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Foto nordische Landschaft

02. September 2015

Ach, so introvertiert: Sea Lion

Es kommt schon wieder die Zeit, in der die Dunkelheit jeden Tag früher hereinbricht und man sich mit Vorliebe in die eigenen vier Wände zurückzieht. Das macht Linn Osterberg alias Sea Lion aber auch mitten im Sommer: Sich mit ihrer Gitarre ins Schlafzimmer einschließen und entschleunigte, brüchige kleine Songs aufnehmen. Nur Stimme, Gitarre plus ein Tupfer elektronische Soundeffekte. Nur scheinbar kultiviert die junge Sängerin aus Göteborg eine zerbrechliche Mädchenstimme, die durch einen Windstoß fortgewirbelt werden könnte. Denn es steckt eine trotzige kleine Stärke in diesen intimen, gehauchten Songs. Die uns ganz unmerklich in ihren Bann ziehen. Und eine wunderbare Nachdenklichkeit pflegen.

Über feinste Seelenregungen nachsinnen: Ist sehr poetisch, das! Sea Lion, die sich selbst als absolut introvertiert bezeichnet und Smalltalk hasst, hat dieser Tage beim britischen Qualitätslabel Turnstile Music ihr Debütalbum herausgebracht. Der Titel »DESOLATE STARS« könnte nicht besser gewählt sein! Stand heute abend konnte man dem gesamten Album noch im Stream via Brooklynn Vegan lauschen. Zerbrechliche Töne also zum Herbstbeginn, die gerade dieses kleine bisschen eigenwillig und anderweltlich klingen, dass man lange zuhören mag. Wer hier an Mazzy Star denkt, der liegt schon ziemlich richtig. Denn die in der Bloggerszende verbreiteten Referenzen an Kate Bush werden diesen mitunter leicht ins (Schauer)Märchenhafte abgleitenden Töne nicht ganz gerecht. Sollte es den Stream nicht mehr geben: Auf Soundcloud finden sich einige sehr feine Songs vom ersten Album. Der Track »Room« gefällt in seiner Reduziertheit ausgesprochen gut!

Fotos: Jim Rosemberg