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Foto nordische Landschaft

05. November 2014

Reykjavík, Stadt der mies bezahlter Musiklehrer: Iceland Airwaves

Nach der Krise ist vor der Krise? Das könnte man in Reykjavík fast glauben. Im ganzen Stadtgebiet sieht man nur Kräne. Unten am Hafen ist ein schickes neues Stadtviertel entstanden, das mit gleich zwei neuen Museen aufwartet. Und jeder Menge edler Bars und Kneipen. Wobei man irgendwie das Gefühl nicht los wird, dass hier ein neues Disneyland für Touristen hochgezogen wurde. Stell dir vor, Du bist zahlender Besucher der Vulkaninsel und unverschämterweise ist kein Polarlicht am Abendhimmel zu sehen? Lieber Tourist, dir kann jetzt geholfen werden! Auf ins Aurora Reykjavík, wo man das Naturphänomen in Form von Hochglanzvideos bewundern kann! Sieht sowieso viel schöner aus als in Natura! Und frieren muss man auch nicht, dafür aber deftig Eintritt bezahlen. Entlang der einzigen isländischen Einkaufsstraße Laugavegur gibt es inzwischen so viele austauschbare Souvenirshops, das man nur noch den Kopf schüttelt: Wer soll denn all diese Plüschtier-Papageientaucher eigentlich kaufen? Und wie viele neue Hotels und Gäste-Appartments sind hier binnen Jahresfrist entstanden? Man verliert den Überblick.

Die ersten Protestschilder gegen die Gentrifizierung von Downtown Reykjavík sind gemalt. Und Singer-Songwriter Svavar Knútur hat am Montag eine Demonstration mit organisiert, in der es unter anderem gegen die miese Bezahlung von Musiklehrern ging. Damit bekommt man in Reykjavík mehrere tausend Menschen auf die Straße!

Heute startet das Iceland Airwaves Festival 2014. Die schlecht bezahlten isländischen Musiklehrer bringen immer noch so viele talentierte Nachwuchsmusiker hervor, dass diese es kaum erwarten können, bis sie sich der Welt vorstellen dürfen. Deshalb spielen verschiedene Youngsters bereits seit Montag im Plattenladen am Busbahnhof! Wie Hide Your Kids, die trotz der rauchigen Stimme des Sängers alle so aussehen, als hätten sie gerade das 16. Lebensjahr beendet. Man hält sich in den schwelgerischen Landen zwischen Synthop und Nachtschwärmer-Rock auf und musiziert mit solcher Inbrunst, als ob Leib und Leben davon abhingen. Zehn Songs hat man bereits im Repertoire, womit man die Arctic Monkeys zu Beginnn ihrer Karriere locker überholt (unvergessen das erste Monkeys-Konzert in Frankfurt mit einer Länge von 25 Minuten!). Und man freut sich mit den Nachwuchskräften, dass sie sich gleich an die schwülen Töne trauen und Sänger Dániel Jón im Plattenschrank seiner Eltern möglicherweise den Alben von Bryan Ferry besonders aufmerksam gelauscht hat. Das geht ja alles gut los: Happy Airwaves!

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