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Foto nordische Landschaft

31. Januar 2017

Wir tanzen barfuß mit Irah: Eurosonic 2017

Manchmal hat man fast ein wenig Angst vor dem ersten Mal: Wenn eine Band auf der Bühne steht, deren Album man über alle Maßen liebt und deren Songs im Laufe vieler Wochen treue Begleiter geworden sind. Und so sind meine Erwartungen himmelhoch, als Irah auf dem Eurosonic Festival in Groningen auf der Bühne stehen. Denn das Trio aus Kopenhagen hat mit dem Mini-Debütalbum »INTO DIMENSIONS« einen meiner musikalischen Höhepunkte des Jahres 2016 vorgelegt, die es in meinen persönlichen Jahrescharts weit nach vorne geschafft haben. Und was für eine wunderbare Überraschung in der stimmungsvollen Stadsschouwbourg an der Gracht: Überaus sympathisch, angenehm bescheiden und mit offensichtlicher Freude am gemeinsamen Musizieren präsentieren sich die Dänen im eisigen Groningen. Im Mittelpunkt steht, ohne sich vorzudrängen, die zierliche Sängerin Stine Grøn, die unbedingt die lange verschollene Kusine von Beth Gibbons sein muss. Aber lebensfroher daherkommt als die Portishead-Chanteuse! Auch live sind die Songs von schwebender Fragilität und großer Schönheit. Besitzen eine meditative, fast schon sakrale Qualität. Und über allem schwebt die Stimme von Stine Grøn, die sich in eine sanfte Ekstase hereinsteigert, ihre Schuhe von sich schleudert und entrückt barfuß tanzt. Von naiver Betulichkeit kann aber erfreulicherweise keine Rede sein: Die Kopenhagener experimentieren mit tribal treibendenden Beats. Zu diesen Feenklängen und dem mantrahaften Wiederholen ihres Credos »It is on the inside, it is on the oustide, let´s travel on there!« vom zauberigen Track »Fast Travelling« kann man euphorisch in taubenblaue Gegenwelten abtauchen. Bitte bald mal auf Deutschland-Tour kommen!

Auch bei den rotzfrechen norwegischen Nachwuchs Powerpopstern Sauropod hängen die Erwartungen live sehr hoch. Denn das Trio hat mit »ROARING AT THE STORM« im vergangenen Herbst ein wunderbar atemloses Debütalbum vorgelegt, das mit einer eingängigen Mischung aus Garagenrock, Dicke-Lippe-Pop und hysterischen Glam-Einsprengseln ein kunterbuntes Feuerwerk für Schmuddelkinder abbrennt. Die drei um die übercoole Bassistin Kamilla Waal Larsen haben bei ihrem Groninger Gig hörbaren Spaß an ihren anarchischen Tönen und nehmen sich erfreulicherweise selbst nicht so ernst. Hier hier sind unbekümmerte Spielkinder am Start, die alle Widerstände mühelos hinwegfegen. Leute, ihr müsst tanzen und auch mal das Maul aufmachen, wenn euch etwas nicht passt, so lautet hier die tiefere Botschaft. Mit atemlosen Tracks wie »Hausmania« legen die Drei ein Tempo vor, dem wir nur hoffnungslos hechelnd folgen können. Und die große Stunde von Kamilla Waal Larsen schlägt, als sie ans Mikro tritt und mit dem eingängigen »Headphones« ein wunderbar grenzwerthysterisches und fast schon kaugummipoppiges Sahnestückchen vorlegt. Sauropoden sind übrigens die Dinos mit den kleinsten Köpfen und den mächtigsten Körpern. Großartig! Und die wollen wir gerne ebenfalls bald in deutschen Sälen sehen!

Das nächste große Ding aus Dänemark könnten die Nachwuchskräfte Communions werden, die beim diesjährigen Eurosonic sehr gehypt werden. Nase an Nase steht man im proppenvollen Rocktempel Vera und wundert sich zunächst darüber, wie blutjung diese blassen, dünnen Youngsters aus der dänischen Hauptstadt aussehen. Aber an Coolness können es die »dänischen Oasis« durchaus mit den großen Vorbildern aufnehmen und die schicken Posen haben sie auch bestens drauf. Aber einen Rest Schüchternheit haben sie sich bewahrt, und das ist gut so. Die Band um die Brüder Martin und Mads Rehof sind erfreulicherweise keine abgeklärten Lärmer, sondern superlebendige Jungmänner, die ein sehr feines Händchen für straßenköterige Harmonien haben. Postpunk kann ganz schön überschwänglich klingen und die leicht dekadenten Vocals von Martin Rehof sind die blutrote Kirsche auf dem Vanilleeis! Live sind diese Jungs sehr gut, und das wird auch den zahlreichen Festivalbookern aufgefallen sein, die Anfang des Jahres in Groningen auf der Suche nach aufregenden Newcomern sind. Der Song »Come On, I’m Waiting« jedenfalls ist sehr eingängig und macht supergute Laune!

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2 Kommentare

1. SomeVapourTrails schrieb am 31. Januar 2017 um 20:10

Sanft ekstatisch barfuß tanzend, genau danach klingen IRAH auch. Für mich eine Lieblingsplatte des letzten Jahres!

In die straßenköterige Harmonien muss ich genauer reinhören, das scheint sehr nach meinem Geschmack.

2. Eva-Maria Vochazer schrieb am 01. Februar 2017 um 14:39

Falls es Irah irgendwann einmal in die Hauptstadt verschlagen sollte, kann ich Dir den Konzertbesuch nur dringend ans Herz legen! :)

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