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Foto nordische Landschaft

25. November 2015

Fufanu oder das Papakind: Iceland Airwaves 2015

Vor kurzem hat Björk ihren 50. Geburtstag gefeiert. Und da Islands bekannteste Künstlerin der Musik von der Atlantikinsel als Mitglied der Sugarcubes entscheidend zum Durchbruch verholfen hat, kann man nach 30 Jahren von einer gewissen Traditionsbildung sprechen. Denn die Sprösslinge der Rebellen von einst drängen nun in der zweiten Generation ins Rampenlicht. Düster, mitunter mitleidlos und sehr intensiv klingen Fufanu bei ihren Off-Venue-Gig im rappelvollen KEX-Hostel. Der Sänger vibriert vor nervöser Spannung. Brennt auf beunruhigende Weise. Diesem spindeldürren jungen Mann mit den stechenden, hellwachen Augen möchte man sich nicht in den Weg stellen, wenn er manisch gestikulierend auf Boxen steigt und sich an kippeligen Kanten festhält. Dieser junge Mensch verausgabt sich ohne Rücksicht auf Verluste. Die irrlichternde Unbedingtheit kommt uns doch irgendwo bekannt vor, und das nicht zu Unrecht! Denn dieser Kaktus Einarsson ist der Sohn von Sugarcubes-Derwisch Einar Örn. Wer jemals eines der experimentellen und unberechenbaren Konzerte des Einar-Örn-Projekts Ghostigital gesehen hat, der weiß, wovon ich rede! Dass das Fufanu-Debütalbum »FEW MORE DAYS TO GO« nun bei Björks Stammlabel One Little Indian erscheint, ist irgendwie nur folgerichtig! Und dass es sich bei Örn-Juniors partner in crime bei Fufanu um keinen anderen als Frosti handelt, einen der Söhne des ehemaligen Reykjavíker Bürgermeisters Jón Gnarr, mag hier nur noch als Fußnote erscheinen. Ganz klar: Die zweite Generation drängt mit Macht nach vorne!

Fufanu, einst als Techno-Projekt gestartet, strebt mit mitleidlosen Gitarren und ausufernden Songstrukturen in Richtung Postrock, Postkraut, Postpunk und Post-Joy-Division, um hier hier mal ansatzweise aufzuzeigen, wohin die Reise geht. Wer die alten Bauhaus-Alben wertschätzt, dürfte bei Fufanu wesensverwandte Geister finden. Klar, dass diese auf fünf Live-Mitglieder angewachsene Truppe ganz in schwarz gekleidet daherkommt. Kaktus Einarsson bewegt sich mitunter noch ungelenk und findet seine Posen erst noch. Aber diese dreiviertelerwachsene Jungspund strahlt eine unwiderstehliche Energie aus, wenn er in seine dunkelgrauen Gefühlszustände abtaucht. Songs wie das mitleidlos treibende »Now« entwickeln eine düstere Sogwirkung, der man sich kaum entziehen kann. Kaktus könnte der neue stylishe, empfindsame Schmerzensmann werden. Eine existentielle Angst: Örn Junior scheint schon in jungen Jahren zu ahnen, wie sich das anfühlt.

25. Oktober 2015

Hohe Erwartungen mit Vára

In anderthalb Wochen beginnt mein musikalischer Höhepunkt des Jahres: Das Iceland Airwaves Festival 2015 in Reykjavík. Es ist eine sehr gute Idee, trotz aller Novemberstürme nach Island zu fliegen! Das offizielle Programm wartet mit anspruchsvollen Tönen aus aller Welt auf. Aber das allerbeste ist: Von drei Viertel der auftretenden Musiker hat man höchstens ansatzweise gehört. Wenn überhaupt! Und wie jedes Jahr staunt man wieder darüber, dass mehr als die Hälfte der Bands aus Island kommt. Im ganzen Land leben weniger Einwohner als in Wuppertal. Wahrscheinlich wetteifern hier ganze Reykjavíker Schulklassen miteinander, wer in der cooleren Band spielt. Vorfreude lässt sich nicht besser zelebrieren als beim Stöbern im Off-Venue-Programm des Festivals: Das sind die improvisierten Konzerte, die in Kneipen, Jugendherbergen, Buchläden oder Boutiquen stattfinden. Und so stolpere ich über die hoffnungsvollen Newcomer Vára, die trotz (oder wegen?) ihrer offenkundig sehr jungen Jahre einen sehr euphorische Variante des Postrock spielen. Auf den wenigen Fotos sehen die Fünf so aus, als ob sie höchstens 15 wären. Aber hochfliegende Erwartungen haben die Jungspunde heute schon, und aus gutem Grunde. Sie ziehen mit einem verstimmten Klavier, elektrischen Gitarren, einem alten Drumset und den himmlischen Falsett-Vocals des Sängers auf Abenteuerfahrt. Dass die Youngsters den Übervätern von Sigur Rós fein gelauscht haben, das ist nicht von der Hand zu weisen. Sei´s drum, große Vorbilder braucht jeder! Wer sich angesichts der frühen Dunkelheit eine gute halbe Stunde mit hymnischem, häufig instrumentalem Postrock trösten will, ist bei den »SKURÍNN«-Demos von Vára gut aufgehoben. Besonders der Track »11E« gefällt ausgesprochen gut. Diese fünf Nachwuchskräfte habe ich mir auf meinem Festivalkalender bereits fest vorgemerkt!

22. August 2015

Donnerstag: Summer Heat statt Summer Breeze – Freitag: Gewitter vs. Summer Breeze 1:0

Es blitzt und donnert,
die Welt geht unter,
doch das Bier bleibt warm,
der Metaller munter.

Donnerstagmorgen holen uns unsere Freunde ab. Schon jetzt hat es 30°C. Zumindest dauert die Fahrt zum Summer Breeze in Dinkelsbühl nicht lange. Nur knapp zwei Stunden später suchen wir uns auf dem V.I.P.-Camping einen Zeltplatz. Schließlich stehen die Zelte, das Auto scheint sicher geparkt zu sein – und das erste Bier ist zum Glück noch kalt. (AdR: Das zweite, dritte, … übrigens auch)

Aus der Ferne lauschen wir Corvus Corax und Tankard. Wir begeben uns auf den Weg zu den Bühnen als Die Apokalyptischen Reiter gerade beginnen. Freunde, die schon Mittwoch anreisten, warten bereits auf uns. Doch zunächst finden wir sie in der Menge nicht, schon jetzt ist wahnsinnig viel los. Auch am Bierstand kein Glück: langsamer und unproduktiver als diese Typen arbeiten nur Beamte. Nach 15 oder 20 Minuten gebe ich genervt auf. Also kein Bier – fürs Erste. Unsere Freunde finden uns im Getümmel. Herzliche Begrüßung, da wir manch einen schon Ewigkeiten nicht mehr gesehen haben. Destruction legen los, aber wirklich interessant sind sie für uns nicht. Auf dem Weg zum Pavillon unserer Freunde hören wir auf der Camel Stage noch bei Nachtgeschrei rein.

Nach einigen Bieren auf dem Campinggelände gehe ich mit meinem Bruder zu Dornenreich vor die T-Stage. Mir gefallen die Österreicher, auch das Zelt ist gut besucht, während sich der Rest Sodom anschaut. Beim Versuch zwei Biere zu kaufen, ertappe ich mich dabei nicht mehr rechnen zu können: Ich will neun Euro bezahlen, aber der Verkäufer beharrt darauf elf Euro zu bekommen. Leider hat er Recht und nicht ich.

Destruction (D)

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09. Juli 2015

Hel(l) aktuell XX: Tuska 2015, Sonntag: Bombastisches Finale


Nach Freitag und Samstag habe ich zum ersten Mal keine Todesängste auf der Busfahrt ausgestanden; ein Wunder, sonst rasen hier alle Busfahrer wie verrückt. Zwei Wegbiere müssen heute reichen, um uns auf das Tuska einzustimmen. Von Warmen sehen und hören wir nur noch die letzten beiden Songs. Zum finalen Stück gibt der COB-Sänger Alexi Laiho seine Stimme zum Schlechtesten. So schlecht haben wir ihn noch nie singen hören … aber gut, der Menge vor der Inferno Stage gefällt das Schauspiel.

Anschließend trumpfen Mokoma auf der Radio Rock Stage auf. Mächtig Druck vom Schlagzeug und kreischende Gitarren, die alten Thrasher geben alles. Eine riesige Meute findet sich vor der Bühne ein, in ihrer Mitte der Circle-Pit. Leider ist ihr Auftritt viel zu schnell vorbei.

Mokoma (FIN)


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27. Juni 2015

Hel(l) aktuell XVII: Tuska 2015, Freitag: Mein erstes Mal


Endlich angekommen hier in Norden Europas. Heute beginnt das Tuska Festival in Helsinki. Vom 26. bis zum 28. Juni 2015 wird es laut um das alte Gasometer in Suvilahti. Einen der Opener in den Clubs am Donnerstagabend, Turmion Kätilöt im Tavastia, verpassen wir, da zu wir zu geschlaucht von der langen Anreise sind.

In Helsinki selbst sehen wir nur unwesentlich mehr schwarzgekleidete, böse dreinschauende Menschen als an den Tagen ohne Festival. Nach gemütlichem Schlendern durch die Stadt und einem Besuch im Hellsinki Rock Shop (unbedingt mal reinschauen, auch online) beginnt der Festival-Freitag für uns mit Ghost Brigade, die wir uns auf der Inferno Stage anschauen.

Ghost Brigade (FIN)



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