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Foto nordische Landschaft

22. November 2015

Fliegende Frösche mit Østfrost: Iceland Airwaves 2015

Reykjavík ist wieder die Stadt der Kräne und Baugruben geworden. Entlang der einzigen ernstzunehmenden Einkaufsstraße des Landes, dem Laugavegur, stehen Baugerüste en masse. Und an der wie ein Krater klaffenden Baugrube vor dem Konzerthaus Harpa tut sich nach jahrelangem Stillstand etwas: Es entsteht, Überraschung!, ein riesengroßes Luxushotel mit gehobenem-Spa-Bereich, das wohl ab kommendem Jahr den spektakulären Blick von der Innenstadt aufs Harpa blockieren wird. Die neue Therme im Herzen Reykjavíks wird auch dringend benötigt, denn in der Blauen Lagune muss man die Eintrittskarten inzwischen vorbestellen, so voll ist es. Island hat also vom Krisen- wieder in den Wachstumsmodus umgestellt. So mancher Einheimische sieht schon die neue Blase am Immobilienmarkt heraufdämmern. Das ging doch alles fast wieder zu schnell! Und die Touristen lieben die Atlantikinsel. Was im kommenden Juni zu Problemen führen könnte: Denn seit sich die isländische Fußballnationalmannschaft sensationell erstmals für eine Europameisterschaft qualifizieren konnte, steht die Insel Kopf. “Im Juni fliegt die eine Hälfte des Landes nach Frankreich, um die isländische Mannschaft anzufeuern. Und die andere Hälfte sitzt vorm Fernseher und wird nicht im Traum daran denken, zu arbeiten”, sagt ein Insulaner. Aber es soll in Downtown Reykjavík sogar erstmals Public Viewing geben. Also, liebe Touristen: Am besten einfach dazugesellen!

Schön, dass es am Laugavegur neben all den Touristenshops auch weiterhin kruschelige, alteingesessene Plattenläden wie das Smekkleysa gibt, wo beim Iceland Airwaves 2015 die sympathischen norwegischen Nachwuchs-Folkpopsters Østfrost im Rahmen eines kleinesn akustischen Sets auftreten und unsere Herzen mit allerliebsten, auf Spielzeuginstrumenten eingespielten Songs erfreuen! Die Band aus Trondheim mit dem suchmaschinen-unfreundlichen Namen überzeugt mit viel Zärtlichkeit, großäugiger Naivität und einem echten Händchen für Songs, die gekonnt zwischen Euphorie und Melancholie irrlichtern. Die Vier, deren corporate colour wohl ein sanftes Dunkelblau ist, setzt auf hymnische Vocals und träumt mitunter zu Geigenklängen. Was nicht heißt, dass sie nicht auch ein wenig lauter werden können. Wie in “Wooden Floors”, wo Østfrost kurioserweise von fliegenden Fröschen träumen und uns in eine delikate und aufregende Phantasiewelt entführen. Das Quartett hat eben seine erste EP vorgelegt. Reinhören lohnt!