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Foto nordische Landschaft

23. November 2014

Schlimme Mode, müde Augen: Iceland Airwaves, der Sonntag

Nach vier Tagen intensiver Live-Musik auf dem Iceland Airwaves Festival von Mittags bis Spätnachts beginnen die Kräfte am Sonntag langsam zu schwinden. Aber diese Luxusprobleme werden am besten in der Jugendherberge KEX bei Kaffee und Kuchen mit Blick auf Meer und Berge ignoriert. Und neben Meer- und Leutegucken bietet das nachmittägliche Musikprogramm hier in entspannter Atmosphäre noch so manche musikalische Entdeckung und modische Verwirrung. Dass die 80er Jahre in all ihrer Scheußlichkeit zurück sind, ist in der isländischen Hauptstadt in diesem Jahr schon mehrfach negativ aufgefallen. Aber dass nun eine der schlimmsten Verirrungen, nämlich diese Gaukler-Jogginghosen für Männer samt unsäglicher Muster wiederkommen müssen, war nun wirklich nicht nötig. Damals hatte jeder echte Müsli-Softi nichts Dringenderes zu tun, in diesen Hosen im Park herumzustehen und zu jonglieren! Um zu demonstrieren, was für ein befreiter Gaukler er doch ist! Der Sänger von Royals aus Reykjavík jedenfalls trägt dieses Ungetüm mit Stolz und fröhnt ansonsten einer überkandidelten und mächtig sahnelastigen Version des gemeinen Elektropop mit rumpelstilzhaften Untertönen. Das klingt so schlimm, dass es schon wieder gut ist. Nach dem Gig schlage ich dem Duo vor, es möge sich doch bitte für den Eurovisoion Song Contest 2015 als Vertreter Islands bewerben, was die beiden irgendwie lustig finden. Wir umarmen uns und scheiden als Freunde. Leider sind diese Schlunze so faul, dass sie bislang noch nicht mal Musik auf ihre Website hochgeladen haben. Vielleidht schaffen sie es ja is nächstes Jahr!

Kunterbuntes Kleidungswirrwarr zwischen Orient, Okzident und russischen Matrioschkas gibt es übrigens bei der schwedischen Elektronic-Dance-Jüngerin Zhala, die den eigenen Stil als Cosmic Pop beschreibt und damit nicht ganz falsch liegt. Man wird nur das Gefühl nicht los, das man hier eine Art musikalische Wahrsagerbude auf der Kirmes betreten hat, in der alles geheimnisvoll funkelt und glitzert. Was in diesem Dunkel Gold oder Talmi ist, lässt sich nicht so genau entscheiden. Aber die Schwedin schafft es, dass wir vor lauter Funkelflitter undWahrsagerinnen-Exotik irgendwann leicht glasige Augen bekommen wie Mogli bei der Begegnung mit der Schlange. Uff!

Wenn wir aber schon mit südlichen Tönen flirten, dann aber richtig! Und deshalb ist es wunderbar, das Festival mit isländischem Reggae zu beenden, der die gesamte Jugendherge zum heftigen Jammen bringt! Amaba Dama nennt sich das Dutzend Menschen, die sich auf der Bühne drängen und ihre Fröhlichkeit kaum bändigen können. Klar, dass man das Jamaica-Feeling am besten auf Isländisch vermittelt und sich Männlein und Weiblein beim Singen bestens ergänzen. Die quirligen Zwölf mogeln in die jamaikanischen Soundwelten frecherweise Elemente von Chormusik und Rap ein. Und tun dies so charmant, dass man sofort mitsingen möchte, ohne auch nur ein Wort zu verstehen. Die Isländer haben mit Sicherheit noch nie etwas von Rex Gildo gehört, aber »Hossa Hossa« gehört wohl zum universellen Sprachschatz. Die gleichnamige Single von Amaba Dama hat jedenfalls auf Anhieb den Spitzenplatz in den isländischen Charts erobert. Was völlig nachvollziehbar ist, geht doch hier eine wohlig wärmende Tropensonne auf! Ach Airwaves, ein schöner Abschluss! Bis November 2015, versprochen!

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