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Foto nordische Landschaft

14. November 2016

Ab in den Keller zu den Elfen! Iceland Airwaves 2016

Dass Studenten weltweit ihre Freizeit in Kellern verbringen, ist ein universelles Phänomen. In Reykjavík ist es nicht anders, denn hier trifft sich der akademische Nachwuchs im Stúdentakjalarinn unter der Mensa, wo man außer Biertrinken (erschwinglich sogar für isländische Verhältnisse!) solch nette Dinge tun kann wie Premier League gucken oder beim Star-Wars-Quiz mitmachen. Zum Iceland Airwaves Festival 2016 hat der Studentenkeller erfreulicherweise offen und wartet abseits der Innenstadt und der großen Menschenströme mit einem angenehm entspannten Ambiente auf. Wer sich bislang erfolglos auf die Suche nach isländischen Elfen gemacht hat, wird hier endlich fündig: RuGl nennen sich die beiden 14jährigen Mädchen, die es beim diesjährigen nationalen Nachwuchswettbewerb weit nach vorn geschafft haben. RuGl, diese zarten Elfenwesen, spielen verträumten, federleichten Folkpop und überraschen mit wunderbaren Harmoniegesängen und gelungen Arrangements. Einen Rekord verbuchen sie schon mal beim Festival: Sie sind offiziell die jüngsten Teilnehmerinnen! Seit Anfang des Jahres bilden Ragnheiður María Benediktsdóttir und Fríða Helgadóttir Folkmann ein Duo, dem man wünscht, dass sie sich viel Zeit zum Wachsen nehmen. Und da wir hier in Island sind, hat sich die Verwandtschaft der jungen Musikerinnen zahlreich eingefunden. Ich sitze neben der stolzen Großmutter eines der Mädchen, die schier nicht aufhören kann, von der begabten Enkelin zu schwärmen. Auch das ist so eines dieser Airwaves-Erlebnisse, die man sonst nirgendwo findet!

Ebenfalls im Keller, allerdings ein paar hundert Meter weiter im Nordic House, tritt eine weitere jungspundige Nachwuchskapelle auf, die ihr Herz an den schicken 80er-Synthiepop verloren hat. Omotrack heißt die Band um die Brüder Markús und Birkir Bjarnason. Man könnte sich nun gähnend abwenden und sagen, dass sich bereits hundert andere Bands auf den Spuren von Spandau Ballet bewegen, wenn die Jungs mit den assymetrischen New-Wave-Haarschnitten nicht eine dreiköpfige Bläser-Sektion mitgebracht hätten, deren herzhafte Sounds sich erstaunlicherweise bestens mit dem Synthiegeblubber vertragen. Und Omotrack können mit einer besonderen Bandgeschichte aufwarten: Aufgewachsen sind die Brüder in Äthiopien in einem Dörfchen namens Omo Rate, von dem sich der Bandname herleitet. Die Rhythmusverliebtheit dieser supersympathischen Jünglinge mag daher stammen! Aber den 80er-Jahre-Heroen Flash And The Pan haben die Gebrüder Bjarnason wohl aufmerksam gelauscht. Omotrack legen eine animierte, ansteckend melodieverliebte Live-Show hin, so dass man sich die Bestuhlung im Nordic House wegwünscht, um gepflegt ein bisschen abzuhotten. Omotrack arbeiten aktuell an ihrem Debütalbum und brennen vor jugendlicher Ungeduld. Mit einem breiten Lächeln im Gesicht holt man sich einen Kaffee.

Weiter gehts mit der Kellermusik mit einem ganz einem ganz Genre, das sich Bluespop nennt und bestens zur ruhigen blauen Stunde in Reykjavík passt. Ghost Of Greenland nennt sich diese neue Band, die keineswegs aus Grönland, sondern aus Reykjavík stammt. Wer sich ein bisschen in der isländischen Musikszene auskennt, wird hier, so viel sei verraten, ehemalige und aktuelle Mitglieder der Edel-Folkpopster Árstíðir im Ensemble erkennen. Mit dem feinen Unterschied, dass hier eine warme weibliche Stimme im Mittelpunkt steht! Es geht hier ein wenig sakral, angenehm nachdenklich, grenzwertmelancholisch und erwachsen zu. Das Leben Revue passieren lassen und die Niederlagen mit leisem Lächeln akzeptieren: Das können Ghost Of Greenland sehr gut! Zu diesen dunkelblauen, angefolkten Tönen wird uns angenehm warm ums Herz. Welt außerhalb des Kellers, bleib draußen und lass hier diese ruhige Schönheit blühen!

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