Home
Foto nordische Landschaft

11. Oktober 2015

I really like redheads: Reeperbahn Festival 2015

Ich habe eine kleine Schwäche für Rothaarige, seit ich in meiner Pubertät unglücklich in einen Jüngling dieser Haarfarbe verliebt war. Aber ach, ich war zwei Köpfe größer als er und das ist für einen 16jährigen Jungmann jenseits der Schmerzgrenze. Schade! Aber es kommt nach wie vor Freude auf, wenn sich Rothaariges in meinem musikalischen Universum tummelt: Wie Jökull, der Bassist der putzmunteren isländischen Indierocksters Munstur. Und dann kam dieses Jahr auch noch die schönste musikalische Liebeserklärung an die Feuerköpfe heraus, der wunderbare Track »Redheads« von 23:23 aus Finnland. Wo Sami Vierula geradezu mantraartig beschwört: »I really like redheads«. So ist es! Nach dem kleinen Exkurs komme ich endlich zum Punkt, nämlich zum sehr feinen Konzert von Júníus Meyvant beim Reeperbahn Festival 2015 in der St. Pauli Kirche. Júníus Meyvant ist erdbeerblond und blass und inszeniert sich mit vielköpfiger Band als sensibler isländischer Troubadour. Was bestens in die Kirche passt, wo das Publikum aufmerksam und respektvoll lauscht. Und an den Synthies sitzt ein halb ausgewachsener rothaariger Jungmann, der so bescheiden wie sympathisch wirkt. Es ist der kleine Bruder von Júníus, wie der Ältere beiläufig erzählt. Und man wünscht sich, dass dieser Musiker seinen Weg geht und hoffentlich eine ganze Schublade voll eigener Songs hat. Aber auch der blassrothaarige große Bruder überzeugt an diesem Abend mit einer Mischung aus Schönheit und Ernsthaftigkeit.

Aus der Kirche möchte man gar nicht mehr weg, so heimelig und entspannt ist es dort. Die Kirchenleute verkaufen Wein und Bier mitten im Gotteshaus. Warum denn nicht? Und so bleibt man und lässt sich von den eigensinnigen elektropoppigen Nachtgedanken von Kat Vinter einlullen. Melodrama auf Eis. Die australische Musikerin hat es bereits seit einiger Zeit nach Berlin verschlagen (gibt es eigentlich keine anderen deutschen Städte für Exilanten? Ist man anderswo per Definition uncool?), wo sie unter anderem mit der norwegischen Texterin Laila Samuels zusammenarbeitet. Von daher stammt wohl auch diese arktische Brise, die durch diese Songs zieht. Reduziert, geheimnisvoll und elegant hört sich das an. Das sind Töne in Schwarz-Weiß. Kat Vinter ist eine kühle Diva, die ein leises Feuerchen anzündet. Und trotzdem ihr Geheimnis wahrt.

Kat Vinter – Downtime from Anton Koch on Vimeo.

Und ich hatte gar nicht gewusst, dass der schwedische Singer-Songwriter Andreas Moe eine so große Fangemeinde in Deutschland hat! Der Mann mit der Gitarre und dem Dackelblick trifft wohl den Zeitgeschmack mit seinem ohrschmeichlnden Mix aus Folk und Pop. Das Banjo puckert so gefühlvoll, dass es sehr ans Herz geht. Und diese schmeichelnde Falsettstimme! Aber alles zu leicht goutierbar. Auf diese Töne können sich Teenie und Großtante einigen. Nett, viel zu nett! Schnell entfleucht, um dem neuen Signining vom Qualitätslabel BB Island zu lauschen. Der jungen US-Sängerin Lady Lamb. Sehr direkt. Sehr emotional. Und sie tut auf der Bühne Dinge, die ich in sehr vielen Jahren Konzertgängerei noch nicht gesehen habe. Weil ihr der Mikrosound nicht gefällt, zieht sie ihre Schuhe aus, zieht die Socken aus und streift diese übers Mikro. Einfache Mittel siegen, Chapeau! Superlebendig und sehr sie selbst: Schöner Abschluss, Lady Lamb! Diese ccoole Prise New York hatte gefehlt!

Die letzten 5 Beiträge von Eva-Maria Vochazer

2 Kommentare

1. Silja schrieb am 12. Oktober 2015 um 21:23

Ich bin auch ein großer Fan von Rothaarigen ;D Allerdings liegt es bei mir auch daran, dass ich in der Familie einige habe. U.a. meinen Vater. Leider habe ich nur die helle Haut und Sommersprossen geerbt. ;D

Ich habe Júníus Meyvant in Köln gesehen und fand es großartig. Seine Musik und seinen Humor! Glücklicherweise sehe ich ihn nächsten Monat nochmal in Reykjavík.
Dummerweise könnte es aber sein, dass ichs beim Airwaves nicht zum Munstur Konzert schaffe. Ich hoffe noch auf die Off-Venue Shows.

2. Eva-Maria Vochazer schrieb am 12. Oktober 2015 um 21:34

Ich denke, da könntest Du Glück haben mit Munstur: Im vergangenen Jahr haben sie jede Menge Off-Venue-Konzerte gespielt. Das ist eine junge Band, die sich auf dem Airwaves dem internationalen Publikum vorstellen kann – und ich denke, dass sie diese Gelegenheit nutzen werden! Das Off-Venue-Programm müsste auch bald rauskommen.

Schreibe einen Kommentar

Folgende Tags sind erlaubt: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>

*
Bitte gib das Sicherheitswort auf dem Bild ein.
Anti-spam image