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Foto nordische Landschaft

23. Dezember 2013

Gebrochene Klänge für unruhige Seelen: Loji

Wer kurz vor Weihnachten genug von Harmoniesucht und Schönklang hat, der benötigt als Gegengewicht die unfertigen, unruhigen, so gar nicht perfekten Töne. Wie sie etwa vom schrulligen isländischen Singer-Songwriter Loji kommen, der eben sein zweites Soloalbum »SAMANSAFN« herausgebracht hat. Das von eher unruhiger Schönheit ist und seine Stärke gerade aus seiner Unfertigkeit und seinem Hingezogensein zum Experiment bezieht. Musikalische Ideen hat Logi Höskuldsson alias Loji im Übermaß, denn der Zweitling umfasst nicht weniger als 19 Tracks. Meist Momentaufnahmen grenzwertiger Zustände von skuriller Eigenart, die dickköpfig vor sich hintraben. Bisweilen driftet der Musiker, der in Reykjavik (wie dort üblich!) noch in den Bands Prins Pólo und Sudden Weather Change aktiv ist, wie im Song »Tables Were Full Of Things« in psychedelische Gegenwelten ab. Unter »Lo-Fi Alternative Rock« wurde Loji letztens beim Iceland Airwaves für das breite Publikum in die Schublade einsortiert, aber das Rock-Attribut hätte man getrost streichen können: Es geht hier eher in Richtung Weirdpop mit ungewissem Ausgang. Durch diese Klänge geistern flüchtige Luftwesen, die sich partout nicht greifen lassen wollen.

Loji – Same Site, New Role from Olafur on Vimeo.

»SAMANSAFN« soll, so wird glaubhaft versichert, das isländische Wort für eine Sammlung unterschiedlicher Dinge, was die Sache doch recht gut trifft. Zu den Eigentümlichkeiten am Rande gehört hier auch, dass Loji sich vorgenommen hat, dass seine Alben alle mit dem Buchstaben »S« beginnen sollen, was er schon beim Erstling »SKYNNDISKYSSUR« in die Tat umsetzte. Das Album ist alles andere als leichte Kost, aber hey! Seichtes und durchgespültes hören wir dieser Tage zur Genüge, da kommen die beunruhigenden Töne doch gerade recht. Loji hat das Album zur Gänze auf Bandcamp gestellt. Und nimmt uns mit auf eine Tour de Force durch gefährliche Gefühlswelten. Übrigens gefallen gerade die elektronisch inspirierten, warmblütigen Geisterstückchen wie »It Wasn´t Part Of Your Dance« mit am besten!