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Foto nordische Landschaft

20. Dezember 2015

Stillvergnügtes Singen mit Onoila

Wie gelangt eigentlich die Musik ins Polarblog? Wenn man mich fragt: Am liebsten per Zufall! Ich mag es, wenn die Dinge zu mir kommen. Wenn sich per Zufall die Wege kreuzen. Ich halte es mit Pippi Langstrumpf: Ich bin ein begeisterter Sachensucher. Und Sachenfinder! Der schwarze Schal, den ich gerade um den Hals geschlungen trage? Der hing tagelang traurig draußen am Geländer der hiesigen Sparkassenfiliale herum, bis ich mich endlich erbarmte, ihn mit nach Hause nahm & wusch & hoppsa! Ein wunderbares Teil! Das Buch, das ich gerade lese, hat jemand im Zug liegen lassen. Ich hätte es ja gerne dem rechtmäßigen Besitzer gegeben, aber das Abteil war leer & der Zug an der Endstation angelangt. “The Consolations Of Philosophy” heißt es, geschrieben von Alain De Botton. Mir war der Mann bis dahin unbekannt. Lauter kluge Essays! Das kleine Penguin-Büchlein enthält auch ein geistvolles Kapitel über das gebrochene Herz & wie man es tröstet. Und dort sind halbe Seiten mit Bleistift unterstrichen. Ergo, der Verlierer oder die Verliererin hat heftigen Liebeskummer. Welche kleine Dramen des Alltags man als Sachensucher so entdeckt!

Und nun komme ich endlich zum Punkt und zu Onoila. Die Band aus dem finnischen Turku pflegt einen feinen, gitarrenlastigen Singer-Songwriterpop, der stillvergnügt und schelmisch daherkommt, um zwei altmodische deutsche Wörter zu verwenden. Ein Mitglied der Band saß letztens bei meiner Freundin Oona im Wohnzimmer & wurde von ihr via Instagram markiert. Klar, da werde ich neugierig und schaue nach! Onoila hatten bis vor zehn Minuten 39 “Freunde” auf Facebook. Ich stöbere auf der Seite herum & stoße auf ein schönes Do-It-Yourself-Video, wo ein pelzbemützter Jüngling im Wald herumstrolcht und mit Pfeil und Bogen unerhörterweise auf weiße Tauben schießt. Brave Liedermacher tun so was nicht, die flehen nach ein bisschen Frieden! Eine garstige kleine Ballade also, so viel lässt sich mit beschränkten Finnischkenntnissen erahnen. Und sehr leichtfüßig und selbstironisch dabei! Die Fünf von Onoila nehmen sich erfreulicherweise nicht zu ernst, sondern goutieren mit todernster Miene und lachenden Augen die Absurditäten des Alltags. Das selbst betitelte Debütalbum ist im August herausgekommen. Man kann es als Kassette (!) erwerben und zuvor ausführlich via Bandcamp hereinhören. Und diese Töne müpfen alle Mußestunden auf – mit den unerwarteten Schlenkern, die sie schlagen! Mir gefällt “Palava Kivi” ausgesprochen gut, wo die Band urplötzlich zu fetten Orgelklängen in den Powerpop-Modus wechselt. Himmel, was für ein unwiderstehliches Durchs-Wohnzimmer-Step-Stückchen im Waldschrat-Gewand. Mehr von dieser Huckleberry-Finn-Attitüde!

Metsästäjän balladi from Onoila on Vimeo.

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