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Foto nordische Landschaft

01. Februar 2014

Wie werden Musikkarrieren heute gemacht? Das Beispiel Mono Town

Früher ging das mit der Musikkarriere meist so: Man spielte in kleinen Clubs, gewann eine Fangemeinde und irgendwann einmal wurde vielleicht eine Plattenfirma aufmerksam und nahm die Dinge in die Hand. Und wenn alles gut lief, profitierten alle Beteiligten von diesem Geschäft und lebten glücklich bis an ihr Lebensende. Heute sind die Dinge anders. Die Streamingdienste traten neulich auf dem Eurosonic Festival im holländischen Groningen mit sehr breiter Brust auf: Denn nach einigen Anlaufschwierigkeiten sieht es heute so aus, als ob die Bezahl-Streamingdienste wie Spotify den legalen Album-Downloads á la Firma Apple allmählich ernsthaft Konkurrenz machen. Deshalb werden Musikkarrieren vielleicht neuerdings so gemacht wie bei den Newcomern Mono Town aus Island. Die Dreamrocker von der Atlantikinsel haben ihr Debütalbum »IN THE EYE OF THE STORM« vor wenigen Tagen exklusiv beim US-Streamingdienst Deezer herausgebracht. Deezer-Oberwerber Pierre Niboyet bezeichnete die Zusammenarbeit mit den Isländern in Groningen gar als »Pioniertat« und wies selbstbewusst darauf hin, dass Mono Town durch die Präsentation auf der Plattform binnen zweier Monate auf mehr als eine Million Streams kamen. Und lässt keinen Zweifel daran, dass Streams in der heutigen »Aufmerksamkeits-Ökonomie« die neue Währung sind. Plattenverkäufe? Pfffffft!

Für die bis dato außerhalb Islands weitgehend unbekannten Mono Town hört sich dieser Deal zunächst gut an. Der große Bruder Deezer nimmt die Reykjaviker an die Hand und macht die Wege frei. Kein Wunder also, dass sich die Band in einem Interview im Deezer-Blog (!) von der Zusammenarbeit begeistert zeigt.

For every young unsigned band it is very important to be helped reaching out to as wide an audience as possible. Deezer is doing exactly that. For people, for example in Brazil, to be able to discover and listen to an unknown band from Iceland is incredible for us. As our fan base grows so will our online presence. Bands tend to look at other options as the “right” options in regards of distributing their music. Together with Deezer, we’ve done something completely different. Thinking outside the box can sometimes be a very good thing.

Ob diese Rechung aufgeht? Und in welchen Verträgen mit Deezer mag man stecken, wenn sich der Erfolg einstellen sollte? Funktionieren die Dinge tatsächlich nach Planung per Reißbrett? Setzt das Deezer-Management darauf, dass Mono Town das nächste große Ding aus Island nach dem Erfolg von Of Monsters And Men sein könnten? Das hängt doch wohl immer noch von der Musik ab! Und, Hand aufs Herz, vor diesem Hintergrund war nicht zu erwarten, dass Mono Town experimentelle oder schwer goutierbare Töne anschlagen würden. Die Isländer bieten auf ihrem Debüt Gutmenschen-Rock, garniert mit gefühligen Streichern. Das kommt sehr gefällig und mitunter leicht altmodisch daher. Konsensrock der großen Geste also, den man sich durchaus in sommerlichen Stadien vorstellen kann. Eignet sich bestens als musikalische Hintergrundmusik für gestresste Großstädter nach Feierabend, wenn man sich nach den Anstrengungen des Tages aufs Sofa fallen lässt. Und sich im besten Falle dort beim Lieblingsmenschen ankuschelt. Dagegen ist ernsthaft nichts einzuwenden. Und deshalb könnte das Kalkül hinter der Zusammenarbeit von Deezer und Mono Town sogar aufgehen. Wer nun trotzdem neugierig auf die Isländer geworden ist, kann dem Debütalbum vordergründig für umsonst bei Deezer lauschen. Einfach über Facebook anmelden und schön mit den eigenen Daten bezahlen!

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