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Foto nordische Landschaft

19. Juli 2015

Dunkelgrün ist ihre Farbe: Kristin Fjellseth

Ruhige Schönheit ist heutzutage ungefähr so unhip wie Reiseschecks, alte Nokia-Handys oder starke-Frauen-Romane von Hera Lind. Wenn man sich da nicht mal täuscht! Unaufgeregtes Selbstbewusstsein ohne viel Tam-Tam um die eigene Person zu machen, das ist eine unverdient in Vergessenheit geratene Tugend. Denn wer nicht mit Unbedingt-Auffallen beschäftigt ist, kann sich aufs Wesentliche konzentrieren: Etwa auf das Geschichtenerzählen. Was keine kleine Kunst ist! Womit wir endlich bei Kristin Fjellseth sind. Die norwegische Singer-Songwriterin ist seit 20 Jahren als Musikerin aktiv. Als 17jährige Sängerin bei der Alternative-Goth-Rock-Kapelle Pale Forest gestartet, die es man in stillen Stunden durchaus einmal entdecken kann. Gerade wegen der Stimme von Fjellseth, auch wenn man sonst wenig mit Walle-Walle-Düsternis anfangen kann.

Auf ihrem zweiten Solo-Album »KEEPER OF THE KEYS« will Fjellseth eher weniger als mehr. Bewegt sich zwischen Nachdenklichkeitspop, geheimnisvollen Gegenwelten mit Feen-Touch, verhuschter Pianoballade und sanftem Country-Melodram. Baut wie jede richtig gute Geschichtenerzählerin unaufdringlich Spannungsbögen auf und entzieht sich geschickt allen vorschnellen Verortungen. Der Track »Signs And Symbols« (plus sehr eigenwilligem Video!) spielt mit hexenhaften Unterströmungen. Die Sicherheiten lösen sich allmählich auf und wir ergeben uns den Dingen, die mit bloßem Auge nicht erkennbar sind. Naturspuk und victorianische Schauerromantik halten hier Händchen. Und fünf Minuten Songlänge geben Fjellseth Raum genug, um ihre eigene dunkelgrüne Ästhetik zu entwickeln. Tagsüber arbeitet die Musikerin als Lehrerin in einer Grundschule. Nachts könnte sie leise durch die dichten Wälder wandeln, mit offenen Ohren. Dass der Zweitling beim norwegischen Qualitätslabel Kirkelig Kulturverkested erscheint, ist eine deutliche Empfehlung.

Signs and Symbols music video from Inger Chr. (ICe) Årstad on Vimeo.