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Foto nordische Landschaft

08. Januar 2014

Línt, oder postrockige Filmmusik aus Bergen

Bergen, immer wieder Bergen! In der norwegischen Hafenstadt scheinen die musikalischen Talente fast so zu wuchern wie Löwenzahn im Frühlingsregen. Statt der fröhlichen Popster Kakkmaddfakka oder der Innerlichkeits-Heroen Kings Of Convenience sind es dieses Mal Postrocker mit Filmsoundtrack-Qualitäten. Línt heißen die fünf Jungspunde, die unerschrocken zu großer Geste ausholen. Das selbst betitelte Debütalbum ist im vergangenen Sommer beim renommierten Bergener Label Klangkollektivet erschienen. Línt nehmen sich in postrockiger Tradition alle Zeit der Welt, um klangmalerisch Stimmungen zu schaffen, die irgendwo zwischen Emo-Empfindsamkeit, romantischer Verträumtheit und handfestem Rock changieren. Gesungen wird auch, in Falsett-Tönen. Lautmalerisch, ohne Worte. Mit sich fein aufbauenden Spannungsbögen. Línt spielen den Soundtrack für ausuferndes, vielleicht sogar zielloses Unterwegssein ein. In dem sehr feinen Video zum Track »Perfect Motion Picture« (aha! Filmreferenz!) spielt die legendäre Bahnstrecke zwischen Bergen und Oslo, die Bergen Bahn, eine wichtige Rolle.

Línt – Perfect Motion Picture from Klangkollektivet on Vimeo.

Línt sind sogar in Norwegen selbst noch recht unbeschriebene Blätter, aber die junge Band hat zumindest so viel Aufmerksamkeit erregt, dass sie sich im Februar beim by:Larm-Festival in Oslo erstmals auch einm internationalen Publikum vorstellen darf. Von der Musik des Quartetts kann man sich zu späterer Abendstunde mittels lärmgitarriger Ausbrüche auf sehr raffinierte Weise in durchaus leidenschaftliche Gefühlswelten entführen lassen. Aber sorgsam so! Die Vocals erinnern mitunter an Sigur Rós, aber hey! das ist nicht die schlechteste Referenz. Die Fünf inszensieren sich zwischendurch als eigenwillige Künstler, die sich von Nebelschwaden ernähren. Denn dass in »I Eat Fog« Kinderspielzeug-Sounds mit Gitarrenklängen kombiniert werden, die mitunter fast wie Trompeten klingen, erzeugt eine sehr jenseitige Atmosphäre. Wobei von wolkenhafter Verhuschtheit keine Rede sein kann: Línt kommen hier kraftvoll selbstbewusst daher! Via Soundcloud kann man der Debüt-EP übrigens zur Gänze lauschen.

Foto: Kristoffer Øen