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Foto nordische Landschaft

21. April 2014

Kings Of Black Metal 2014 – Band des Tages: Khold

Tatort: Immer noch das beschauliche Alsfeld
Tatverdächtige: (True) Black Metaller
Tatzeit: Verlängert – Samstag plus Warm-Up-Freitag
Tat-Zeugen: Dresscode-treu gewandet

Zum vierten Mal logiert das Kings Of Black Metal-Festival im Örtchen Alsfeld an der Märchenstraße. Statt Rapunzel, Froschkönig und Dornröschen bevölkern am 5. April 2014 (sowie am Warm-Up-Abend zuvor) pflichtgemäß in schwarz gekleidete Black Metal-Jünger die Stadthalle, den Parkplatz davor sowie einige Seitenstraßen und Gaststätten in der nächsten Umgebung. Aus ganz Deutschland, vom Bodensee bis zur Nordsee, sowie aus dem benachbarten Frankreich reiste der Löwenanteil der Besucher zum größten (einzigen) existierenden reinen Black Metal-Festival an.

Erfreulicherweise sind auch dieses Jahr einige Bands dabei, die man nicht ständig und überall zu hören bekommt. Fatalerweise hat uns das Autobahn-Wetter – bzw. die Fahrer, die damit nicht umgehen können – an unserem Anreisetag, Samstag, einen Strich durch die Rechnung gemacht: Iskald aus Norwegen haben wir leider verpasst – warum lasst ihr diese großartige Kapelle auch als Opener spielen? Warum nicht Velnias, die meine Begleitung nach dem Set mit einem »die haben also nur ein Lied gespielt« kommentiert. Zu Recht. Alles klang gleich. Auch die isländischen Svartidaudi können (live) nicht richtig punkten, wenngleich sie sich optisch kreativ in Szene setzen: Das um die untere Gesichtshälfte geschlungene Tuch des Fronters bietet beim Singen und einatmen einen äußerst fotogenen Anblick.

Möglicherweise sind die ausufernden Instrumentalpassagen »Schwarzer Tod«-Musiker einfach nicht die dankbarsten Elemente für eine Liveshow. So gern ich beispielsweise Opeth-Alben mag, live funktionieren sie für mich nicht, zu sperrig, zu langatmig, zu einschläfernd. Die erste spannende Kapelle heute ist die mit dem längsten Anreiseweg.

Impiety
aus Singapur sorgen mit ihrem leidenschaftlichen angethrashten Black/angeblackten Thrash Metal für Stimmung. Eine gelungene Einstimmung auf die beste Band des Tages: Khold. Unbestritten. Abgesehen vom lässigsten Corpsepaint in der Welt des Schwarzmetalls ihres Sängers Gard (wie war das mit dem umgebundenen Tuch, Svartidaudi?) überzeugen sie musikalisch auf ganzer Länge des Auftritts. Viel zu schnell sind die 50 Minuten um, ausgefüllt mit Groovemonstern, zu denen kein Körper unbewegt bleibt.

Seth aus Bordeaux haben danach einen schweren Stand bei uns, nach der Hälfte des Sets nutzen wir die Zeit durch das Innenstädtchen zu ziehen, eine Gaststätte zu finden, gemütlich zu essen und lokale (Bio-)Biersorten testen – was für Preise. Zweieinhalb Euro für eine Halbe sind undenkbar in Baden-Württemberg. Cult of Fire (Tschechien) und Behexen (Finnland), letztere sind dem Publikum bereits vom KOBM 2012 vertraut, fielen der Essenspause zum Opfer.

Pünktlich zum Auftritt der norwegischen Kampfar stehen wir wieder in der Halle.  Gewohnt energetisch wirbelt Fronter Dolk über die Bühne, der Mann kann einfach keine Sekunde still stehen: wenn er weder ums Mikro herum wirbelt, butalst bangt oder das Publikum anfeuert, schlägt er sich wie wild auf den Oberschenkel.

Die Co-Headliner sind eine live eine Urgewalt, wer die (Pagan) Black Metaller noch nie im Club erlebt hat, sollte das dringend nachholen.

Eine ganze Weile länger im Geschäft sind die Headliner Mayhem, die Band, derentwegen der Großteil des Publikums angereist ist. Die Norweger feiern dieses Jahr ihr 30-jähriges Jubiläum – und ihre Glanzzeiten sind definitiv vorbei. Doch ist die Truppe um Sänger Attila (seit 2004) und Bassist Necrobutcher dank ihres Kultstatus‘ ein Publikumsmagnet, spektakulär ihre Geschichte(n) der 1990-er Jahre. Natürlich steht es außer Frage, dass solch eine Institution pünktlich die Bühne betritt, die klischeegerecht mit geviertelten, gepfählten Schweineköpfen und Feuer bestückt ist.

Der Fronter, dessen blutbesudeltes Gesicht ihn dank seiner roten Nase wie einen grotesken, bösartigen Clown wirken lässt, setzt seine üblichen Devotionalien (Strick, Totenschädel) in Szene, die Fans sind begeistert – und verlassen nach dem Ende des Auftritts scharenweise die Halle.

Schade für Baptism, die einen anständigen Auftritt hinlegen und vor Mayhem bzw. Kampfar besser platziert gewesen wären. Doch machen die Finnen aus ihrer undankbaren Ausgangssituation das Beste und die übrig gebliebenen Schwarzkuttenträger danken es ihnen.

Kaum mitreißen können dagegen Merrimack aus Frankreich. Das gelingt erst wieder den polnischen Hate, die ihre undankbare Spielzeit gelassen nehmen und den in der Stadthalle verbliebenen Rest nochmals richtig motivieren.

Alles in allem ein gelungener, wenn auch (für einige zu) langer Tag, Kompliment an die Veranstalter – wir sind gespannt auf das KOBM 2015.

Fotos © natte

Velnias (USA)Ve

Svartidaudi (Island)Svartidaudi_KOBM2014_©natte

Impiety (Singapur)


Khold (Norwegen)

Seth (Frankreich)

Kampfar (Norwegen)

Baptism (Finnland)


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