Home
Foto nordische Landschaft

17. Dezember 2013

Satyricon im LKA: »I am possessed« – noch immer

Tatort: LKA – statt Club Zentral, Stuttgart
Tatverdächtige: Taiwanesische Norweger
Tatzeit
: Gefühlt zu kurz
Tatzeugen: Überwiegend Langhaarige

Dimmu Borgir haben mich irgendwann verloren. Irgendwann zwischen 1996 und 2004. Zwischen Kommerz und Bandquerelen. Satyricon nicht: Von »THE SHADOWTHRONE« (1994) bis zum überfälligen »SATYRICON«-Album (2013) habe ich sie / haben sie mich die ganzen Jahre begleitet.

Frost, der Konstante, und Satyr, der Wandelbare. Nicht mal mit der »MEGIDDO«-EP konnten sie mich vergraulen. Live gesehen habe ich sie unter anderem in Oslo, auf dem Inferno 2013, oder in Bergen beim finalen Hole In The Sky-Festival 2011. Kurz: »I am possessed« – noch immer.

Seit Monaten habe ich mich auf den Stuttgart-Gig am 12. Dezember 2013 gefreut, mit den taiwanesischen Chthonic als Vorband – und werde nicht enttäuscht.

CHTHONIC – Anheizer …

Chthonic habe ich als coole Vorband Ensiferums anno 2007 in Erinnerung, dank ihres Plattenvertrags beim finnischen Label Spinefarm. Weniger coole Erinnerungen dürften Chthonic an den heutigen Tag in Stuttgart haben:

Wie ihre Fans auf Facebook lesen können, musste heute erst Gitarrist Jesse Liu ins Krankenhaus (»Jesse’ eye was hurt by a drum stand yesterday in Geneva«), dann geht während der Show die Maske des Keyboarders CJ Kao zu Bruch – und er kann sich kaum bewegen: »Lot’s of Shits happened today.«

Trotz dieser beiden unerfreulichen Ereignisse lieferten die Taiwanesen einen guten Auftritt ab. Ihre Mischung aus melodischem Black Metal und östlichem Folk kommt auch beim Publikum im LKA gut an. Die Band aus Taipei bietet ein stimmiges Gesamtpaket, musikalisch und optisch: Vom variablen Gesang des Fronters über die von ihm gespielte Erhu (ein zweisaitiges chinesisches Streichinstrument) bis zum »Ghostpaint«, dem blinkenden Bass von Doris Yeh und der erwähnten Maske, bzw. Masken des Keyboarders plus Schlagzeugers Dani Wang.

Wer die 1995 gegründete Kapelle nicht kennt, für den klingt möglicherweise ein Stück wie das andere, doch selbst dann punkten Chthonic mit Energie und Spielfreude – und manch ein Neuling leg sich nach dem wohlverdienten Applaus eins ihrer Alben zu. Hören!

… und Höllenfeuer- SATYRICON

Nach der Umbaupause begeben sich Saytricon gemessenen Schrittes auf die Bühne, positionieren sich, Satyr nickt mit erhobenem Haupt im Takt, passend zum fast gediegenen Opener »Voice of Shadows« von ihrem aktuellen »SATYRICON«-Album.

Beim folgenden Bandklassiker »Hvite Krists Død«, vom Kultwerk »THE SHADOWTHRONE«, spaltet sich das Publikum klar in alte Hasen und Neu-Fans: Letztere schauen irritiert aus der Wäsche. Erleichtert erkennen sie nach einem ausgiebigen Drum-Solo den Titelsong von »NOW, DIABOLICAL«, singen folglich den Refrain mit und strecken Teufelshörnchen in die Luft. Derart aufgeheizt, ist Schlagzeuger Frost bereit für den näxten Kracher, »Black Crow on a Tombstone« vom Vorgänger »THE AGE OF NERO«, ein verdammt geil groovender Song.

Nach einer Verschnaufpause (»Our World, It Rumbles Tonight«) und dem lässig groovenden »Nekrohaven« kracht einer meiner absoluten Lieblinge aus der PA, auf der Tour weder in Essen noch München gespielt: »Possessed«. Brachial. Bösartig. Furios. Großartig. Die Nackenschmerzen am näxten Tag? Egal.
Dass Satyr, seine Live-Musiker (u.a. Gitarrist Steinar Gundersen und Neu-Live-Keyboarder Job Bos) dafür »Repined Bastard Nation« aus der Setlist schmeißen? Scheißegal.

Satyr, alias Sigurd Wongraven, greift im Verlaufe des Konzerts immer wieder zur dritten Gitarre, bewirbt die neue Scheibe ausgiebig, doch zelebriert ebenso »Commando« (»THE AGE OF NERO«) und »To The Mountains« (»NOW, DIABOLICAL«). Viel zu schnell endet das offizielle Set schließlich mit »The Pentagram Burns«.

Die heißgespielte Meute im Stuttgarter LKA verlangt nach Zugaben, genauer nach einer bestimmten: »Mother North«. Diese ist dem männlichen Fan-Teil, vor allem Dank der blonden Hauptdarstellerin im zugehörigen Video, für immer auf die Netzhaut gebrannt – und nebenbei eine verteufelt gute Hymne.
Ebenso stark die zweite Zugabe der Black-Metal-Könige-des-Schattenthrons: »K.I.N.G.«. Und weil Satyr, Frost und Live-Anhang heute richtig Spaß haben legen sie noch eine, leider die letzte, drauf. Hei Jungs, ihr könnt uns doch jetzt, nach »Fuel For Hatred«, nicht einfach stehen lassen?!

Doch. Können sie. Leider.

© Fotos: natte

PS: Wer diese Black Metal-Legende nie gesehen hat, ist selten dämlich.

Die letzten 5 Beiträge von Nathalie Martin

Noch keine Kommentare!

Schreibe einen Kommentar

Folgende Tags sind erlaubt: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>

*
Bitte gib das Sicherheitswort auf dem Bild ein.
Anti-spam image