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Foto nordische Landschaft

06. September 2014

Summer Breeze – Samstag: Sonnenstundenrekord

Du lieber Metaller, komm geh’ mit mir!
Gar schöne Lieder, spiel ich vor Dir,
Manch Bierblumen gibt es an dem Stand,
Meine Mutter näht Dir ein schwarzes Gewand.

Der letzte Tag beginnt: kalt, windig, und Regen. Wer hätte auch anderes erwartet? Doch welch Ironie, passend zu Kampfar herrscht strahlender Sonnenschein. Auf dem Summer Breeze kommen mir die Norweger ziemlich langsam vor, im Gegensatz zum Party.San, wo ich sie eine Woche zuvor erleben durfte. Der Show schadet das jedoch nicht.

Weiter geht’s mit Thyrfing aus Schweden auf der Main-Stage. Stark geschminkte Männer spielen vor viel Publikum scheinbar immer denselben Song. Das aber immer noch bei Sonnenschein.

Man könnte meinen es regnet mal wieder, da das Zelt vor der T-Stage wahnsinnig voll ist. Aber weit gefehlt:
Die Schwarzwälder  Kombo Imperium Dekadenz gibt ihren coolen, lässig groovenden Black Metal zum Besten. Die Beleuchtung der Bühne passt sagenhaft gut zur Musik und das Publikum würdigt die starke Leistung der Band. Eindeutig eine Aha-Band des Festivals.

Imperium Dekadenz (D)

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03. September 2014

A charming man: Tellef Raabe

Was Herr Morrissey dieser Tage an politischen Statements von sich gibt, will ich nicht bewerten. Und oute mich gleich mal als unverbesserliche Traditionalistin, die alles für zweitrangig hält, was Herr M. nach Trennung der Smiths von sich gab. Nun denn! Aber irgendwie tröstlich, dass das Gesamtwerk der Band aus Manchester heute noch Spuren im Schaffen junger Musiker hinterlässt. Etwa bei Tellef Raabe aus dem norwegischen Ålesund, der seine eigenen Töne fein als »dark folk/weird pop« bezeichnet und sich als blasser, schlauer Verlierer durchaus in der Tradition der Smiths sieht. Und auf die Idee, einen gesamten Song auf Smiths-Zitaten zu basieren, auf die muss man erstmal kommen. Und eine ganze EP daraus zu produzieren, das benötigt schon ein gesundes Selbstbewusst sein. Aber keine Angst, bei Herrn Raabe handelt es sich nicht um einen dummblöden Jünger von Klängen, die vor mittlerweile 30 Jahren als stilbildend galten. Nein, seine Interpretationen gehen durchaus eigenwillige Wege. Punkten mit irrlichternden elektronischen Einsprengseln. Ein Track wie »Of Smith`s Friends« beunruhigt auf subtile Weise.

Dass die in stylishes Schwarz gekleidet norwegische Nachwuchskraft der zeitgenössische Club-Melancholie durchaus zugeneigt ist und überkandidelte mag, macht der knapp 22jährige in Songs wie »Stranger Than The Rest« deutlich. Bei dem sich Raabe auf einen Nick-Cave-Song als Inspiration bezieht. Er denkt gerne über Liebe, Existenzialismus, Religion und Politik nach, sagt Raabe. Hehre Ansprüche, das! Aber die braucht man wohl, um zu Höhenflügen anzusetzen, bei denen die Melancholie das Glitzern lernt. Und kein Wunder, dass der junge Mensch als Kenner beseelter Töne als Filmkompomponist angefragt wurde: Für Zustände des Suchens in blauen Stunden stiller Verzweiflung. Die sich nicht über emotionale Eintrübungen lustigmachen, sondern diese respektvoll akzeptieren.

 
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