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Foto nordische Landschaft

08. Oktober 2015

Reeperbahn Festival 2015: Fay Wildhagen!

Ich muss etwas gestehen: Finnland war in diesem Jahr Partnerland des Reeperbahn Festivals. Eigentlich hätte ich mich zuhauf auf den Konzerten finnischer Bands herumtreiben müssen. Ich tat es nicht. Dafür gab es einige Gründe. Viele der Bands habe ich bereits live gesehen. Es gab finnische Bands, die mich nicht die Bohne interessierten. Wie die uninspirierten Synthiepopmädels von LCMDF. Ich fand schon die letzten Veröffentlichunges des Duos überaus belanglos. Oder Eva & Manu: Verdiente, sympathische Folkpopster, die ich nicht unbedingt nochmal sehen muss. Übrigens nicht nur Häme hier: Die wunderbare Mirel Wagner hebe ich mir fürs Konzert auf dem Iceland Airwaves in vier Wochen auf! Die Neo-Psychedelik-Band Black Lizard (Foto: Sofia Okkonen) aus Helsinki aber ist unbedingt zu loben! Mit ihrer ungewöhnlichen Stilmischung aus Fuzz-Gitarren, trockentrockenem Bass, mitleidlosen Drums und fast schon ätherischen Vocals. Let the good times roll! Und dass der Drummer so aussieht wie der finnische Doppelgänger von Harry Potter ist ein Extra Goodie!

Aber eigentlich geht man ja aufs Festival, um neue Band zu hören. Oder bekannte Gesichter in neuen Zusammenhängen. Trail-Of-Dead-Sänger Conrad Keely überzeugt in der St. Pauli-Kirche mit dunkelschwarzen Countrysongs und tieftraurigen Balladen. Oh möge man diese verlorene Seele dereinst nicht irgendwo in der einsamen Prärie begraben! Und die rockige Energie der drei Schotten von Fatherson fegt einem geradezu hinweg! Ungemein sympathisch sind die Glasgower auch noch! Man hätte noch stundenlang mit ihnen schwitzen können im Grünen Jäger!

Nun komme ich aber endlich zur skandinavischen Entdeckung des Abends. Und das ist die eigenwillige norwegische Musikerin Fay Wildhagen, die im plüschigen Krimi-Theater auftritt. Eine feine Mischung aus herben und zartfühlenden Tönen zelebriert. Poetisch sind diese ausufernden und unberechenbaren Songs. Brav ist die junge Frau mit den braungelockten Haaren überhaupt nicht. Scheut sich nicht vor großen oder gar überkandidelten Tönen. Steht trotzdem mit einem Fuß in der Folk-Tradition. Als spontane Referenzgrößen fallen nur bedeutende Namen wie Joni Mitchell und sogar Joan Armatrading ein. 21 Jahre alt erst ist die junge Sängerin und Gitarristin, die mit einer Haltung auftritt, die zwischen Schüchternheit und Selbstbewusstsein irrlichtert. Bestens unterstützt von einer Begleitband an Cello, Violine, Trompete und gar Hardangerfiedel. Fay Wildhagen ist offenkundig im Aufbruch. Sucht nach unerhörten Dingen. Und vor allem nach der eigenen Stimme. Vor wilden Gitarrensolos scheut sie nicht zurück, auch nicht vor Refrains, die man bestens mitsingen kann. Und bleibt trotzdem unberechenbar wie eine Katze. Das Publikum lauscht aufmerksam. Mitunter hält man fast den Atem an. Diese dunkelblaue Stunde kurz vor Mitternacht hätte noch lange weitergehen können!

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