkollegen stehen ihm in nichts nach.

Als Abschlussstück bieten sie mit »Misery’s Crown« einen echten Kracher. Doch die Meute will sich nicht damit abfinden, dass das das Ende gewesen sein soll: Sie klatscht weiter und ordert die Kapelle mit »Dark Tranquillity«-Rufen zurück auf die Bühne. So lassen sich Mikael-»you-are-amazing«-Stanne und seine Band zu einer Zugabe hinreißen: »Final Resistance«, ein Killersong von »DAMAGE DONE«. Leider die einzige Zugabe.


Fazit: Ein wunderbares Konzert in einer geilen Location. Von Dark Tranquillity wird man nie enttäuscht, sie sind immer eine Wucht – eben einfach »amazing«!

PS: Lest auch unser wunderbares Interview mit der Rampensau Mikael Stanne – hier.

© Fotos: natte, Text: johnic

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