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Foto nordische Landschaft

17. September 2015

Estnische Schrulligkeit mit Leikki

Ehrlich gesagt: Ich mag keine Katzen. Diese verschlagene Tierart mit ihrem Hang zum Schmierenkomödiantentum ist mir zutiefst unsympathisch. Katzen können meinethalben schnurren, so viel sie wollen: Alles Lüge! Und erst der allgegenwärtige Katzen-Content, das Grauen! Aber im Fall von Leikki will ich mal eine Ausnahme machen. Das Duo aus Tallinn hat seinen eigenwilligen Aufwach-Song »Ärka« seiner Katze gewidmet. Zu diesen entspannten und merkwürdigen Tönen schwingt man gerne die Füße aus dem Bett, da stört das faul da drüben auf dem Sofa liegende Fellvieh nicht weiter.

Der Blick von Helsinki übers weite Ostseewasser hinüber nach Tallinn lohnt unbedingt! Tallinn ist eine quirlige Klein-Metropole, in die man nicht nur wegen der alljährlichen Tallinn Music Week reisen sollte. Leikki gehören zu den jungen Bands, die auf die reiche Folk-Tradition ihres kleinen Landes Bezug nehmen, aber sie mit vielerlei neuen Einflüssen weiter entwickeln. Das Duo singt auf Estnisch, einer dem Finnischen eng verwandten Sprache. Kaja Kaus, die Sängerin, Keyboarderin und Perkussionistin, hat sich vor knapp zwei Jahren mit dem DJ und Produzenten Lauri Täht zusammengetan. Gemeinsam erkundet man eine Stilrichtung, die in Richtung Ethno-Elektronik tendiert und eine gute Prise Weirdpop enthält. Tracks wie das verwunschen wirkende »Ärka« führen sanft auf Abwege, nehmen die Witterung jazziger Töne auf und lassen die Trompete kleine Schneisen in die Wildnis schlagen. Hip Hop und afrikanische Rhythmen verbinden sich in diesem musikalischen Paralleluniversum mit traditionellem Liedgut. Leikki verhexen uns mit modernen Zaubersprüchen. Diese reduzierten, aber durchaus vielschichtigen Songs riechen trotz allen neumodischen Spielkrams irgendwie nach Wald!

09. September 2015

Gold Celeste öffnen Augen. Und Ohren!

Ein wenig sanfte Psychedelik kurz vorm Schlafengehen gibt es aus Norwegen. Gold Celeste heißt das Trio aus Trondheim, die mit staunenden Augen Richtung 60ies schauen. Als alle Farben noch so schön ineinander verlaufen sind! Die Drei sind aber keine naiven Retrojünger, sondern klingen frisch und neuzeitlich. Und zeigen voller Beschwingtheit, dass Pop und Psych schmusend in der Ecke sitzen können. Die feinen Harmoniegesänge hat man sich von den Beach Boys abgeguckt, die verträumte Attitüde sowieso. Dass der feine Song »Open Your Eyes« so entspannt wie elegant daherkommt, nimmt doch sehr für die Musiker aus der nördlichen Metropole ein. Man könnte fast meinen, in Trondheim ließe sich bestens am Strand spazieren! Ein Tupfer Shoegaze ist hier dabei, auch eine kleine Prise Melancholie. Synthies seufzen, Falsettgesang geht ans Herz. Und all diese Emotionen widersprechen sich keineswegs, sondern bilden im Ergebnis ein hochschwärmerisches Ganzes. Damit lässt sich doch lächelnd in die Kissen sinken!

02. September 2015

Ach, so introvertiert: Sea Lion

Es kommt schon wieder die Zeit, in der die Dunkelheit jeden Tag früher hereinbricht und man sich mit Vorliebe in die eigenen vier Wände zurückzieht. Das macht Linn Osterberg alias Sea Lion aber auch mitten im Sommer: Sich mit ihrer Gitarre ins Schlafzimmer einschließen und entschleunigte, brüchige kleine Songs aufnehmen. Nur Stimme, Gitarre plus ein Tupfer elektronische Soundeffekte. Nur scheinbar kultiviert die junge Sängerin aus Göteborg eine zerbrechliche Mädchenstimme, die durch einen Windstoß fortgewirbelt werden könnte. Denn es steckt eine trotzige kleine Stärke in diesen intimen, gehauchten Songs. Die uns ganz unmerklich in ihren Bann ziehen. Und eine wunderbare Nachdenklichkeit pflegen.

Über feinste Seelenregungen nachsinnen: Ist sehr poetisch, das! Sea Lion, die sich selbst als absolut introvertiert bezeichnet und Smalltalk hasst, hat dieser Tage beim britischen Qualitätslabel Turnstile Music ihr Debütalbum herausgebracht. Der Titel »DESOLATE STARS« könnte nicht besser gewählt sein! Stand heute abend konnte man dem gesamten Album noch im Stream via Brooklynn Vegan lauschen. Zerbrechliche Töne also zum Herbstbeginn, die gerade dieses kleine bisschen eigenwillig und anderweltlich klingen, dass man lange zuhören mag. Wer hier an Mazzy Star denkt, der liegt schon ziemlich richtig. Denn die in der Bloggerszende verbreiteten Referenzen an Kate Bush werden diesen mitunter leicht ins (Schauer)Märchenhafte abgleitenden Töne nicht ganz gerecht. Sollte es den Stream nicht mehr geben: Auf Soundcloud finden sich einige sehr feine Songs vom ersten Album. Der Track »Room« gefällt in seiner Reduziertheit ausgesprochen gut!

Fotos: Jim Rosemberg