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Foto nordische Landschaft

30. August 2014

Die dekadente Art der Liebe mit Sailor And I

Nicht nur Deutschland hat seine Skandinavien-Fans, sondern auch unser nordwestliches Nachbarland: Nordic Delight heißt das Banner, unter dem sich niederländische Nordland-Liebhaber versammelt haben und ein Festival im schönen Utrecht veranstalten. Die nächste Ausgabe findet übrigens im Oktober statt. Neben Musik gibt es auch leckeres Essen, Design, Mode, Kunst und Film in der Stadt mit den vielen Kirchtürmen. Und anstatt die etablierten musikalischen Acts zu präsentieren, setzt man hier lieber auf die Newcomer. Wer mag, kann an Regentagen im Line-up stöbern und dort noch weitgehend unentdeckte Perlen der skandinavischen Popszene finden wie die wundervollen Wintergatan aus Schweden und die nicht minder beeindruckenden Vök aus Island, über die das Polarblog bereits vor über einem Jahr berichtete.

Aber hier soll es um Sailor And I gehen, der ebenfalls auf der diesjährigen Ausgabe des Nordic Delight Festivals spielt. Also um das Projekt von Alexander Sjödin aus Stockholm, der sich als Szeneveteran und Multiinstrumentalist bereits in den verschiedensten Genres von Jazz über Klassik bis Rock und Punk erprobt hat. Der sich aber hier als Sailor And I mit einer Verve dem theatralischen, tanzaffinen Synthiepop an den Hals wirft, bis ein Übermaß an Gefühl entsteht. Neoklassische Streicher schwelgen, überkandidelte Vocals flehen vergeblich darum, dass die Dinge doch endlich gut werden sollen. Allein, de Künstler hofft vergebens! In dieser musikalischen Welt, die in satte Hochglanzfarben getaucht ist, gehört das gepflegte Melodram zum guten Ton. Herzen brechen hier auf die allerromantischste Weise. Das ist üppig, das ist plüschig, das ist dekadent, aber hey! Soll die Welt doch lieber in Schönheit zugrunde gehen als in Schmerz und Dreck. Besonders gefallen tut der Track »Tough Love«, der unsere Gefühle auf angenehme Weise überstrapaziert. Dass man hier mitunter an die exaltierten Töne von Woodkid denkt – geschenkt!

28. August 2014

Summer Breeze – Freitag: (Kurzzeitig) lichter Himmel und düstere Musik

Mein Sohn, was birgst du so bang dein Gesicht?
Siehst Vater, du Machine Head nicht!
Robert Flynn mit Hörnern und Schweif?
Mein Sohn, er ist nur überreif.

Freitag, Tag II. Nach dem Aufstehen erst mal der Griff zu Kaffee und Bier. Immerhin kann unser Gerstensaft  bei diesen Temperaturen nicht warm werden. Der Regen scheint auch kein Ende nehmen zu wollen, und so verpassen wir grandios die erste skandinavische Band des Tages, Crucified Barbara aus Schweden.

Schließlich schaffen wir es zur T-Stage, wo wir auf Omnium Gatherum aus Finnland warten. Die Melodic Death-Metaller entpuppen sich als echte Stimmungsaufheller des frühen Freitagnachmittags . Ein Genuss sie zu hören. Leider ist das Zelt nur durch den einsetzenden Starkregen so gut gefüllt. Viele scheinen gar nicht auf die coole Musik der Finnen zu hören. Apropos Regen: Selbst im Zelt wird der Bodenbelag immer mehr zur Zumutung. Draußen wie drinnen ist alles matschig, eklig und stinkt. Dieses Jahr wurde der Zeltboden – warum auch immer – nicht mehr mit Paletten ausgelegt. Zumindest versuchen die Veranstalter durch den Einsatz von Rindenmulch der fortschreitenden Vermatschung des Bodens Herr zu werden.

Omnium Gaterum (FIN)
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26. August 2014

Summer Breeze – Donnerstag: Langweilig, feucht, dreckig

Wer stolpert so spät durch Schlamm und Geschmier?
Es ist der Metaller mit seinem Bier.
Er hat das Getränk wohl in dem Arm,
Er fasst es sicher, es hält ihn warm.

Dieses Jahr scheint der Wettergott dem Summer Breeze Open Air nicht sonderlich gewogen: Die Sonne tut sich schwer, die Luft ist kalt, alles ist nass und klamm und schlammig. Trotz des nicht ganz so guten Wetter strömen insgesamt rund 35.000 Besucher vom 14. bis zum 16. August 2014 nach Dinkelsbühl.

Hier stehen auch dieses Jahr vier Bühnen für die Bands bereit: Main-, Pain-, Camel- und T-Stage, ehemals Zeltbühne. Sie wurde zu Ehren von Michael »T« Trengert umgetauft; er war einer der beiden Veranstalter des Summerbreeze Open Airs und starb nach längerer Krankheit im September 2013.

Bereits am Mittwoch rockten hier und auf der Camel-Stage einige Kapellen, darunter die Nordlichter Lost Society (FIN), Hamferd (FÄ), sowie die Schweden The Vintage Caravan, Grand Magus (schon wieder), Ereb Altor und Unleashed.

Wir kommen am Donnerstag um exakt 13:49 Uhr an, suchen uns einen Platz und bauen erst einmal unser Zelt auf – bevor der nächste Regenguss herunter prasselt. Danach genehmigen wir uns mit Blick auf die Main- und Pain-Stage ein kühles Bier. Die niederländischen  Delain auf der Pain-Stage bekommen wir so immerhin am Rande mit.

Dieses Jahr kommt es mir so vor, als gäbe es mehr Ordner als in den Jahren zuvor, zumindest auf dem Weg zum VIP-Camping. Auch werden die Dixieklos auf dem (VIP-)Camping bewacht – der vermeintliche Lokus- Bewacher ist unser aller Ansprechpartner in der Not.

Mors Principium Est ist die erste Band, die wir uns bewusst und aus nächster Nähe anhören. Die Finnen überraschen uns, klingen abwechslungsreich und bestechen durch ihren Melodic Death Metal. Verdientermaßen unterstützt das (spärliche) Publikum vor der T-Stage die Truppe und macht richtig Stimmung.

Mors Principium Est (FIN)

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25. August 2014

Eine isländische Rock-Oper in New York

Wann haben wir unsere letzte Rock-Oper gehört? Hand aufs Herz: Seit vielen Jahren nicht mehr. Wahrscheinlich seit der xten-Wiederholung von »HAIR« im Spätprogramm. Umso erstaunlicher ist es, dass derzeit ein isländisches Rock-Musical mit dem sperrigen Namen »REVOLUTION IN THE ELBOW OF RAGNAR AGNARSSON FURNITURE PAINTER« am New Yorker Off-Broadway Erfolge feiert. Allein das Herumstöbern auf der Website des Spektakels macht Spaß! Denn irgendwie haben jede Menge isländische Musiker hier ihre Finger mit im Spiel.

Komponist des laut Village Voice «surrealistischem Spektakels« ist der wenig bekannte isländische Singer-Songwriterr Ívar Páll Jónsson, der sich Geschichte und Musik ausgedacht hat. Es geht hier, so scheint´s, um Aufstieg und Fall einer einst idyllischen kleinen Nation, um falschen Reichtum und grauenvolle Misere und natürlich um die Wiederauferstehung aus Ruinen. Wer Ähnlichkeiten mit der Fast-Staatspleite Islands vor einigen Jahren sieht, dürfte nicht völlig falsch liegen. Musikalisch hat sich Jónsson an klassischen Musical-Standards orientiert, aber von glatter Broadway-Perfektion ist man hier weit entfernt. Der Komponist hat sich von solch verschiedenen Einflüssen wie Radiohead, den Flaming Lips, Grizzly Bear oder David Bowie beeinflussen lassen. Es wird gerockt, geschmachtet und gezweifelt und natürlich aufbegehrt. Es gint herzzreißende Arien, innige Duette und elektronisch angehaucht Hymnen. Irgendwie großartig, das! Und weil in Island jeder jeden kennt, haben die langjährige Björk-Kostümbildnerinnen Hrafnhildur Arnadottir und Edda Gudmundsdottir hier ebenfalls ihre Spuren hinterlassen. Ausführlich reinschnuppern in die isländische Rock-Oper kann man via Soundcloud, als Appetit-Happen mag die psychedelisch angehauchte Kirmesmusik-Verzweiflungsarie »Alone« dienen. Bricht schwache Herzen hundertprozentig!

20. August 2014

Brücken bauen mit Halla Norðfjörð

Vielleicht dürfen wir Resteuropäer bald ein neues Wort lernen: Bárðarbunga heißt der isländische Vulkan, unter dem es seit einigen Tagen gehörig grummelt. Die Gegend um den Vatnajökull-Gletscher ist bereits vorsorglich evakuiert worden. Die Behörden berichten von nicht weniger als 250 Erdstößen seit vergangener Nacht. Das verheißt nichts Gutes!

Wappnen wir uns also vorsorglich mit sanften Singer-Songwriterklängen. Halla Norðfjörð heißt die Musikerin aus Island, die nur mit Stimme und Klampfe fragile, angefolkte Alltagsgeschichten erzählt, zu denen sich alles unterirdische Donnergrollen bestens vergessen lässt. Bescheiden und zurückgenommen kommen diese Klänge daher, sind aber voller melancholischer Wärme. Kein Wunder, wenn die Sängerin aus Reykjavík Ausnahmekünstler wie Joni Mitchell, Elliot Smith oder Ane Brun als große Vorbilder nennt. Die Informationen auf der Facebookseite von Frau Norðfjörð sind ein bisschen vage, aber offenkundig werkelt Madame aktuell an ihrem zweiten Album. Und nur mal kurz in Halb-Paranthese: Liebe Künstler, man stößt auf Euch, man interessiert sich für Euch – und dann sind auf Euren eigenen Seiten nur vage Angaben zum eigenen Leben und Schaffen zu finden. Den eigenen Musikstil schnöde als »Sounds« zu bezeichnen, das hilft dem interessierten Besucher der Site nicht wirklich weiter. Das könnte ihr doch besser! Klammer zu.

Hall Norðfjörð singt hauptsächlich auf isländisch, kann aber auf englisch sehr schön nachdenken und eine stille Freude verbreiten. Uns mit heller Stimme in eine angenehme Form der Verlangsamung versetzen. Als Gütesiegel mag gelten, dass ihr isländischer Sangeskollege Svavar Knútur ein großer Fan von ihr ist. Lauschen wir aber dem grenzwertraurigen »The Bridge«, in dem es um Gräben geht, die sich zwischen Liebenden auftun. Sehr fein! Und erinnern uns vielleicht an die stillenTage, als isländische Aschewolken dafür sorgten, dass am Himmel über Deutschland plötzlich himmlische Ruhe herrschte.

Übr

 
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