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Foto nordische Landschaft

09. April 2014

Blick zurück ins klassische Hollywood mit Mari Persen

Das 70er- und 80er-Revival ist in der Popmusik immer noch in vollem Gange. Waren musikalisch nicht die schlechtesten Jahre! Dass es sich aber durchaus lohnen kann, noch weiter zurückzublicken, zeigt die junge Norwegerin Mari Persen: Sie ist eine Aficoanada der klassischen Hollywood-Ära. Mit üppigen Streicher-Arrangements. Selbstbewusster Film-Noir-Attitüde. Jazzigen Anklängen. Melodramatischen Ausbrüchen. Durchaus kitschigen Überwältigungstendenzen. Und bringt alle Elemente mit leichter Hand in die Jetztzeit, ohne zu sklavisch-nostalgisch zu klingen. Setzt auf Beats und Drummachines, die sie geschickt mit den ach-so-altmodischen Sounds kontrastiert. Und das klingt so erstaunlich frisch, dass man sich die Ohren reibt und denkt: Och, mal ganz was anderes! Wie schön diese Dame aus Bergen schwelgen kann, in quietschbunten Tracks wie »Sweetheart«, durch die trotzdem eine leise Selbstironie schwingt. Dass himmlische Chöre in der Tradition großer Lubitsch-Filme dazu jubeln, ist nur folgerichtig.

Orchestralen Pop nennt man das wohl, was Mari Persen hier zelebriert. Und sich dabei nicht nur auf die goldene Zeit der Hollywood-Musicals bezieht, sondern sich in der leichtfüßigen Ballade »Criminal« sogar auf Abwege in Richtung Disco und Swing begibt und dabei die Hammond-Orgel jammern und die Streicher seufzen lässt. Oder in »Melody« einen Ausflug gen Montmarte und naivem kleinen Chanson unternimmt, Akkordeonbegleitung inklusive, wie sich das gehört. Und natürlich schwingt hier eine kleine Prise Traurigkeit mit.

Wenn es darum geht, Informationen über Mari Persen herauszufinden, wird die Sache allerdings verschwonmener. Ein Album hat sie bislang herausgebracht, im vergangenen Jahr, dem man über ihre Bandcamp-Seite lauschen kann. Acht kleine Perlen, die alle auf unterschiedliche Weise funkeln. Mit einem satten, üppigen Klang, klugen Arrangements und im Mittelpunkt eine wandlungsfähige Stimme, die so gar nicht danach strebt, irgendwann einmal mit Max Raabe und dem Palastorchester aufzutreten. Persen singt hier nicht nur, sondern spielt auch Piano und Violine. Aber eins ist klar: Herzen brechen kann die Dame allemal: Mit dem schön melancholischen Outro-Song »Oh My Soul« etwa, bei dem man angesichts all dieser Bittersüße fast schon versucht ist, das Taschentuch hervorzukramen.

24. März 2014

Ein Nachtschattengewächs: Promise And The Monster

Promise And The Monster ist ein nachtaktives Wesen. Mit einer Faszination für leicht Morbides, mitunter Naives, bewusst Zurückgenommenes. Hinter dem fast einschüchternden Namen verbirgt sich die Schwedin Billie Lindahl, die bereits seit Mitte der 2000er Jahre musikalisch aktiv ist und immer wieder lange Schaffenspausen einlegt. Zwei Alben hat die scheue Schwedin bislang vorgelegt, das letzte mit dem Titel »RED TIDE« stammt aus dem Jahr 2011. Frau Lindahl bewegt sich leisen Schrittes zwischen den Genres Folk und Gothic. Pflegt aber auch experimentelle, schräge Untertöne. Und zählt zu ihren bislang besten Konzerterlebnissen, dass sie in einem Schloss in Transsilvanien auftreten durfte. Mitunter kommt sie klampfig daher, tummelt sich aber auch gerne im Feld von Weird Electronica. Schlafwandeln könnte man zu diesen Songs, die immer zwei Zentimeter über dem Boden zu schweben scheinen. Als Kusinen im Geiste mag man Joanna Newsom oder Stina Nordenstam ausmachen. Die schwer zu greifende Musikerin will nur leise beunruhigen, aber das tut sie nachdrücklich. In ihrem Universum ist die Dunkelheit niemals wirklich schwarz, sondern voller Zwischentöne der Farbe Dunkelgrau. Im stimmigen Video zu »Night Out« wirft Promise And The Monster einen neugierigen und einfühlsamen Blick darauf, was die Tiere so nächtens so treiben, wenn es nass ist. Das ist unerwartet aufregend. Mit klug arrangierten Streichern übrigens, die dem Ideal der schwarzen Romantik hörbar nacheifern.

Wer die Sängerin bei einem ihrer raren Live-Auftritte außerhalb Schwedens (und Transsilvaniens!) erleben will, kann sich am 11. April ins niederländische Tilburg zum Roadburner-Festival aufmachen. Dass Promise And The Monster uch das Genre der Ballade beherrscht (ohne schwarze Augenringe!), zeigt sie im traditionell folkigen, mitunter fast schon feierlichen Track »Sheets«, den sie mit klarer Stimme intoniert. Davon kann man sich sanft gen ruhigen Schlaf geleiten lassen, so wie die Polarbloggerin jetzt, die morgen früh aufstehen muss. Draußen rauscht der Regen. Wie schön.

18. Februar 2014

Initiative gegen Lizenzgebühren für Embedded Content

Die österreichische AKM und ihr deutsches Pendant GEMA wünschen sich eine Vergütung für urheberrechtlich geschützte Inhalte, die auf Webseiten eingebettet werden. Dies haben sie im Zuge von Konsultation zum EU-Urheberrecht geäußert. Sollten AKM und GEMA mit dieser Forderung auf offene Ohren stoßen, dieser Wunsch von der EU-Kommission im Rahmen der Modernisierung und Harmonisierung des europäischen Urheberrechts berücksichtigt werden, hätte das gravierende Auswirkungen. Für jeden auf Musikblogs oder Musikmagazinen eingebetteten YouTube-Clip oder SoundCloud-Stream würden Lizenzgebühren anfallen. Da die Mehrheit der Blogs und kleinen Magazine keine kommerziellen Interessen verfolgt, etwaige Werbeeinnahmen oft nur zum Bestreiten von Server-Kosten verwendet, würden Lizenzgebühren das Bloggen zu einer kostspieligen Angelegenheit machen.

Die Konsequenzen wären auch für den normalen Internet-NutzerInnen spürbar. Für viele BloggerInnen wäre diese Angelegenheit der finale Paukenschlag, der ihnen ihr Hobby endgültig vergällt. Bis auf Online-Angebote finanzkräftiger Verlage und Medienhäuser könnte sich wohl kaum jemand Lizenzgebühren leisten. Die Anzahl der Informationsquellen für Musik wäre wieder auf Internet-Vorzeit zusammengestaucht. Denn natürlich würden BloggerInnen hoffnungslos ins Hintertreffen geraten, wenn ihnen die Möglichkeit des Einbindens von Clips und Streams genommen würde. Sie wären in der Steinzeit des Internets angekommen, während den wenigen großen Magazine alle Optionen des digitalen Zeitalter zur Verfügung stünden. Denn es wäre für BloggerInnen schlichtweg nicht praktikabel, in jedem Einzelfall zu recherchieren, ob MusikerInnen in ihrer Eigenschaft als KomponistInnen oder TexterInnen etwa von der GEMA vertreten werden. Jeder vermeintlich verwendbare Clip könnte zu einer Abmahnung führen, selbst wenn ein GEMA-Mitglied wie Lieschen Müller auch nur eine einzige Textzeile dazubeigetragen hat.

Eine somit abhandengekommene Vielfalt hätte aber auch Konsequenzen für MusikerInnen. Wo bislang vom einarmigen, guatemaltekischen Countertenor bis hin zur kasachischen Backpfeifen-Punkband jede Spielart von Musik ihre Würdigung fand, täten sich unbekanntere Acts und kleinere Label mit der Wahrnehmung deutlich schwerer. All die Veröffentlichungen würden in ihrer Fülle nicht länger abgebildet werden.

Aus all den angeführten Gründen wären Lizenzgebühren für eingebettete Inhalte letztlich ein Pyrrhussieg für GEMA und AKM. Als BloggerInnen, denen Musik am Herzen liegt, sprechen wir uns daher gegen den Vorstoß der Musikverwertungsgesellschaften aus. Wir ersuchen MusikerInnen, die VertreterInnen von Plattenfirmen und Promotionfirmen um Unterstützung. Das kann man beispielsweise dadurch tun, indem man diese Petition auf Change.org unterschreibt. Wir würden uns darüber hinaus freuen, wenn unser Anliegen weiterverbreitet wird. Es geht uns wohlgemerkt nicht um die Abschaffung von GEMA und AKM. Lizenzgebühren für Embedded Content sind jedoch eine Schnapsidee, die wir entschieden zurückweisen!

Dieser Aufruf wurde von den geschätzten Berliner Bloggerkollegen von Lie In The Sound verfasst und ist unbedingt unterstützenswert!

10. Januar 2014

Rückblick 2013: »Deep shadows and brilliant highlights«


Meine persönlichen Tiefpunkte »Deep Shadows« und die Höhepunkte: »Brilliant Highlights« im Jahre 2013:

ALBEN

Höhepunkte:
siehe meine Charts 2013

Tiefpunkte:
Witchgrave – »WITCHGRAVE«
Screamer
– »PHOENIX«
NiteRain – »CROSSFIRE«
One Inch Giant – »THE GREAT WHITE BEYOND«
Aratic – »TO THE EARLY GRAVE«
Skirmish – »JET BLACK DAYS«
Amorphis – »CIRCLE«
Battle Beast – »BATTLE BEAST«

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22. Oktober 2013

Dinge, die wir gestern sagten: Easy October

Ach, der Oktober ist doch immer der Monat der lauen Wehmut. Der Monat des allmählichen Abschiednehmens vom wochentäglichen Nachhausekommen bei Tageslicht. Des Nachdenkens darüber, dass schon wieder ein Jahr fast vorbei ist. Und des bangen Nachfragens, ob man nicht viel zu jung ist, um älter zu werden. Den perfekten Soundtrack für den zehnten Monat des Jahres liefern die Schweden von Easy October, die uns mit countryesker Melancholie das Herz wärmen. Meist angenehm verlangsamt daherkommen und sich irgendwo zwischen bluegrassiger Solitude, poppigen Ausbrüchen und Singer-Songwriter-Innerlichkeit ansiedeln. Was nicht heißt, dass hier für sanftes Pathos kein Platz wäre! Das wäre alles zwar schön und Seele streichelnd, doch die Namen hinter dem Projekt lassen aufhorchen: Es sind allesamt Veteranen der schwedischen Alternative-Rock und Americana-Szene: Johan Håkansson von The Soundtrack Of Our Lives und der immer über den Tellerrrand schauenden Kristoffer Åström etwa. Wer von den Herren den schönsten Vollbartwuchs hat, wollen wir dem Geschmack des Einzelnen überlassen. Das Debütalbum »THINGS WE SAID YESTERDAY« ist jetzt herausgekommen und hat macht aus jedem Abschied ein Miniatur-Melodram. Auf der Bandcamp-Seite von Easy October kann man zu spätnebeliger Dämmerstunde zur Gänze in das Erstlingswerk hereinhören. Und die unermüdlichen Szene-Urgesteine unterstützen, wenn man mag.

Ein schönes Detail am Rande ist das Faktum, dass drei der vier Bandmitglieder im Oktober geboren worden sind. Was ihr Hingezogensein zu welkenden Zuständen und einer seufzenden Form der Sehnsucht erklären könnte. Oder sie fühlen sich einfach wohl in einer Umgebung, in der die Dinge dezidiert nicht sicher sind und sich die Nächte endlos dehnen können. Ob es dort am besten ist, wo man schon seit einer ganzen Weile verharrt? Fraglich! Aber gute Frage, das! Noch ist hier nicht alles völlig rund ausgefallen. Mitunter streift man die Grenze zur Gefälligkeit, aber sei´s drum: Die Stimmung einer rauchblauen Melancholie treffen die vier mitunter präzise. Wo war die genaue Stelle, an der wir vom Wege abgekommen sind? Wollen wir besser gar nicht so genau wissen, sondern lieber in großen Gefühlen schwelgen. Und uns darauf freuen, dass Easy October im Januar (!) auf Deutschlandtour kommen und dabei auch in der heimischen hessischen Provinz Station machen. Aber vorher gibt es noch einen Grund, den Oktober einen wunderbaren Monat zu finden: Ende Oktober startet in Reykjavik das allerschönste Festival von allen, das Iceland Airwaves Festival. Fünf Tage randvoll mit Musik. Das diesjährige Programm hat vor allem beim Off-Venue-Teil nochmal zugelegt. Irgendwas mit insgesamt 500 Gigs. Ich freu mich schon kringelig.

Foto: Stina Persson

 
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