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Foto nordische Landschaft

21. Februar 2017

Das Mädchen in den Signalfarben: Sigrid Raabe

Harmlos genug geht es hier los mit mädchenhafter Stimme. Aber Sigrid Raabe hat Größeres im Sinn: Einen eingängigen Popsong schreiben, der ungemein tanzbar ist, selbstbewusst und naseweis dazu! Und unbedingt radiotauglich, ohne sich zu sehr an den Massengeschmack anzubiedern. Stimmlich zieht die 20-Jährige, die inzwischen als Sängerin nur noch unter ihrem Vornamen antritt, alle Register. Changiert mühelos zwischen Unschuld und Powerfrau und sendet eine implizite Botschaft aus: Den Thron der skandinavischen Dancepop-Prinzessin werde ich bald besteigen! Übertriebenen Respekt vor den schwedischen Chanteusen von Robyn bis Zara Larsso hat die Nachwuchskraft aus dem norwegischen Ålesund offenkundig keinen. Sie ist recht fix bei einem Major Label untergekommen und macht mit dem Track »Don’t Kill My Vibe« eine unmissverständliche Ansage: Hallo Welt, hier komme ich! Die Musikerin, die bislang vor allem als Background-Sängerin ihres Bruders Tellef Raabe aufgefallen ist, tritt selbstbewusst ins Rampenlicht. Das Mädchen in den Signalfarben hat keinerlei Problem damit, im Sekundentakt zwischen reduzierter Piano-Empfindsamkeit und himmelhohen Synthiesounds zu wechseln. Und verfügt trotz junger Jahre über eine erwachsene Rauchigkeit in der Stimme. Dass sie sich in Liebesdingen von keinem Jungmann unnötigen Herzschmerz verursachen lassen will, macht Sigrid in ihrer Debütsingle unmissverständlich klar: »You’re acting like you hurt me but I’m not even listening«: Das glauben wir ihr unbenommen. Gut möglich, dass wir noch vor dem Sommer sehr viel mehr von Sigrid hören werden!

10. Februar 2017

Schöner verlorengehen mit MALMØ

MALMØ treiben ein kleines Verwirrspiel mit uns. Denn die Dreampopster um Sängerin Maria Malmø kommen keineswegs aus der schwedischen Hafenstad, sondern aus dem dänischen Århus, einer der beiden europäischen Kulturhauptstädte 2017. Dänemark also! Das Sextett zelebriert eine sanfte Nachdenklichkeit in einer überdrehten Welt. Zur Ruhe kommen, schlendernd unterwegs sein und vielleicht ein wenig verlorengehen: Das schaffen MALMØ im schwerelos schwebenden Song »You«., der nur scheinbar reduziert daherkommt und sich auf das Wesentliche konzentriert: Wundersame kleine Geschichten zu erzählen. Und kleine, aber feine Spannungsbögen aufzubauen: Girl meets boy: Mit der maunzigen, feenhaften Stimme von Maria Malmø klingt diese uralte Geschichte überaus anmutig und sehr frisch! Die Dänen nehmen sich alle Zeit der Welt, um diese minimalistische Geschichte zu erzählen. Weniger ist hier definitiv mehr. Folkpop und Dreampop kuscheln hier einträchtig miteinander. Wer eine Referenzband sucht, wird vielleicht ein wenig an die unvergessenen Sundays und deren großartige Sängerin Harriet Wheeler denken, obwohl die Briten definitiv poppiger sind. MALMØ werkeln im Moment an ihrem Debütabum »WE COME FROM THE STARS« (was man ihnen unbesehen abnimmt!). Der Erstling soll im Herbst herauskommen. Darauf können wir und schon mal im Februar freuen!