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Foto nordische Landschaft

09. Juli 2015

Hel(l) aktuell XX: Tuska 2015, Sonntag: Bombastisches Finale


Nach Freitag und Samstag habe ich zum ersten Mal keine Todesängste auf der Busfahrt ausgestanden; ein Wunder, sonst rasen hier alle Busfahrer wie verrückt. Zwei Wegbiere müssen heute reichen, um uns auf das Tuska einzustimmen. Von Warmen sehen und hören wir nur noch die letzten beiden Songs. Zum finalen Stück gibt der COB-Sänger Alexi Laiho seine Stimme zum Schlechtesten. So schlecht haben wir ihn noch nie singen hören … aber gut, der Menge vor der Inferno Stage gefällt das Schauspiel.

Anschließend trumpfen Mokoma auf der Radio Rock Stage auf. Mächtig Druck vom Schlagzeug und kreischende Gitarren, die alten Thrasher geben alles. Eine riesige Meute findet sich vor der Bühne ein, in ihrer Mitte der Circle-Pit. Leider ist ihr Auftritt viel zu schnell vorbei.

Mokoma (FIN)



Nach Mokoma sollte man sich, wie Odysseus und seine Crew in der griechischen Sage besser die Ohren verschließen: Die niederländisch-norwegischen The Sirens »singen« auf der Inferno Stage. Zu schaurig und schrill für unsere Ohren, trotz Ohrenstöpsel. Kari Rueslåtten hat noch die angenehmste Stimme von allen dreien.

The Sirens (N/NL)











Wer auf Männer mit Schnauzer steht und Musik für Musiker mag, ist bei den schwedischen Opeth genau richtig. Erstaunlich viele Zuhörer stehen und feiern vor der Bühne – zu gefühlten zwei Songs.

Opeth (S)







Da die Langstück-Musiker nicht ganz unseren Geschmack treffen, gehen wir in den Club zum Strong Scene Productions Collective. Hier hat sich ein Dutzend Musiker nach einer Idee des Finnen Henri Sorvali (Moonsorrow) zusammengetan, um eine einmalige Show auf die Beine zu stellen. Sie bedienen sich bei der gefälschten Metallkollektion des schwedischen Textilunternehmens H & M und erfinden zu jedem der fiktiven Bandnamen eine Band. Das Kollektiv hat nur Spaß und Quatsch im Sinn, samt Moderation sowie genial grotesken Perücken, Masken und Kostümen (und einige der Fake-Bands, die jeweils nur ein Lied des persiflierten Genres zum Besten geben, sind besser, als so manche, die sich ernsthaft versucht). Auch wir haben beim Zuschauen mächtig Spaß – H & M sei Dank. Wären unsere Finnischkenntnisse besser, hätten wir auch die Witze und Ansagen der Moderatorin verstanden.

Strong Scene Production Collective  (FIN)

Auf der Inferno Stage beginnen schon Stratovarius zu spielen, der Platz vor der Bühne ist gut gefüllt. Vor heimischem Publikum fühlen sich die Finnen sichtlich wohl. Wir verziehen uns und bereiten uns auf den Headliner des letzten Tages vor.

Stratovarius (FIN)








Bei Alice Cooper wird wirklich alles geboten: drei Gitarren, ein Bass, ein Schlagzeug, plus Frankenstein, Irrenhaus, Hinrichtung per Guillotine, eine (runter gekühlte?) Schlange – und zur Zugabe Michael Monroe (Hanoi Rocks). Eineinhalb Stunden ununterbrochen Musik, diverse Kostüm- und Gitarrenwechsel und ein bombastisches Finale. Ganz Tuska versammelt sich vor der Hauptbühne und feiert eine riesige 90-minütige Sause, plus ein paar Bonusminuten. (Etwas grotesk ist es schon, wenn Alice Cooper »School’s out« singt. Und ich warte auf den Tag in elf Jahren, wenn er statt »I’m 18« der Wahrheit entsprechend »I’m 80« singen wird.)

Alice Cooper (USA)








Nach diesem Tag sind wir froh, dass Alice Cooper der letzte Act ist. Im Anschluss gehen wir noch ein Bier trinken und dann ab ins Bett.

Bei mir hat das Tuska einen super Eindruck hinterlassen. Nicht zu groß, kurze Wege und ein sehr abwechslungsreiches Programm, bei dem jeder etwas für seinen Geschmack findet. Ich würde wieder hingehen, auch wenn die Preise für die persönliche geistige Umnachtung (=Bier) finnlandtypisch sehr hoch sind.

Text Johnic, Fotos © natte

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