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Foto nordische Landschaft

03. Juli 2017

Tuska 2017, Samstag: Ausverkauft – HIM sei Dank

Da ich sowohl Impaled Nazarene (FIN) als auch Mokoma (FIN) mehrfach live gesehen habe, beginnt der zweite Tuska-Tag für mich mit den wieder vereinigten Timo Rautiainen & Trio Niskalaukaus: Eine Band, die bereits auf dem allerersten Tuska anno 1998 (damals noch im Tavastia/Semifinal) spielte und deren Alben ich fast so lange höre.

Vor der RadioRock-Bühne ist es bereits unglaublich voll, kein Vergleich zum gestrigen Tag um diese Zeit. Ob das an Timo und Co liegt, oder an den heutigen Headlinern? Egal, soll es im Publikum von HIM-Devotionalien wimmeln, Rautiainen und seine Mannen rocken, als seien sie keinen Tag getrennt gewesen. Sie feiern mit ihren Fans alte Gassenhauer wie »Rajaton Rakkaus«, »Rajatila« und natürlich »Nyt on mies!«.

Vom düsten Rock/Metal geht’s weiter ins Zelt zu den jungen Thrashern Lost Society aus Jyväskylä. Diese Hochgeschwindigkeits- Jungspunde in nahezu pefekter 1980er-Optik machen mächtig Spaß – und mächtig Druck. Leider nur 45 Minuten lang, die mit Krachern von »Braindead« über »Kill (Those Who Oppose Me)« und »Rage Me Up« bis zu »Riot« wie im Flug vergehen. Wer Lost Society noch nie live gesehen hat, sollte das schleunigst ändern und zur Band um Front-Rampensau Samy Elbanna gnadenlos mitmoshen!

Von der Spielfreude Lost Societys könnte sich manch alteingesessene Kapelle eine Scheibe abschneiden – was nicht für die nächste auf der Hauptbühne gilt: Soilwork legen einen professionellen, beinahe routinierten Auftritt hin, wie etwa auf dem Summer Breeze 2013. Solider Schweden-Death tadellos intoniert von Fronter Björn »Speed« Strid, der gekonnt zwischen bellenden Vocals und hohem Klargesang wechselt.

Bisher noch nichts gehört habe ich von Fear of Domination, die anschließend auf der Inferno-Bühne stehen. Nach der Hälfte des Sets der finnischen Industrial Metaller ist mir immer noch nicht klar, wo sie hin wollen; stellenweise klingen sie wie eine Industrial-Version einer Folk-Metal-Band. Interessant, weil eher genre-untypisch sind die teils geschrienen Dialoge des  Frontduos, bei dem Männlein und Weiblein fast nicht zu unterscheiden sind, typischer (und langweiliger) die weiblichen »aaaah«-Einlagen.

Ich wechsle ins Zelt zum zweiten Teil des Sets von Electric Wizard, wo die Briten Doom/Stoner Metal (meist) ohne Gesang spielen. Dazu wabern über die Monitore links und rechts der Bühne schreiend bunte, psychedelische Muster, hinter denen ab und an eine nackte Blondine auftaucht. Mich beschleicht der Verdacht, dass der Großteil der (männlichen) Zuschauer nur der immer wieder auftauchenden Nackten wegen im Zelt bleibt – und ein anderer Teil wegen des eben einsetzenden Nieselregens.

Mit Amorphis steht dann schon die vorletzte Hauptbühnen-Band auf den Brettern, Dauergast beim Tuska-Festival und seit 1990 im Geschäft. Fronter Tomi Joutsen ist zwar »erst« seit 2004 dabei, hat aber bereits sieben Alben eingesungen wie das aktuelle »UNDER THE RED CLOUD«, mit dessen Titelstück die Metaller einsteigen. Konzentrieren sich die Helsinkier in der ersten Hälfte noch auf die neue Scheibe, würdigen sie im der zweiten ihre großen Hits, als da wären natürlich »Into Hiding«, aber auch »Against Widows«, »My Kantele« oder »House of Sleep«.

Triptykon haben einen Vorteil: Sie headlinen im regensicheren Zelt. Der Nachteil: ein Großteil der Tuskagänger ist schon jetzt damit beschäftigt, sich vor der Hauptbühne einen Platz zu sichern. Die Schweizer Gothic/Doom Metaller stört das nicht, sie haben Spaß auf der Bühne und die Meute davor auch. Ich werde mit Triptykon nicht richtig warm, zum einen fehlen mir die Unterschiede zwischen den Liedern, zum anderen Melodien.

Doch jetzt, endlich, der Headliner auf den sie alle gewartet haben, all die, die ihre verwaschenen HIM-Pullis/Shirts hervorgekramt haben oder aus gefangenen Plektren Ohrringe gebastelt haben. Und nicht zuletzt die, die in wetteruntauglicher Kleidung frieren, um ihre Heartagram-Tattoos zu präsentieren – grotesk verzerrt ob der über die Jahre veränderten Körpermasse. Ganz tief gekramt haben aber auch die Mannen um Ville Valo für die Setlist ihrer (angeblichen) Abschiedsshow – glücklicherweise. Die ersten Alben sind einfach die besseren … mit Ausnahme eines Liedes.

Nach einem schlichten »Hyvää Ilta« Ville Valos beginnen die »Love Metaller« mit dem Opener eben dieses Albums (»Buried Alive by Love«), gehen mit »Heartache Every Moment« weiter zurück bis »DEEP SHADOWS AND BRILLANT HIGHLIGHTS« und landen dann beim Debüt »GREATEST LOVESONGS« mit »Your Sweet Six Six Six«.

Im weiteren Verlauf streift das Quintett durch sämtliche Kapitel der Bandgeschichte, mit Schwerpunkten auf dem Debüt sowie auf »RAZORBLADE ROMANCE«: »Resurrection«, »Gone With the Sin«, »Poison Girl« – und bevor das unsägliche »Join Me in Death« erklingt, verlasse ich ganz unspektakulär das Gelände. Deutlich spektakulärer der Abgang von HIM: Tuska verabschiedet die Finnen mit einem mächtigen Feuerwerk.

PS. Der Samstag ist HIM sei Dank ausverkauft. 14.500 Tuskagänger sind da – aber es gibt immer noch Karten für Sonntag.

Text: natte Fotos: ©Tuska – Jesse Kämäräinen, Denis Goria

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