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Foto nordische Landschaft

25. August 2014

Eine isländische Rock-Oper in New York

Wann haben wir unsere letzte Rock-Oper gehört? Hand aufs Herz: Seit vielen Jahren nicht mehr. Wahrscheinlich seit der xten-Wiederholung von »HAIR« im Spätprogramm. Umso erstaunlicher ist es, dass derzeit ein isländisches Rock-Musical mit dem sperrigen Namen »REVOLUTION IN THE ELBOW OF RAGNAR AGNARSSON FURNITURE PAINTER« am New Yorker Off-Broadway Erfolge feiert. Allein das Herumstöbern auf der Website des Spektakels macht Spaß! Denn irgendwie haben jede Menge isländische Musiker hier ihre Finger mit im Spiel.

Komponist des laut Village Voice «surrealistischem Spektakels« ist der wenig bekannte isländische Singer-Songwriterr Ívar Páll Jónsson, der sich Geschichte und Musik ausgedacht hat. Es geht hier, so scheint´s, um Aufstieg und Fall einer einst idyllischen kleinen Nation, um falschen Reichtum und grauenvolle Misere und natürlich um die Wiederauferstehung aus Ruinen. Wer Ähnlichkeiten mit der Fast-Staatspleite Islands vor einigen Jahren sieht, dürfte nicht völlig falsch liegen. Musikalisch hat sich Jónsson an klassischen Musical-Standards orientiert, aber von glatter Broadway-Perfektion ist man hier weit entfernt. Der Komponist hat sich von solch verschiedenen Einflüssen wie Radiohead, den Flaming Lips, Grizzly Bear oder David Bowie beeinflussen lassen. Es wird gerockt, geschmachtet und gezweifelt und natürlich aufbegehrt. Es gint herzzreißende Arien, innige Duette und elektronisch angehaucht Hymnen. Irgendwie großartig, das! Und weil in Island jeder jeden kennt, haben die langjährige Björk-Kostümbildnerinnen Hrafnhildur Arnadottir und Edda Gudmundsdottir hier ebenfalls ihre Spuren hinterlassen. Ausführlich reinschnuppern in die isländische Rock-Oper kann man via Soundcloud, als Appetit-Happen mag die psychedelisch angehauchte Kirmesmusik-Verzweiflungsarie »Alone« dienen. Bricht schwache Herzen hundertprozentig!