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Foto nordische Landschaft

08. September 2014

Hohe blaue Himmel mit Siv Jakobsen

Die junge norwegische Singer-Songwriterin Siv Jakobsen mag sich an diesem Abend mit dem milchig verhangenen Sonnenuntergang über dem Offenbacher Main im positiven Sinn über die Deutschen gewundert haben. Nein, das sind keine verwöhnten Dauernörgler, sondern kälteresistente und außerordentlich höfliche Menschen! Denn wer kommt den Anfang September auf die Idee, ein Konzert draußen zu veranstalten? Wenn es wie an diesem Abend schon wintermantelkühl wird? Klar, es ist das Ende der Open-Air-Saison im Hafen 2, aber die Macher wollen den Sommer eben noch nicht endgültig ziehen lassen. So mummelt man sich also in vorsorglich mitgebrachte Schals und Mützen ein und lässt sich von den zarten, zurückgenommenen Tönen der spindeligen jungen Frau mit dem akkurat geschnittenen Pony wärmen. Die mitunter tapfer gegen den Lärm der Flugzeuge ansingt, die sich im Landeanflug auf Frankfurt befinden. Was eine ganz besondere Atmosphäre schafft. Und wir lernen, dass die Musikerin mit aktuellem Wohnsitz in Brooklyn das Erzählen von Witzen nur in Ansätzen beherrscht, wenn sie ihre vor lauter Abendkälte bibbernde Gitarre nachstimmem muss. Wir frösteln zwar auch, aber schauen zum Trost mit der Sängerin in die hohen blauen Himmel, von denen sie auch in ihren Songs berichtet. Liebeslieder für stille Stunden sind das, mit reduzierten, aber feinen Arrangements, die hier fast schon einen Hauch angejazzt klingen. Dass Frau Jakobsen dabei auch ein wenig zur Feierlichkeit tendiert, stört nicht im Geringsten. Das tut ja auch ihre Landsfrau Ane Brun, an der sie sich stimmlich hörbar orientiert. Und über deren eingefleischten deutschen Fans sie sich ein wenig lustig macht. So lautet ein beliebtes Spielchen für sie auf dieser Tour »Let’s spot the creepy Ane Brun fans«. An diesem Offenbacher Abend ist diese Spezies aber kaum vorhanden. Gottseidank.

Auf die bescheidene Folkliese will sich Siv Jakobsen aber nicht reduzieren lassen! Im Hafen 2 wird sie von der Bostoner Freundin und Kollegin Jesse Hanson unterstützt, deren Violine eine willkommene Lebhaftigkeit adiert. Und mit dem beschwingten Track »Dreams« biegt die Norwegerin fast schon auf die Blumenwiesen des Folkpop ab. Was nicht schadet! Ihr erstes Album »FOR THOSE I USED TO KNOW« hat Siv Jakobsen Ende vergangenen Jahres vorgelegt. Und wie dies dieser Tage so ist, kann man dem Album auf Bandcamp lauschen und bei Gefallen auch erwerben. Und nach diesem Abend, an dem das Lächeln der beiden Sängerinnen den fehlenden Glühwein adäquat ersetzt, kann man das reinen Herzens empfehlen! Und sich überdies noch darüber freuen, dass das höfliche Hafenpublikum trotz frösteliger Temperaturen bis zum Ende draussen ausgeharrt hat!

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