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Foto nordische Landschaft

18. März 2015

Auf dem Weg ins neue Jerusalem mit David Ahlén

Wenn ein Musiker so unterschiedliche Künstler wie Palestrina und My Bloody Valentine als seine Vorbilder nennt, stellen sich die Ohren schon einmal erwartungsfroh hoch. Wenn man dann noch liest, dass dieser Sänger als Sohn eines Priesters in einer Mennonitengemeinde aufwuchs, in den 90er Jahren Mitglied einer Folkrock-Band war und sich nun dem ebenso schwärmerischen wie bescheidenen Kammerpop zugewandt hat, dann lauscht man in David Ahléns zweites Album »SELAH« doch sehr aufmerksam. Und lässt sich von Falsettstimme und Gitarre gerne in ruhigere Gefilde entführen. Wo Verlangsamung, Ernsthaftigkeit und Innigkeit noch immer geholfen haben. Minimalistisch geht es hier zu, wenn sich der Sänger angenehm zurückhaltend mit Glaubensfragen auseinandersetzt. Für den normalen Konfirmandenunterricht aber eignen sich diese eigenwillig-sanften Töne dennoch nicht, die erfreulich kitschfrei daherkommen. Jesus muss hier ein bärtiger Waldschrat mit Gitarre sein, der in einem abgelegenen Pfarrhaus auf Gotland lebt. So wie David Ahlén selbst, der inzwischen in Visby wohnt und das Album auf seinem eigenen Label Mishkan herausgebracht hat. Via Bandcamp kann man diesem ruhigen, aber gleichwohl schwärmerischen Tönen lauschen. Und sich dabei daran an die Zeiten erinnern, als in den 70er Jahren die Jesus People die Rolle der harmlosen Spinner mit Leben erfüllten. Hymnen singen ist aber definitiv besser als anderen Leuten eins auf die Mütze zu geben. Der feine Track »Linger« jedenfalls ist von eigentümlicher Romantik und unterkühlter Üppigkeit. Möge die Harfe in der Popmusik bald eine größere Rolle spielen!