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Foto nordische Landschaft

12. Juni 2015

Sanfte Paranoia mit Broen. Und die Tuba spielt dazu

Norwegen und Griechenland: Eine ungewöhnliche Kombination, das. Die Mitglieder von Broen nennen Oslo und Mykonos als ihre Heimatstädte. Wer nun völkerfreundschaftliche Folkore erwartet, sieht die Dinge zumindest aus konventioneller Sicht ziemlich falsch. Aber sehr bunt ist er, dieser Stilmix, den das Quintett auf seiner Debütsingle Iris vorlegt: Ein nur vordergründig ruhiger Track, durch den eine leise Paranoia weht. Da nutzen auch die feierlichen Tuba-Töne und die Uha-Uha-Chöre nichts, die hier im Mittelteil erklingen. Es geht nämlich um eine bröckelnde Beziehung, durch die der Zweifel wabert wie eine giftige Wolke. Ist die geliebte Person wirklich dort, wo sie zu sein vorgibt? Häufen sich nicht die merkwürdigen Abwesenheiten? In der Stimme von Marianna Røe schwingt bereits ein gewisser Fatalismus mit. Denn da tun sich ungute Dinge im Hintergrund, so viel ist klar. Und diese latente Unruhe spiegelt sich auch in der Musik wider, einem eigenwilligen Stilmix zwischen Indiepop, Surftunes, absonderlichen Elektronika, altmodischer Blasmusik und einer hochnervösen Gitarre. Marianna Røe zelebriert hier eine perfide Grenzwert-Hysterie, die sich hinter vordergründiger Heile-Welt-Paranoia versteckt. Und klingt wie eine leicht depressive Variante von Kate Nash. Auf der Bühne tummeln sich die Fünf übrigens in absonderlicher knallbunten Phantasiekostümen, die von der Großmutter von Tuba-Spielerin Heida Mobeck gefertigt werden. Noch ein Grund, mehr von dieserr Band hören zu wollen!