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Foto nordische Landschaft

11. Mai 2014

Frustation Is My Middle Name: Spot Festival 2014

Die beste Art, sich der Stadt Århus zu nähern, ist über den Seeweg: Der einen freien Blick über hügelige Küste, aufragende Kathedralentürme und futuristische Architektur ih Pastellfarben am Hafen gewährt. Die Busfahrt vom Kopenhagener Flughafen gen Århus wartet nämlich mit einer Überraschung auf: Anderhalb Stunden Fährfahrt über die Ostsee! Definitiv die anregendste Art, dort anzukommen! Zum ersten Mal also zum Spot Festival Anfang Mai in die Hafenstadt und Studentenhochburg. Nicht zuletzt aus dem Grund, weil sich hier die junge dänische Pop- und Rockmusik-Szene präsentiert, die zu den lebendigsten und aufregendsten in Europa zählt. Das Festival: Eine Nummer kleiner als das inzwischen sehr wuchernde Iceland Airwaves Festival in Reykjavík. Die Locations: Liegen in angenehm fußläufiger Entfernung voneinander. Viele Gigs finden im Musikhuset statt, wo man sich einfach von der Menge treiben lassen kann. Richtig überfüllt ist es nirgends. Also kopfüber in den Freitagabend!

Los geht es mit den Attic Sleepers, samtpfötig daherkommenden Folkpopstern, die sanfte Sehnsüchtereien zur Kunstform erheben und im entspannten Schlunz-Modus daherkommen. Man lauscht den verträumten, Glockenspiel-affinen Tönen andächtig und legt den Kopf vor Rührung fast schief. Zu diesen Tönen lassen sich bestens Wölkchen zählen. Das Duo Mathias Barford und Mattias Knigge ist irgendwo zwischen Hamlet-Land und Angelas Regierungssitz aktiv und hat bislang zwei Singles vorgelegt, von denen das verspielte »August« wegen seines leichtfüßigen Tiefgangs am besten gefällt.

Und wie schade, dass sich an diesem leuchtenden Freitagabend nicht mehr Besucher finden, die der überaus talentierten Miss Gottschalk lauschen wollen! Denn das Musikhuset bietet an diesem Abend eine Singer-Songwriter-Lounge an, die für mich zu den Höhepunkten des Abends gehört. Die blonde Chanteuse heißt wirklich so, Maria Gottschalk nämlich. Deutsche Vorfahren, sagt sie, als ich sie nach dem Konzert darauf anspreche. Mit simpler Klampfenlieserei hat die Dame nichts im Sinn. Ihr liegt hörbar an Doppelbödigem, an Grenzgängereien zwischen Liedermacherei und elektronischen Ausprobierereien. Bewegt sich sich souverän in Grenzlanden, die so fern von fröhlicher Unbedarfheit sind wie nur möglich. Durch Miss Gottschalks musikalisches Universum geistern Schatten. Melodramen können durchaus intelligent und tiefsinnig daherkommen. Allein auf die Zeile »frustration is my middle name« zu kommen, zum Niederknien! Flennen nutzt nix, das musste einmal in aller Deutlichkeit gesagt werden!

Nächste Singer-Songwriterin ist Sofia Hedia, die Frau am Klavier, mit dem langen dunklen Zopf, die gekonnt zwischen Piano und Keyboards irrlichtert. Auch hier: Madame liebt die Zwischentöne, zwischen selbstbewusster Eigentümlichkeit und sanftem Flirt mit der Tanzbarkeit. Sich lieber in die Büsche schlägt, als sich irgendwo anzubiedern. Kate Bush, Tori Amos und sehr viel Eigensinn: Alles da!

Sofia Hedia: DE ELSKENDE from Jens Friis on Vimeo.

Irgendwie ist Freitag Frauenabend, denn weiter geht es mit der in schwarze Walle-Gewänder gehüllte schwedische Sängerin Adna, die das Gewicht der Welt hörbar auf ihren Schultern trägt. Ganz allein, nur mit ihrer Klampfe, steht die knapp 20jährige auf der Bühne. Und schafft es noch nicht ganz, den Raum mit ihrer Persönlichkeit zu füllen. Obwohl ihre taubengrauen Songs wie das tastende »Night« doch von tiefsinnig-balladigen Nachtgedanken erfüllt sind. Aber es gehört Mut dazu, hier Seelenschau zuzulassen. Stay true, Adna!

Richtig melodramatisch wird es schließlich mit den dänischen Falsett-Postrockern Blaue Blume, vor deren Gig sich erstmals an diesem Abend eine veritable Schlange bildet. The next big thing from Denmark? Endlich Nachfolger für Sigur Rós in Sicht? Puuuuh! Unbestritten ist, dass die langmähnigen Vier die Klaviatur der großen Gefühle bestens zu bedienen wissen und sich die feinen Haare an den Unterarmen sich bei dieser Odysee durch überdimensionierte Gefühlswelten unwillkürlich hochsttellen. Großes Kino, das!

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