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Foto nordische Landschaft

28. April 2014

Beschwingtes zum Frühling mit den Helicon Bats

Das haben sich die Helicon Bats doch gut ausgedacht: Die Erstlings-EP in den letzten Apriltagen herauszubringen und Single und Minilabum passend zur Jahreszeit »Spring« zu nennen. Viel geben die jungen Herren aus Kopenhagen sonst noch nicht von sich preis. Außer, dass sie lange an dem neuen Material gearbeitet haben und dass Helicon Bats ein Nebenprojekt der putzmunteren Popträumer Let Me Play Your Guitar um die Brüder Jeppe und Emil Davidsen ist. Das ist schon mal Empfehlung genug, um in dieses fröhliche Stückchen (fast schon) Mai-Musik hereinzuhören. Das so schön in Pastelltönen schwelgt, ohne dabei überladen zu wirken.Dies liegt natürlich daran, dass hier hymnnische Schöngesänge mit nerdiger Nachdenklichkeit kombiniert werden. Ganz ansatzweise kommen hier Erinnerungen an die überkandidelten Synthie- und Falsettsounds der famosen Landsleute von Treefight for Sunlight auf. Gut so! Die übrigens nach längerer Bühnenabstinenz am Wochenende auf dem Spot-Festival in Arhus spielen. Zu dem ich am Freitag zum ersten Mal selbst aufbreche, nachdem Freunde und Kenner mir das kleine, feine Festival mit interessanten Newcomern aus der sowieso superlebendigen dänischen Popmusikszene seit Jahren ans Herz gelegt haben. Dieses Mal klappt es also tatsächlich, und ich freue mich schon kringelig auf drei anregende Tage in der dänischen Studentenhochburg. Zuvor müssen noch ungefähr tausend Dinge erledigt werden, deshalb nur ein kleiner Aprilgruß von den Helicon Bats, weil der Track einfach Laune macht!

24. April 2014

Weitermachen, Wojciech!

Schön, eine Stimme wiederzuhören! Die von Jari Oisalo, der für sein Bandprojekt den komplizierten polnischen Bandnamen Wojciech gewählt hat. Lange war es still gewesen um die Traumtänzer aus Turku, deren Sternenfänger-Album »SOINTULA« immer noch eine Lieblingsscheibe ist, die im Regal unter den Unverzichtbaren steht. Plattenvertrag haben Wojciech keinen mehr. Und die Zwänge des Erwachsenenlebens werden das Übrige dazu getan haben, dass man von Herrn Oisalo länger nichts mehr hörte. Aber dann, letztens, eine Nachricht von Jari via Twitter: zwei Jahre hat er an neuem Material gewerkelt, erst Anfang 2014 wurde nun aufgenommen und abgemischt. Zwei Tracks der neuen Veröffentlichung AVARUUSFAARAO liegen auf Bandcamp vor. Und schau einer an, Stehenbleiben ist die Sache von Wojciech nicht: Hier packt er die Synthies aus und bewegt sich im Siebziger-Jahre-Elektronikland, bevor er beginnt, seine kleinen, nachdenklichen Geschichten zu erzählen. Auf Finnisch natürlich, der Weltsprache der Popmusik. Man driftet hier schon fast unmerklich in psychedelische Gefilde, ohne dabei zu dick auftzutragen. Bleibt schön nachdenklich, ohne dabei dröge zu sein. Sich einfach treiben lassen und weiterhin den Sternen nachgucken. Gut so, sollte man nicht verlernen! Und weitermachen sowieso!

Dass Jari Oisalo es auch krachen lassen kann, zeigt er mit seinem Nebenprojekt Tyynyt, in dem die Gitarren ausnahmsweise lärmen dürfen und Herr O. trotzdem denkender Nerd bleibt. In Songs wie »Lrja« darf es auch mal leicht melodramatisch werden, ohne dass dies zu überladen wirkt. Ach, was spricht dagegen, leicht härtere Töne anzuschlagen, wenn man sich seine Shoegaze-Sensibilität dabei vewahrt. Dinge ausprobieren, darum geht es doch! Auch wenn nicht alles perfekt ist und man sich in diese Tracks erstmal reinhören muss. Denen es im Übrigen gut tut, dass sie ihre kleine Schrulligkeit kultivieren. Seine Träume aufgeben? Das würde Jari Oisalo wahrscheinlich niemals wirklich.

21. April 2014

Kings Of Black Metal 2014 – Band des Tages: Khold

Tatort: Immer noch das beschauliche Alsfeld
Tatverdächtige: (True) Black Metaller
Tatzeit: Verlängert – Samstag plus Warm-Up-Freitag
Tat-Zeugen: Dresscode-treu gewandet

Zum vierten Mal logiert das Kings Of Black Metal-Festival im Örtchen Alsfeld an der Märchenstraße. Statt Rapunzel, Froschkönig und Dornröschen bevölkern am 5. April 2014 (sowie am Warm-Up-Abend zuvor) pflichtgemäß in schwarz gekleidete Black Metal-Jünger die Stadthalle, den Parkplatz davor sowie einige Seitenstraßen und Gaststätten in der nächsten Umgebung. Aus ganz Deutschland, vom Bodensee bis zur Nordsee, sowie aus dem benachbarten Frankreich reiste der Löwenanteil der Besucher zum größten (einzigen) existierenden reinen Black Metal-Festival an.

Erfreulicherweise sind auch dieses Jahr einige Bands dabei, die man nicht ständig und überall zu hören bekommt. Fatalerweise hat uns das Autobahn-Wetter – bzw. die Fahrer, die damit nicht umgehen können – an unserem Anreisetag, Samstag, einen Strich durch die Rechnung gemacht: Iskald aus Norwegen haben wir leider verpasst – warum lasst ihr diese großartige Kapelle auch als Opener spielen? Warum nicht Velnias, die meine Begleitung nach dem Set mit einem »die haben also nur ein Lied gespielt« kommentiert. Zu Recht. Alles klang gleich. Auch die isländischen Svartidaudi können (live) nicht richtig punkten, wenngleich sie sich optisch kreativ in Szene setzen: Das um die untere Gesichtshälfte geschlungene Tuch des Fronters bietet beim Singen und einatmen einen äußerst fotogenen Anblick.

Möglicherweise sind die ausufernden Instrumentalpassagen »Schwarzer Tod«-Musiker einfach nicht die dankbarsten Elemente für eine Liveshow. So gern ich beispielsweise Opeth-Alben mag, live funktionieren sie für mich nicht, zu sperrig, zu langatmig, zu einschläfernd. Die erste spannende Kapelle heute ist die mit dem längsten Anreiseweg.
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18. April 2014

Zeit der Unschuld mit Good Omens

Sie singen so, als könnten sie kein Wässerchen trüben: Good Omens aus Helsinki. Erzählen simple Stories. Singen Alltagsballaden von ruhiger Schönheit. Schwelgen im Beobachten von kleinen Dingen. Und betrachten die Welt mit einer Haltung, die von selbstbewusster Unschuld und heiterer Naivität geprägt ist. Kommen entspannt und unangestrengt daher und irgendwie sehr zärtlich. Der Fama nach haben sich die Vier (oder Fünf)) beim spontanen sommerlichen Musizieren im Park kennengelernt. Eine große Portion Wärme haben sie in den langen finnischen Winter hinübergerettet. Gut so! Denn in diesen feinen folkpoppigen Songs flackert ein warmes Feuerchen. Ganz besonders im fein mit Streichern arrangierten Track »Carry On« , der ganz von der sanft mädchenhaften Stimme von Sängerin Saara Taini lebt. Die hier mitunter an die unvergessene Edie Brickell erinnert.

Good Omens kommem in diesen schlichten, aber keineswegs langweiligen Songs ganz ohne größere emotionale Wallungen aus. Die wären in dieser filigranen Welt auch absolut überflüssig. Die Finnen nehmen sich lieber zurück und hüten sich vor falschen lauten Tönen. Wollte man wesensverwandte Musiker finden, dann würde man vielleicht bei den Schweden Solander oder den Briten Lanterns On The Lake fündig. Was nicht die schlechtesten Referenzen sind! Die Finnen haben im Februar ihr Debütalbum »BY OPEN PLAIN« herausgebracht, dem man zur Gänze auf Bandcamp lauschen kann. Was sich nicht nur zu blauen Stunden lohnt! Denn es gibt jede Menge Zwischentöne zu entdecken. Versteckten Humor dazu und mitunter schrullige Anwandlungen. Dass das Album auf dem Lande aufgenommen wurde, irgendwann zwischen Winter und Frühling, das kann man irgendwie hören. Die Band selbst beschreibt den eigenen Sound als Mischung zwischen Eis, Nebel und Wasser. Ach, aber so kalt und ungemütlich geht es hier doch nicht zu! Etwa in »Sun And Moon«, wo schön zurückgenommene Man-Frau-Harmoniegesänge ein kleines Fest feiern!

(Foto: Merja Isomaa-James)

13. April 2014

Dieser junge Mann gibt den Troubadour: CeaseTone

Wie schön, dass es sie noch gibt: Die jungen Männer mit der Gitarre, die ihr Handwerk beherrschen, leidenschaftlich dazu singen und es jederzeit abstreiten würden, dass sie sklavisch auf den Spuren von Simon And Garfunkel wandeln. Weil es einfach viel zu kurz greift! Hafsteinn Þráinsson heißt die blonde Nachwuchskraft aus Reyjkavik, der sich selbst den Künstlernamen CeaseTone verpasst hat. Von wegen, dass hier die Töne enden: Wie glaubhaft versichert wird, ist CeaseTone ein Spiel mit dem isländischen Nachnamen des Musikers, der in der englischen Übersetzung »Sea Stone« lautet. So sei es, denn der sperrige Name soll uns nicht davon abhalten, diesem quicklebendigem Folkpop zu lauschen, der das Schlendern zur Kunstform erhebt und zeigt, dass Nachdenklichkeit so gar nichts mit brütender Langeweile zu tun hat. Der Track »Remedy« ist ein unwiderstehlich animiertes Stückchen, in dem der Jungspund aus der isländischen Hauptstadt den Troubadour in sich herausholt. Macht sehr viel Laune, dieser Geschichte zu lauschen! Wenn Morrissey einmal einen halben Tag in seiner Jugend glücklich gewesen wäre, könnte er so klingen!

Über CeaseTone ist wenig herauszubekommen. Außer den knappen biographischen Informationen, dass er seit dem elften Lebensjahr Gitarre spielt und musikalisch bereits einige Stile durchprobiert hat: Rock und Metal, Prog und Folk, elektronische Musik und Jazz! »In the end it is impossible for me to define myself to something specific«, sagt er in schöner Selbsterkenntnis. Wenn´s den unbedingt sein muss, verortet sich Herr Þráinsson in der Ecke »Ambient Folk Rock mit heftigen elektronischen Elementen und großen Soundlandschaften«. Da hat er sich aber was vorgenommen! Bislang ist der Jüngling noch ohne Plattenvertrag, aber wer Tracks wie »If All Songs Were Masterpieces« lauscht, den beschlecht eine Ahnung, dass sich das bald ändern könnte: Euphorischer Schöngesang, unbekümmert lächelnd, leichtüßig und trotzdem irgendwie innig. Gehen wir mal davon aus, dass CeaseTone wohl bald sein Erstling vorlegen wird. Und sicherlich auf dem Iceland Airwaves-Festival im November spielt. Noch ein Grund mehr zur Vorfreude auf meinen musikalischen Jahreshöhepunkt!

(Foto: Hinrik Þór Ágústsson)

 
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