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Foto nordische Landschaft

30. November 2014

Helle Stimme, klare Augen: Ingeborg Oktober

Hamarøy liegt in Nordnorwegen. Die Kommune hat eine Fläche von 1.031
Quadratkilometern und weniger als 2.000 Einwohner. Bislang war der Schrifsteller Knut Hamsun der bekanntestes Sohn der Stadt, aber aktuell schickt sich einen 19jährige mit Jean-Seberg-Haarschnitt, heller Stimme und klaren Augen an, die aktuell bekannteste Einwohnerin der weit verstreuten Kommune zu werden. Ingeborg Oktober heißt die junge Sängerin, die in ihrem eigenen Dialekt singt. Und in ihren Songs eine schwebende Nachdenklichkeit kultiviert. Sich hochlebendig in Zwischenwelten bewegt: Noch nicht ganz erwachsen (gottseidank!), aber bereits einen kleinen Schritt von großäugiger Naivität entfernt. Angefolkt sind diese kleinen, reduzierten Songs, die man fast schon als Chansons bezeichnen könnte (denn was sind Chansons, wenn nicht flüchtig gezeichnete, aber präzise Momentaufnahmen). Und eine popaffine Empfindsamkeit ist in diesen Songs enthalten, die mit heller Stimme von Dingen erzählt, die poetisch klingen. Besonders dann, wenn im sehr feinen Track »Om« Piano und Klavier einsetzen. Nein, das ist definitiv kein folkiges Singer-Songwriter-Geklampfe. Diese Songs sind bei aller scheinbaren Reduziertheit komplizierte kleine Gebilde. Die mit selbstbewusster Großäugigkeit vorgetragen werden und sich erfreulicherweise alle Zeit der Welt lassen. »Straumfør« heißt die erste EP von Ingrid Oktober, der man erfreulicherweise in voller Länge via Soundcloud lauschen kann. Sehr sanft klingen diese Tracks, leise eigenwillig sowieso. Und dazu stillvergnügt und neugierig tastend. Mit einem lächelnden Blick auf die Dinge, die da kommen mögen. Mit einem Luftballon in der Hand schlenkernd spazieren. So könnte sich das anhören.