Home
Foto nordische Landschaft

27. Dezember 2016

Fliegen lernen mit Rest in Beats

Brrrr! Kalt, nass, dunkel! Und Weihnnachten ist auch noch vorbei! Es ist unbedingt Zeit für ungewöhnliche Töne und die Entdeckung der dänischen Sprache als Idiom südlich flirrender Gegenwelten! Wer´s nicht glaubt, soll sich »Fugle Kan Dø« (Vögel können sterben heißt das übersetzt!) anhören, die neue Single der dänischen Pop-Grenzgänger Rest In Beats. Eine melancholische Totenklage auf leblose Federwesen ist das nicht, sondern eine quicklebendige Mischung aus Weirdpop, Hip Hop und unberechenbaren Elektronica. Rest In Beats sind ein Duo aus Kopenhagen, bestehend aus der Sängerin Rezwan Farmi und dem Produzenten Sebastian Roende Thielke. Der Track ist eine eigenwillige Neuinterpretation eines Gedichtes der verstorbenen iranischen Dichterin und Filmemacherin Forough Farrokhzad. In dem Gedicht geht es darum, alle Chancen im Leben mutig anzupacken und nicht auf falsche, faule Sicherheit zu setzen. »Ein toter Vogel erinnert mich daran, dass Vögel sterben. Und erinnert mich daran, zu fliegen«, heißt es im Refrain. Organisch wollen die beiden klingen,mitten in einer künstlichen Soundlandschaft. Das ist ihnen unbedingt gelungen! Vor allem, wenn man der Sirenenstimme von Rezwan Farmi lauscht! Der Exotik-Faktor, der hier dezent Einzug hält, verleiht dem Track eine feine orientalische Note. Fliegen lernen könnte auf die Liste der Neujahrsvorsätze kommen!

14. Dezember 2016

Achtung, Ólafur Arnalds: Hier kommt Magnús Jóhann!

Auf der Bühne verschwindet Mágnus Jóhann fast hinter seinen Klavier- und Synthesizerburgen. Trutzige Klänge hat der knapp 20jährige Isländer nicht zu bieten, sondern lichte, luftige, gerne auch mal experimentelle Klänge aus den Grenzlanden zwischen neo-klassischen Klavierwelten, Filmmusik, Minimalismus und samtpfötigen Elektronica. An Selbstbewusstsein mangelt es der Nachwuchskraft aus Reykjavík nicht: Pianist und Komponist, gibt der Musikstudent auf seiner Facebook-Seite als Beschäftigung an. Muss sich Ólafur Arnalds jetzt Sorgen machen, dass ihm hier Konkurrenz im eigenen Land heranwächst? Ein wenig schon!

Denn Magnús Jóhann sieht zwar aus wie ein noch nicht ganz ausgewachsener Nerd mit strähnigem Langhaar, hat aber schon reichlich Erfahrung in verschiedenen isländischen Bands gesammelt und kürzlich beim renommierten nationalen Nachwuchswettbewerb Músíktilraunir einen respektablen dritten Platz erobert. Der Jungspund hat nun sein Soloprojekt gestartet, nachdem er als Komponist (jawohl!) die Musik zu mehreren Kurzfilmen beigesteuert hat. Kürzlich hat er nun sein Debütalbum »PRONTO« vorgelegt, in das man zur Gänze auf Bandcamp hereinhören kann. Das Titelstück ist ein tastendes Stückchen Pianomeditation jenseits jeden Kitsches. Hier kommt die Welt sachte staunend zum Stillstand. Und zieht das Geheimnisvolle in den Alltag ein. Dezente elektronische Unterströmungen verbreiten angenehme Unruhe. Magnús Jóhann improvisiert gerne. Zeigt fast jazzige Einflüsse. Diese rauchblauen Töne sind wunderbar unberechenbar!

08. Dezember 2016

Scheppernder Schnee mit FOAMMM

Jede Band tut gut daran, eine gute Gründungsgeschichte zu erzählen. FOAMMM aus Oslo können mit einer ungewöhnlichen Variante aufwarten: Keine Lust auf Keramikkurse! Sängerin Chiara Cavallari war 2013 auf der Suche nach einem sinnvollen Hobby. Töpferei im Volkshochschulkurs kam überhaupt nicht in Frage! Also versammelte die junge Frau mit der Elfenstimme ihre besten Freunde um sich und gründete eine Band. FOAMMM war geboren und die Kunsthandwerksmärkte müssen eben auf einen Stand mit klobigen Vasen in gedeckten Naturfarben verzichten. Tut uns gar nicht leid! Die Fünf aus der norwegischen Hauptstadt bewegen sich lässig und verträumt auf die große Wegkreuzung zu, wo sich Shoegaze, Dreampop, 90ies-Indierock und Garage treffen. Das scheppert so schön und klingt fein verschwurbelt, wenn FOAMMM in Slacker-Tönen den Schnee besingen! Drei Jahre nach Gründung haben die Nachwuchskräfte beim Osloer Indie-Label Sheep Chase Records unterschrieben und in diesem Jahr ihre Debüt-EP »DIVE INTO THE FOAMMM« herausgebracht. Und durften letztens sogar im Vorprogramm von Garbage bei deren Osloer Konzert auftreten! Ob sich Shirley Manson und Chiara Cavallari über Musik, Hobbys und das Leben als weiblicher Rockstar unterhalten haben, ist nicht überliefert. In Norwegen werden FOAMMM bereits als neue Indiehoffnung gefeiert, und das mit Grund: Den Unterschied zu tausend anderen Gitarrenschrammlern voller Nirvana-Nostalgie macht die Stimme von Chiara Cavallari, die selbstbewusst, verträumt und verhuscht zugleich klingt. Und sehr weiblich dazu! Mitunter fühlt man sich an die junge Harriet Wheeler von den unvergessenen 80er-Heroen The Sundays erinnert. Bloß mit mehr Hall und Lust an psychedelischen Experimenten! Wer also zur Adventszeit einen garantiert kitschfreien Song über den Schnee sucht, der wird bei FOAMMM fündig. Und wer danach noch Lust auf mehr hat, kann via Bandcamp ausführlich in die Debüt-EP hereinhören.

01. Dezember 2016

Die dänische Lana Del Rey: Vida Sophia

Nathalia Sophia Barat alias Vida Sophia könnte durchaus als skandinavische Femme Fatale durchgehen, die sich im heimischen Kopenhagen ins Kalifornien der klassischen Film-Noir-Zeit zurücksehnt und deren Träume in ein kühles Schwarz-Weiß getaucht sind. An Sonnenschein und Palmen hat die Musikerin mit Wurzeln in Israel und Dänemark keine Freude, und mit dem Beach-Boys-Feeling schon gar nicht. Wer dem lasziv-unterkühlten Track »I Never Surf« mit dem dazugehörigen Surfgitarren lauscht, wird unwillkürlich an Oberdiva Lana Del Rey denken. Und wer mag schon auf ein blödes Brett steigen und sich mühselig einen Weg durch die Brandung bahnen, wenn er mit einer geheimnisvollen Fremden bei einem Longdrink im Schatten sitzen kann? Auf die Lana-Del-Rey-Assoziation lässt sich Vida Sopia natürlich nicht reduzieren: Auf ihrer Debüt-EP »SOUNDTRACK« lässt sie sich vom eleganten, melancholischen Elektropop inspirieren. Und werkelt bereits an einer neuen EP. Der Song »Capella«, der erste Vorbote, ein ist ein zurückgenommenes, dezent glamouröses Stückchen Lounge-Nachdenklichkeitspop. Synthies klingen hier wie schmelzende Eisberge! Dass das dazugehörige Video von Kamil Franko in Szene gesetzt wurde, der mit Meister David Lynch gearbeitet hat, das passt: Wir sind hier unbedingt unterwegs zum Mulholland Drive!

(Foto: Sarah Buthmann)