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Foto nordische Landschaft

27. März 2016

Peppina im Märchenland

Man mag sie ja kaum noch glauben, diese wundersamen Geschichten, wie unbekannte Musiker im Internet entdeckt werden und einen hoffnungsvollen Karrierestart hinlegen. Gerade im weltweit wuchernden Singer-Songwriter-Genre, wo sich jeder zum potenziellen Star-Leider-berufen fühlt, der drei Akkorde spielen kann! Aber es gibt sie tatsächlich immer noch, die kleinen Erfolgsgmeldungen. Denn so hat es die junge Singer-Songwriterin Peppina als einer der sehr raren finnischen Acts zum diesjährigen South By Southwest Festival und zum renommierten Sundance Film Festival geschafft. Aber der Reihe nach: Denn alles fing damit an, dass die Nachwuchskraft aus Helsinki mit knapp 17 Jahren ihre ersten Songs auf die Produktions-Plattform hitRECord hochlud, die vom US-Schauspieler und -Regisseur Joseph Gordon-Levitt (wir erinnern uns: 500 Days Of Summer!) bereits vor zehn Jahren ins Leben gerufen hat. Hier kommen Kreative aus aller Welt zusammen, Musiker, Grafiker, Texter und Filmemacher gleichermaßen. Und das Allerberbeste ist: Die Künstler werden fair bezahlt, falls eine Zusammenarbeit entsteht. Peppinas Tracks gefielen so gut, dass mehrere kurze Animationsfilme zu ihrer Musik gedreht wurden, darunter das sehr beschwingte, märchenaffine »Beastly Beauty«. Weitere Videos gibt es hier zu entdecken. Ganz schön breites Oeuvre für eine knapp Zwanzigjährige!

Und damit nicht genug: Die hitRECord-Kontakte erwiesen sich als so lohnend, dass Peppina Ihre Debüt-EP »FOLLOW YOUR GRAVITY« in New York mit renommierten Studio-Musikern aufnehmen konnte. Und ich muss an dieser Stelle übrigens ein wenig Abbitte tun: Nach einer ganzen Reihe nichtssagender Gigs von Singer-Songwritern im Rhein-Main-Gebiet, bei denen mir Füße und Ohren gleichermaßen einschliefen, meckerte äußerst ungnädig über dieses Genre. »Du könntest mich schütteln, ich könnte Dir vom gestrigen Abend keinen einzigen Song nennen, der irgendwie hängengeblieben ist«, mailte ich an einen Freund nach einen Doppel-Konzert von Singer-Songwritern in der Bundesliga-Metropole Darmstadt. Klampf, Krampf und gepflegte Langeweile. Ein wenig gefälliger darf es durchaus sein! Denn das Erstlingswerk von Peppina sehr leichtüßig, anmutig und durchaus frühlingshaft ausgefallen. Überzeugt mit professionellen Arrangements. Die EP ist sehr hörenswert. Man kann ihr zur Gänze via Soundcloud lauschen. Ach ja, und das Märchen ist noch nicht zu Ende erzählt: Der Song »We Can Go Back Again« hat es auf den Soundtrack des US-Indie-Films »MARRIED YOUNG« geschafft, der gerade produziert wird.

19. März 2016

Eine himmlische Stimme: Avokademo

Ich lobe jetzt mal eine Band, die noch nicht mal eine eigene Facebookseite besitzt. Die in den Weiten des Internet bislang noch kaum Spuren hinterlassen hat. Aber das dürfte sich ändern! Denn selten kommt es vor, dass man schon nach wenigen Sekunden so sehr in den Bann einer Stimme gerät. Weitere Informationen: Fehlanzeige. Ich weiß noch nicht mal, wie die Sängerin mit dieser himmlischen Stimme heißt! Aber nun mal von Anfang an: In Island findet jedes Jahr im März der Nachwuchs-Wettbewerb Músíktilraunir statt. So weit die reine Information. Aber unter den Siegern dieses Wettbewerbs waren in den vergangenen Jahren immer wieder Bands, die dann weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt geworden sind: 2010 waren es Of Monsters And Men, 2011 hatten Samaris die Nase vorne und im Jahr 2013 schafften es Vök aufs oberste Treppchen. Auch in diesem Jahr kann man via Soundcloud ausführlich in das musikalische Schaffen der hoffnungsvollen Kandidaten hineinhören. Man lauscht der Playlist, räumt das Geschirr in die Spülmaschine ein, und hört eine Menge Mittelmaß. Ja, das gibt es auch in Island! Und dann stellen sich plötzlich die Ohren hoch: Die beiden Tracks von Avokademo klingen so reif, so perfekt, dass sie eindeutig aus der Masse herausragen. Allein das wunderbar hoffnungsvolle, unschuldige und grenzwerttraurige Liebeslied »Complete« überzeugt! Das ein wenig triphoppig daherkommt. Und mit seinen stimmungsvollen Bläsern punktet. Der Track erweist sich nach dem fünften Hören als sehr komplex arrangiert! Und dann diese starke und gleichwohl naive Stimme von Frau Unbekannt. Säße ich in der Jury – meine zwölf Punkte sind bereits rettungslos verliebt vergeben!

14. März 2016

Sehr rothaarig: Emma Acs

Alle Klischees über eigenwillige rothaarige Frauen wollen wir hier nicht auspacken, aber im Fall der Kopenhagener Chanteuse Emma Acs und ihrem überkandidelten, anspruchsvollen Theatralik-Pop treffen sie dann doch ein wenig zu. Die Dänin gibt sich unberechenbar wie eine königliche Katze. Packt die Disco-Kugel und dreht die Synthies hoch, aber es geht ihr nicht um die Produktion von Hochglanz-Tönen, sonderm um eine tanzbare Form der Grenzwert-Hysterie. Miss A. lässt die Stile wie Wasserfarben ineinander verlaufen. Ein bisschen Sixties-Divenpop, ein wenig Psychedelik und eine Prise schlauer Metropolen-Untergrund. Das sind Töne, die durchaus ein wenig kabarett-affin sind. Aber eins ist klar: Im musikalischen Universum dieser jungen Frau dürfen wir uns niemals in Sicherheit wiegen! Ende vergangengen Jahres hat Emma Acs ihr Debütalbum »GIVE IN TO WHATEVER« vorgelegt und darin das gehobene Maunzen zur Kunstform erhoben. Ach, anregend dekadent klingt das! Wer nun fürchtet, dass es sich hier um spröde Töne handelt, dem ist nur zuzurufen: Überhaupt nicht! Allein die wunderbar überdrehte Schmuddelkinder-Disco-Hymne »Magnetic Field« ist ein glitzerndes Vergnügen im halbseidenen Gewand! VTo me you are everything!« wird hier mantraarig wiederholt. Man könnte sich an die Präsenz dieser Dame gewöhnen!

02. März 2016

Ein verschleppter Tanz mit der Melancholie: Jørck

Die Chris-Isaak-Retromanie ist erfreulicherweise voll in Gange. Gut so, der Mann ist ein Klassiker! Verschleppter Slidegitarren-Rock vor dunkelschwarzer Mitternachtskulisse und einer Atmosphäre latenter Bedrohung: Wer sich auf der Suche nach würdigen Erben der Wicked-Game-Ästhetik macht, der muss dieser Tage auf nach Kopenhagen schauen. Jørck nennen sich die Sängerin Trine Jørck und der Multiinstrumentalist Torben Guldageder, die Anfang des Jahres ihr Debütalbum »BLACK SUN« herausgebracht haben. Der Blick ist eindeutig rückwärts gerichtet. In eine Zeit, als Glamour noch nicht per Photoshop erstellt wurde und eine Fahrt in die schwarzen Wälder von Twin Peaks in menschlichen Abgründen enden konnte! Jørck nehmen sich alle Zeit der Welt, um einen elegant verschleppten Tanz mit der Melancholie zu beginnen. Weniger ist mehr! Über diesen Songs scheint eine schwarze Sonne. Die Stimme von Trine Jørck evoziert ein kühles Diventum, das an keiner Stelle aufgesetzt wirkt. Lana Del Rey in Zeitlupe etwa? Unterkühltes Melodram allemal! Hier blühen schwarze Rosen. Sinnliche Americana: So geht das, ihr Puritaner! Die vor einigen Tagen veröffentlichte Single »You Let The Looseness In« ist jedenfalls sehr fein und auf zurückhaltende Weise dekadent!