Home
Foto nordische Landschaft

28. August 2018

Das Mädchen mit der Sommerdepression: Girl In Red

»Ich bin 19 Jahre alt. Ich sitze in meinem Zimmer und schreibe Songs«. So lakonisch und gleichzeitig poetisch kann man das eigene künstlerische Schaffen auch beschreiben! Wer auch mitten im August in den eigenen vier Wänden sitzt, der darf auch eine kleine Sommerdepression pflegen und das eigene Leben in Frage stellen. Was man mit 19 mitunter tut. Bei der Stubenhockerin handelt es sich um die junge norwegische Singer-Songwriterin Marie Ulven, die sich als Musikerin Girl In Red nennt. Klingt jedenfalls lebensfroher als Girl In Grey!

Die Nachwuchskraft überzeugt mit einem selbstbewussten Lo-fi-Ansatz und zelebriert eine eigenwillige Form der Mädchenmusik. Nichts da rosa, eher angedüstert, aber nicht zu sehr. Von den norwegischen Sommerfestivals wird glaubhaft berichtet, dass das U-18 Publikum die Lyrics zu ihrem Song »Summer Depression« textsicher mitsingt. Das Thema Teenage Angst wird hier jedenfalls ironisch behandelt. Mit einem kleinen Augenzwinkern. »Summer depression comes every year. I just want to disappear«. Sehr schön gereimt! Dass Miss Ulven ein großer Smiths-Fan ist, darf nicht wirklich verwundern. »I love happy melodies and miserable lyrics«: Wenn das die Dinge nicht auf den Punkt bringt! Das Mädchen in Rot kann aber auch anders: Gehörig Fahrt aufnehmen, wie im schlunzigen »I Wanna Be Your Girlfriend«, wo sie die Angebete eher beleidigt denn anschwärmt. I wanna be your bitch, sonst nichts! Aber da die Sonne noch warm scheint, widmen wir uns doch lieber der Sommerdepression und zeigen dem August den Stinkefinger!

21. August 2018

Ach, es gibt finnische Elfen: Karina

Gibt es den Sommerschlaf? Offenkundig! Denn das Polarblog hat nach langen, emsigen Jahren mal eine mittelkleine Pause eingelegt. Zudem werkeln wir im Hintergrund eifrig an dem lange überfälligen Relaunch unserer Haupt-Site Nordische Musik, was sich als ziemlich aufwändig erweist. Kein Stein bleibt auf dem anderen. Aber wenn´s dann mal fertig ist, wird es sehr schick aussehen. Versprochen! Der Sommerschlaf war aber auch ein kleiner, stiller Protest gegen die allgegenwärtige Info-Überflutung. Ich bin inzwischen fast mehr mit dem Löschen überflüssiger Promo-Mails beschäftigt als mit Musikhören. Ich übertreibe zugegebenermaßen etwas. Aber der Promo-Mail-Terror hat letztendlich eine gewisse Unlust erzeugt. Ich ertappe mich mittlerweile dabei, dass ich abends am liebsten Klassik höre. Eine Phase? Vielleicht.

Aber die Neugier auf neue Musik ist immer noch da! Dieses Jahr habe ich es zwar wieder nicht aufs wunderbare Flow-Festival in Helsinki geschafft, aber das Stöbern im Programm hat bislang immer unbekannte Schätze zu Tage befördert. Dieses Mal das Trio Karina , deren sanfter, verträumter Folkpop den perfekten Soundtrack für spätsommerliche Abende bietet. Wenn die Hitze nachlässt und die Gedanken ungestört spazieren gehen können.

Karina sind ein Folkpop-Trio aus Helsinki, das im März sein Debütalbum herausgebracht hat. Das Besondere an den Dreien: Sie singen auf Finnisch! Und das hört sich erstaunlich stimmig, poetisch und überaus anmutig an. Denn anders als manche braven Klampfen-Heinze und Klampfen-Heinzinnen schwingen bei Karina ein gewisser koboldhafter Übermut und eine naive Verspieltheit mit. Sollte es tatsächlich finnische Elfen geben? Durchaus möglich! Besonders fein ausgefallen ist der Track »Bambi«, der mit kitschigen Rehlein so gar nichts zu tun hat.

Foto: Reetta Sarikoski