Home
Foto nordische Landschaft

07. April 2015

Hoch lebe die kleine Schwester: Burning God Little

Kleine Schwestern können mitunter nerven, keine Frage. Aber es kann genausogut geschehen, dass man plötzlich ganz neue Seiten an ihnen entdeckt: Etwa eine Stimme, die ein gewisses Etwas hat. So ähnlich mag es Martin Hartgen gegangen sein, dem Mastermind hinter dem norwegischen Weird-Electronikpop-Projekt Burning God Little. Für sein Debütalbum »ET E I MORKE VI LYSE« suchte er nach einer schwebenden, geheimnisvollen und ätherischen Stimme. Und wurde bei seiner kleinen Schwester Kristine fündig. Im sehr feinen Track »Hver Natt« (jede Nacht) zieht einem diese Stimme wie eine Wassernymphe in lichtblaue Tiefen. Mädchenhaft klingt diese Stimme, aber keinesfalls naiv. Da steckt eine zarte Kraft dahinter! Der nixenhafte Charme dieser Stimme kontrastiert wunderbar mit den unberechenbaren elektronischen Störgeräuschen des Songs. Der sich wunderbarerweise nicht zwischen Eleganz und Lo-Fi-Attitüde entscheiden kann. Die Grundrichtung ist klar: Eigenwilliger Shoeganze-Dreampop. Aber mit vielen Widerhaken! Und Hartgen will sich sowieso nicht mit Klein-Klein zufriedengeben und bezeichnet den eigenen Stil selbstbewusst als »Future Pop«. Auch eine Ansage!

Burning God Little werkelt seit Jahren an den Rändern der experimentierfreudigen norwegischen Elektronikszene herum und ist inzwischen von Tromsø nach Oslo gezogen. Der Masterplan könnte durchaus so aussehen, dass er die Massen mit einer Mischung aus elektronischer Verspultheit und großäuiger Popverliebtheit zum Tanzen bringen will. Und ganz nebenbei will Hartgen offenkundig noch beweisen, dass Euphorie und Eigentümlichkeit bestens zusammengehen! Weil diese Töne zwar durchaus komplex, aber überaus infektiös daherkommen. Offenkundig íst die anarchische Energie der respektlosen Fröhlichkeit im Elektronik-Dancepop bislang noch gänzlich unterbewertet!