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Foto nordische Landschaft

13. Oktober 2014

Zuckerherzen mit Young Karin, Zauseliges mit Júníus Meyvant

Ach, Vorfreude ist doch eine wunderbare Sache! In drei Wochen um diese Zeit will ich im Kex Hostel in Reykjavík sitzen, mit einen hoffnungslos überteuerten Oktoberfest-Bierglas in der Hand, und den wunderbaren Blick über die Bucht der isländischen Hauptstadt genießen. Und werde natürlich an der unmöglichen Aufgabe scheitern, einen persönlichen Zeitplan für das Iceland Airwaves Festival auszutüfteln. Kommt sowieso immer irgendwas dazwischen! Oder man lässt sich von interessanten Klängen unverhofft in irgendeine Nebengassen locken. Mit den Off-Venue-Konzerten, die improvisiert in Buchhandlungen, Kneipen oder Schwimmbädern stattfinden, wird das Angebot schier unüberschaubar. Schön, dieser Luxus!

Dass auf Island nicht alle Elfenklischees der Wahrheit entsprechen, beweist ein neues Duo mit dem simplen, aber einprägsamen Namen Young Karin. Das den Zuckerguss bewusst dick auf diese elektronischen Dancefloor-Tracks aufträgt, die aber trotzem nicht überladen wirken. Das blubbert schön künstlich, knistert viel versprechend und versprüht jede Menge Disco-Gefunkel. Die weiblichen Vocals sind mädchenhaft, was dieser Mixtur dann doch einen unschuldigen Charme verleiht. Ach, gegen ein bisschen Zuckerwatte ist doch nichts einzuwenden, die schmilzt doch so schön klebrig auf der Zunge! So weit ich das überblicke, sind Jungmann und- frau hinter Young Karin bereits alte Bekannte in der Reykjavíker Szene: Sie mischen auch bei den Spaßfolkpopstern Retro Stefson mit, aber wollen hier keinen arktischen Karneval feiern, sondern die coolen Disco-Träumer geben. Und so mag es kaum verwundern, dass es in einem der ersten Songs des Duos um Herzen geht, worum sonst!

Traditioneller geht es bei einem Newcomer in der islandischen Singer-Songwriterszene zu, bei Unnar Gísli Sigurmundsson alias Júniús Meyvant. Aber mit feiner Zurückhaltung hat auch dieser bärtige Zausel nichts am Hut. Der in seinem sehr wunderbaren Track »Color Decay« zu großer Geste ausholt und mit Streichern und Bläsern ins Symphonische abschweift, bis unsere Herzen ins mächtig Schwitzen kommen. Aber den freakfolkigen Unterton verlierert der rauhstimmige Sonderling trotzdem nicht, und das lässt diese euphorischen Zustände niemals in Zuckerige kippen. Gut so! Hier könnte glatt Konkurrenz für Ásgeir heranwachsen, der auf dem Airwaves vor zwei Jahren den Durchbruch schaffte. Der Herr Júniús steht unbedingt auf meiner Liste der nicht zu verpassenden Acts!

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1 Kommentare

1. Franziska schrieb am 14. Oktober 2014 um 09:25

Konkurrenz für Ásgeir? Niemals! Aber eine wirklich schöne Entdeckung, dieser Júniús.

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