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Foto nordische Landschaft

24. März 2014

Ein Nachtschattengewächs: Promise And The Monster

Promise And The Monster ist ein nachtaktives Wesen. Mit einer Faszination für leicht Morbides, mitunter Naives, bewusst Zurückgenommenes. Hinter dem fast einschüchternden Namen verbirgt sich die Schwedin Billie Lindahl, die bereits seit Mitte der 2000er Jahre musikalisch aktiv ist und immer wieder lange Schaffenspausen einlegt. Zwei Alben hat die scheue Schwedin bislang vorgelegt, das letzte mit dem Titel »RED TIDE« stammt aus dem Jahr 2011. Frau Lindahl bewegt sich leisen Schrittes zwischen den Genres Folk und Gothic. Pflegt aber auch experimentelle, schräge Untertöne. Und zählt zu ihren bislang besten Konzerterlebnissen, dass sie in einem Schloss in Transsilvanien auftreten durfte. Mitunter kommt sie klampfig daher, tummelt sich aber auch gerne im Feld von Weird Electronica. Schlafwandeln könnte man zu diesen Songs, die immer zwei Zentimeter über dem Boden zu schweben scheinen. Als Kusinen im Geiste mag man Joanna Newsom oder Stina Nordenstam ausmachen. Die schwer zu greifende Musikerin will nur leise beunruhigen, aber das tut sie nachdrücklich. In ihrem Universum ist die Dunkelheit niemals wirklich schwarz, sondern voller Zwischentöne der Farbe Dunkelgrau. Im stimmigen Video zu »Night Out« wirft Promise And The Monster einen neugierigen und einfühlsamen Blick darauf, was die Tiere so nächtens so treiben, wenn es nass ist. Das ist unerwartet aufregend. Mit klug arrangierten Streichern übrigens, die dem Ideal der schwarzen Romantik hörbar nacheifern.

Wer die Sängerin bei einem ihrer raren Live-Auftritte außerhalb Schwedens (und Transsilvaniens!) erleben will, kann sich am 11. April ins niederländische Tilburg zum Roadburner-Festival aufmachen. Dass Promise And The Monster uch das Genre der Ballade beherrscht (ohne schwarze Augenringe!), zeigt sie im traditionell folkigen, mitunter fast schon feierlichen Track »Sheets«, den sie mit klarer Stimme intoniert. Davon kann man sich sanft gen ruhigen Schlaf geleiten lassen, so wie die Polarbloggerin jetzt, die morgen früh aufstehen muss. Draußen rauscht der Regen. Wie schön.