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Foto nordische Landschaft

06. Oktober 2018

Der Soundtrack fürs gehobene Nachdenken: Henrik Lindstrand auf dem Reeperbahn Festival 2018

Zart dahingetupfte Pianoklänge. Sanfte elektronische Klangspielereien. Und daraus entwickeln sich ganz eigene Geschichten! Henrik Lindstrand, seit 1997 Mitglied der dänischen Indierocker Kashmir, ist seit dem vergangenen Jahr auch als Solokünstler unterwegs. Denn Kashmir pausieren derzeit auf unbestimmte Zeit. Der Pianist, der auch Gitarre und Mellotron spielt, zeigt auf dem Reeperbahn Festival 2018, dass er neben dem gehobenen Indierock noch eine zweite Leidenschaft hat: Die Filmmusik. In der Vergangenheit hat Lindstrand bereits an verschiedenen Soundtracks mitgewirkt, zuletzt beim Thriller »GREYZONE« mit der dänischen Borgen-Schauspielerin Birgitte Hjort Sørensen. Wer neugierig geworden ist: Die Serie ist aktuell in der ZDF-Mediathek abrufbar.

Im vergangenen Jahr hat der bescheiden auftretende Schwede mit Wohnsitz in Kopenhagen sein Solo-Debütalbum »LEKEN« herausgebracht: Ein feinfühliger, unsentimentaler Rückblick auf seine Kindheit und seine ersten Erfahrungen am Piano. Leken ist der Name des kleinen Waldsees, wo Lindstrand als Kind mit Vorliebe spielte. An diesem Abend im angenehm un-hippen Resonanzraum im Hochbunker an der Feldstraße schafft es der Musiker, dass ihm das Publikum konzentriert zuhört. Lindström, ein Bär von einem Mann, ist unbedingt ein Mensch der leisen Töne, dessen Soundtracks an Martin Kohlstedt und Ólafur Arnalds erinnern. Aber hier kommt noch ein kleiner Schuss Kammerjazz dazu! Und eine Prise romantischer Empfindsamkeit. Kann schon sein, dass an diesem lauten Hamburger Abend Ernsthaftigkeit und Kontemplation das neue Cool sind. Man hätte dem angenehm sympathisch wirkenden Musiker noch lange lauschen mögen. Wer an grauen und verregneten Novembertagen einen Soundtrack fürs gehobene Nachdenken sucht: In »LEKEN« kann man via Soundcloud ausführlich hineinhören. Und Anfang Januar 2019 soll bereits das zweite Album erscheinen. Bitte bald wiederkommen, Herr Lindstrand!

(Foto: Robin Skjoldborg)