Home
Foto nordische Landschaft

26. Februar 2018

Gar nicht klassisch: Killer Kid Mozart

Wenn ich im Moment eine Serie bingewatche, dann ist es die temporeiche und kluge US-Komödie Mozart In The Jungle um einen genial-durchgeknallten Dirigenten, sein neurotisches und widerspenstiges Orchester und die Untiefen der Ney Yorker Klassikszene. Gael Garcia Bernal und Malcolm McLaren sind eine wahre Freude, und dass der gute alte Mozart immer wieder auftaucht und dem eitlen Dirigenten den Kopf zurechtzurücken, ist ein Zusatz-Goodie. Und ich schwöre: Danach kriegt man solche Lust, den lieben langen Tag Sibelius zu hören, dass man die alten Klassik-CDs gar nicht schnell genug hinten aus dem Plattenschrank kramen kann. Und ist man einmal im Mozart-Fieber, dann wird man hellhörig, sobald der Name irgendwo fällt: Zum Beispiel bei Killer Kid Mozart. Genialer Name irgendwie!

Killer Kid Mozart sind drei Rotzlöffel aus dem norwegischen Provinznest Elverum, die den guten alten, schlunzigen Collegerock hochleben lassen: Mit überzeugender dicker Lippe, unwiderstehlichen Powerpop-Vibes, viel anarchischer Energie und einem echten Händchen für mitreißende Melodien. Wer zu diesen euphorisierenden Straßenköter-Sounds nicht tanzt, hat im Leben irgendetwas falsch gemacht! Hallvard Bonden heißt die gerade mal 19jährige Nachwuchskraft, der drei Freunde um sich geschart hat, um alles niederzuwalzen, was sich ihnen in den Weg stellt. Die spätpubertäre Welt junger Männer aus der Kleinstadt in drei Minuten erklären und dabei auch noch eine schmuddelige Euphorie verbreiten: Das kriegen Killer Kid Mozart mit links hin! Die Gitarren stechen wie die Wespen, die lächelnde Schnoddrigkeit wird bald die Weltherrschaft ergreifen und das Leben ist manchmal so wundervoll intensiv, dass es wehtut! Infos zur Band sind rar, via Soundcloud kann man aber ausführlich in das noch schmale Schaffen der Band hereinhören und hoffen, dass die Jungspunde auch mal ein Album herausbringen. Oder ein deutsches Sommerfestival aufmischen und alle drögen Singer-Songwriter-Klampfer vom Hof jagen!

03. Februar 2018

The Winter Of My Discontent: Eurosonic 2018

Jetzt sind schon fast zwei Wochen ins Land gegangen, und ich habe immer noch kaum etwas über dass Eurosonic Festival in Groningen geschrieben, mit dem das Konzertjahr traditionell eingeläutet wird. In der nordniederländischen Stadt ist es Mitte Januar allein aus jahreszeitlichen Gründen recht ungemütlich, aber Gräue, Glätte, Kälte, Schneetreiben und schiefergraue Himmel gehören zum Eurosonic quasi dazu. Wie jedes Jahr präsentierten sich hier Anfang des Jahres die viel versprechendsten europäischen Newcomermusiker und hoffen darauf, bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Was schwierig ist angesichts der Fülle der auftretenden Bands, von denen man selbst bei bestem Willen nur einen Bruchteil live sehen kann. Denn die Venues liegen zum Teil weit auseinander und bei ekligen Graupelschauern überlegt man es sich drei Mal, bevor man einen gemütlichen Club verlässt und eine Viertelstunde ans andere Ende der Innenstadt radelt. Realistisch gesehen wird nur ein sehr, sehr geringer Teil der hier auftretenden Bands den Durchbruch schaffen. Einige wenige werden gehypt. Der Rest verschwindet wieder in der Versenkung und begnügt sich mit kleinen Erfolgen auf den heimischen Musikmärkten. Der Grund, warum ich bislang nichts schrieb, hat nichts mit diesen Überlegungen zu tun. Sondern mit der Tatsache, dass nur sehr, sehr wenige der Bands, die ich auf dem Eurosonic hörte, Eindruck hinterlassen haben. Zu viel Durchschnittskost dabei. Und manche Band, die ich im Polarblog in der Vergangenheit lobend erwähnte, erwies sich live als unglaublich fade und beim Beherrschen der Instrumente auf Schülerkapellen-Niveau.

Kompletten Beitrag lesen …