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Foto nordische Landschaft

24. März 2015

Einar Indra ist der Mystery Man

Einar Indra gibt sich gerne ein bisschen geheimnisvoll. Ist wohl kein wirklicher Zufall, dass einer seiner neueren Songs »The Mystery Man« heißt. Aber wie langweilig das Leben doch wäre, wenn wir immer alles genau wüssten! Wollen wir gar nicht! Also: Einar Indra, der Elektronik-Waldschrat aus Reykjavík, entwirft sphärische und geheimnisvolle klangliche Gegenwelten, in denen leicht verstimmte Pianos vor sich hinträumen und wunderbare kleine Spannungsbögen aufgebaut werden. Im Ambient-Lager würde man diese wie sanften Regen dahintropfenden Tracks der Debüt-EP »YOU SOUND ASLEEP« bei oberflächlichem Hören verorten, wenn ihnen nicht eine gewisse Widerborstigkeit eigen wäre. Anderweltlich klingen diese Töne, die von weit her zu kommen scheinen. Und wer schreibt schon skurille Songs über Wale? Das kann ja wohl nur ein Isländer sein! Angenehm fällt bei diesem Debüt übrigens auf, dass hier krause Träume entworfen werden. Nichts ist mit süsslichen, einfach zu goutierenden Soundlandschaften, zu denen manche Buttertorte-Exklaven der Ambient-Landschaft verkommen sind! Hier werden die Töne gegen den Strich gebürstet und man kann gar nicht so genau bennen, an welcher Stelle die Abweichung von der Norm genau stattfindet. Es sind immer wieder unerwartete Klänge, mit denen der Meister hier aufwartet: Einen tanzaffinen Elektronik-Track über das eigene Dasein als Bartträger zu komponieren – hat was! Via Bandcamp kann man dem eigenwilligen Erstlingswerk von Einar Indra zur Gänze lauschen.

Aber heute gefällt der wunderbar ausufernde, geheimnisvolle, nachdenkliche, grenzwerttraurige und sehr filmmusik-affine Track »Bright Skies Dark Stars« am besten, den Einar Indra erst vor wenigen Tagen neu herausgebracht hat. Dazu möchte man alle Lichter dimmen, die Augen schließen und sich in ferne Traumlande davontragen lassen!