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Foto nordische Landschaft

21. März 2014

Theatralische Unterwelten: Cours Lapin

Wenn eine Band das eigene Schaffen als »theatralische Unterwelt verzerrter französischer Märchen« bezeichnet, dann werden meine Ohren so lang wie die eines Märzhasen. Wie passend, dass sich Cours Lapin nach einem Karnickel benannt haben! Es scheint zunächst allerliebst, wie Sängerin Louise Alenius hier französisch singt und sich auf den ersten Blick als Fan der Bohème-Welt des Montmartre outet, wie sie die kulleräugige Kellnerin Amélie nicht besser personifizieren könnte. Aber halt, dem ist nicht so, denn diese Dänen wollen lieber garstige Geschichten erzählen, in denen der sanfte Grusel an den Rändern lauert. Im Video zu »Cache Cache« sind die Mädchen in den weißen Kleidchen keineswegs harmlos, sondern latent bedrohlich. Wie sie so aus modrigem Waldboden gen Licht streben, verzerrte Disco-Nummern tanzen und eine bedenkliche Neugier an menschlichen Behausungen zeigen!

Cours Lapin – Cache Cache from Fake Diamond Records on Vimeo.

Das Debütalbum der Vier aus Kopenhagen liegt schon ein paar Jährchen zurück, aber es lohnt sich in diesem Fall, zurückzublicken: Auf Anspielungen an den 60ies-Pop, die Filme von Tim Burton, die Tradition des französischen Kasperletheaters namens Grand Guignol, in der mächtig gehauen wird, und einer guten Prise dunkelgrauer Nachmahr-Melancholie. Die Stimme von Louise Alenius klingt nur für unaufmerksame Zeitgenossen kleinmädchenhaft naiv. Wer genauer hinhört, wird hier katzengleiche Unberechenbarkeit entdecken. Von Heimeligkeit nichts zu spüren unter diesen taubengrauen Pariser Himmeln. Der Fama nach hat Alenius zehn Jahre lang in der französischen Hauptstadt gelebt – lange genug also, um die Widersprüche aufzusagen, die sich zwischen Touristen-Romantik und realer Tristesse auftun. So ist es nur folgerichtig, dass diese Töne immer ein ganz kein bisschen schräg klingen.

Während von Cours Lapin aktuell wenig zu hören ist, hat Bandmitglied und Produzent Peder eigenes Material vorgelegt, dass ebenfalls hörenswert ist: Melodramatisch, nostalgisch, gewalttätig und zärtlich.

Peder “Ghost Of A Smile” Official Video from pederfromdenmark on Vimeo.