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Foto nordische Landschaft

05. Januar 2014

Kúra: Auf dem halben Weg zum Mond

Den halben Weg zum Mond haben Kúra zumindest schon zurückgelegt: »HALFWAY TO THE MOON« heißt der Titel des Debütalbums. Das isländisch-dänische Elektronik-Duo bewegt sich in angenehm angedüsterten Gefilden, irgendwo zwischen Melancholie und Minimalismus. Wobei die triphoppigen Anspielungen nicht zu überhören sind. Was die nächtlichen Tieftemperaturen hier nicht jenseits des Gefrierpunktes sinken lässt, ist die Stimme von Fanney Ósk Þórisdóttir, die verspielte Wärme ausstrahlt. Wie glaubhaft versichert wird, ist Kúra mit der Vokabel »Streicheln« wohl am besten übersetzt. Wobei diese Variante wohl eher eine ganz zarte, flüchtige Berührung ist. Zumindest legt das der feine Track »Gógó« nahe, den man zur Not auch Kindern als Schlaflied vorsingen könnte. Beats, Gitarre und Produktion besorgt übrigens die dänische Hälfte des Duos, nämlich Brynjar Bjarnfoss. Leben tut man praktischerweise in Kopenhagen und Reykjavik.

Kúra streben durchaus auch auf die großstädtischen Danceflloors, aber auf eine zurückhaltende, unterkühlte Weise so. GusGus sind als Geschwister im Geiste hier gar nicht so fern, aber die Jungspunde schleppen weniger intellektuelles Gepäck mit sich herum als die Altmeister. Einen feinen Sinn für Stil nennen sie aber gleichwohl ihr eigen, wie im Song »Anchor«, in dem ein kraftvstrotzender Bodybuilder die Hauptrolle spielt, dem all die die mächtigen Muskeln nicht vor Selbstzweifeln und Rückzug in die Innerlichkeit schützen. Trotz (oder vielleicht gerade: wegen!) der herbstlichen Stimmung verspürt man hier übrigens unbändige Lust, sofort ins nächste Flugzeug nach Island zu steigen und sich in diesen kargen, grau-blauen Landschaften zu verlieren. Der Track steht übrigens für Menschen, denen an Besitz gelegen ist, auf der Soundcloud-Seite der Band zum freien Download zur Verfügung. Kúra werkeln übrigens gerade an einer neuen EP. Ach ja, Frau Þórisdóttir: Vielleicht hören sich moderne Sirenengesänge so an!

Kúra – Anchor from Kristian Touborg on Vimeo.