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Foto nordische Landschaft

23. Mai 2014

Sehnsucht nach der Riviera mit Shadow Shadow

Ist die Riviera außer bei reichen Russen und rollatorschiebenden Rentnern eigentlich noch angesagt? Bei Shadow Shadow alias Mattias Friberg aus Malmö wohl, der sein Debütalbum nach dem Landstrich am Mittelmeer benannt hat. Und folgerichtig auf üppige Synthiesounds und schwärmerische Gesänge setzt, denn mit Kargheit hat die Riviera nun so gar nichts zu tun. Aber huch, so ganz will die Postkartenidylle dann dich nicht passen. Denn dunkelgraue Wolken durchziehen diese blauen Himmel. Und kurz halt: Mattias Friberg, der Name klingt doch vertraut? Jawohl, es handelt sich hier um den Sänger der unvergessenen Postrocker Logh aus Göteborg, die seit Jahren bedauerlicherweise in der Versenkung verschwunden sind. Und nun also das absolute Kontrastprogramm zu ernsthaften Besinnungsalben wie dem wundervollen »A SUNSET PANORAMA«? Warum denn nicht?

Dass er in der schwedischen Indie-Szene bestens vernetzt ist, zeigt Friberg allein schon an der prominenten Schar von Gastmusikerinnen, die auf dem Solo-Erstling versammelt sind: Die eigenwillige Chanteuse Britta Persson, die Singer-Songwriterin Nina Kinert und die frankophile Sibille Attar. Den angedüsterten Nachdenklichkeits-Rocker mit der Vorliebe für elegante Verlangsamung will Friberg also nicht mehr geben. Auf seinem Solo-Debüt outet sich der Schwede nun als Fan der Filme von Dario Argento. Von gewalttätigen Ausbrüchen ist hier jedoch nichts zu spüren. Shadow Shadow gefällt sich lieber in verträumter Melancholie. Und ist vielleicht genau dann am meisten bei sich, wenn der Meister selbst mit fein zurückgenommener Stimme singt. Dem Album kann man zur Gänze via Bandcamp lauschen. Gefällt sehr.

28. April 2014

Beschwingtes zum Frühling mit den Helicon Bats

Das haben sich die Helicon Bats doch gut ausgedacht: Die Erstlings-EP in den letzten Apriltagen herauszubringen und Single und Minilabum passend zur Jahreszeit »Spring« zu nennen. Viel geben die jungen Herren aus Kopenhagen sonst noch nicht von sich preis. Außer, dass sie lange an dem neuen Material gearbeitet haben und dass Helicon Bats ein Nebenprojekt der putzmunteren Popträumer Let Me Play Your Guitar um die Brüder Jeppe und Emil Davidsen ist. Das ist schon mal Empfehlung genug, um in dieses fröhliche Stückchen (fast schon) Mai-Musik hereinzuhören. Das so schön in Pastelltönen schwelgt, ohne dabei überladen zu wirken.Dies liegt natürlich daran, dass hier hymnnische Schöngesänge mit nerdiger Nachdenklichkeit kombiniert werden. Ganz ansatzweise kommen hier Erinnerungen an die überkandidelten Synthie- und Falsettsounds der famosen Landsleute von Treefight for Sunlight auf. Gut so! Die übrigens nach längerer Bühnenabstinenz am Wochenende auf dem Spot-Festival in Arhus spielen. Zu dem ich am Freitag zum ersten Mal selbst aufbreche, nachdem Freunde und Kenner mir das kleine, feine Festival mit interessanten Newcomern aus der sowieso superlebendigen dänischen Popmusikszene seit Jahren ans Herz gelegt haben. Dieses Mal klappt es also tatsächlich, und ich freue mich schon kringelig auf drei anregende Tage in der dänischen Studentenhochburg. Zuvor müssen noch ungefähr tausend Dinge erledigt werden, deshalb nur ein kleiner Aprilgruß von den Helicon Bats, weil der Track einfach Laune macht!

09. April 2014

Blick zurück ins klassische Hollywood mit Mari Persen

Das 70er- und 80er-Revival ist in der Popmusik immer noch in vollem Gange. Waren musikalisch nicht die schlechtesten Jahre! Dass es sich aber durchaus lohnen kann, noch weiter zurückzublicken, zeigt die junge Norwegerin Mari Persen: Sie ist eine Aficoanada der klassischen Hollywood-Ära. Mit üppigen Streicher-Arrangements. Selbstbewusster Film-Noir-Attitüde. Jazzigen Anklängen. Melodramatischen Ausbrüchen. Durchaus kitschigen Überwältigungstendenzen. Und bringt alle Elemente mit leichter Hand in die Jetztzeit, ohne zu sklavisch-nostalgisch zu klingen. Setzt auf Beats und Drummachines, die sie geschickt mit den ach-so-altmodischen Sounds kontrastiert. Und das klingt so erstaunlich frisch, dass man sich die Ohren reibt und denkt: Och, mal ganz was anderes! Wie schön diese Dame aus Bergen schwelgen kann, in quietschbunten Tracks wie »Sweetheart«, durch die trotzdem eine leise Selbstironie schwingt. Dass himmlische Chöre in der Tradition großer Lubitsch-Filme dazu jubeln, ist nur folgerichtig.

Orchestralen Pop nennt man das wohl, was Mari Persen hier zelebriert. Und sich dabei nicht nur auf die goldene Zeit der Hollywood-Musicals bezieht, sondern sich in der leichtfüßigen Ballade »Criminal« sogar auf Abwege in Richtung Disco und Swing begibt und dabei die Hammond-Orgel jammern und die Streicher seufzen lässt. Oder in »Melody« einen Ausflug gen Montmarte und naivem kleinen Chanson unternimmt, Akkordeonbegleitung inklusive, wie sich das gehört. Und natürlich schwingt hier eine kleine Prise Traurigkeit mit.

Wenn es darum geht, Informationen über Mari Persen herauszufinden, wird die Sache allerdings verschwonmener. Ein Album hat sie bislang herausgebracht, im vergangenen Jahr, dem man über ihre Bandcamp-Seite lauschen kann. Acht kleine Perlen, die alle auf unterschiedliche Weise funkeln. Mit einem satten, üppigen Klang, klugen Arrangements und im Mittelpunkt eine wandlungsfähige Stimme, die so gar nicht danach strebt, irgendwann einmal mit Max Raabe und dem Palastorchester aufzutreten. Persen singt hier nicht nur, sondern spielt auch Piano und Violine. Aber eins ist klar: Herzen brechen kann die Dame allemal: Mit dem schön melancholischen Outro-Song »Oh My Soul« etwa, bei dem man angesichts all dieser Bittersüße fast schon versucht ist, das Taschentuch hervorzukramen.

24. März 2014

Ein Nachtschattengewächs: Promise And The Monster

Promise And The Monster ist ein nachtaktives Wesen. Mit einer Faszination für leicht Morbides, mitunter Naives, bewusst Zurückgenommenes. Hinter dem fast einschüchternden Namen verbirgt sich die Schwedin Billie Lindahl, die bereits seit Mitte der 2000er Jahre musikalisch aktiv ist und immer wieder lange Schaffenspausen einlegt. Zwei Alben hat die scheue Schwedin bislang vorgelegt, das letzte mit dem Titel »RED TIDE« stammt aus dem Jahr 2011. Frau Lindahl bewegt sich leisen Schrittes zwischen den Genres Folk und Gothic. Pflegt aber auch experimentelle, schräge Untertöne. Und zählt zu ihren bislang besten Konzerterlebnissen, dass sie in einem Schloss in Transsilvanien auftreten durfte. Mitunter kommt sie klampfig daher, tummelt sich aber auch gerne im Feld von Weird Electronica. Schlafwandeln könnte man zu diesen Songs, die immer zwei Zentimeter über dem Boden zu schweben scheinen. Als Kusinen im Geiste mag man Joanna Newsom oder Stina Nordenstam ausmachen. Die schwer zu greifende Musikerin will nur leise beunruhigen, aber das tut sie nachdrücklich. In ihrem Universum ist die Dunkelheit niemals wirklich schwarz, sondern voller Zwischentöne der Farbe Dunkelgrau. Im stimmigen Video zu »Night Out« wirft Promise And The Monster einen neugierigen und einfühlsamen Blick darauf, was die Tiere so nächtens so treiben, wenn es nass ist. Das ist unerwartet aufregend. Mit klug arrangierten Streichern übrigens, die dem Ideal der schwarzen Romantik hörbar nacheifern.

Wer die Sängerin bei einem ihrer raren Live-Auftritte außerhalb Schwedens (und Transsilvaniens!) erleben will, kann sich am 11. April ins niederländische Tilburg zum Roadburner-Festival aufmachen. Dass Promise And The Monster uch das Genre der Ballade beherrscht (ohne schwarze Augenringe!), zeigt sie im traditionell folkigen, mitunter fast schon feierlichen Track »Sheets«, den sie mit klarer Stimme intoniert. Davon kann man sich sanft gen ruhigen Schlaf geleiten lassen, so wie die Polarbloggerin jetzt, die morgen früh aufstehen muss. Draußen rauscht der Regen. Wie schön.

18. Februar 2014

Initiative gegen Lizenzgebühren für Embedded Content

Die österreichische AKM und ihr deutsches Pendant GEMA wünschen sich eine Vergütung für urheberrechtlich geschützte Inhalte, die auf Webseiten eingebettet werden. Dies haben sie im Zuge von Konsultation zum EU-Urheberrecht geäußert. Sollten AKM und GEMA mit dieser Forderung auf offene Ohren stoßen, dieser Wunsch von der EU-Kommission im Rahmen der Modernisierung und Harmonisierung des europäischen Urheberrechts berücksichtigt werden, hätte das gravierende Auswirkungen. Für jeden auf Musikblogs oder Musikmagazinen eingebetteten YouTube-Clip oder SoundCloud-Stream würden Lizenzgebühren anfallen. Da die Mehrheit der Blogs und kleinen Magazine keine kommerziellen Interessen verfolgt, etwaige Werbeeinnahmen oft nur zum Bestreiten von Server-Kosten verwendet, würden Lizenzgebühren das Bloggen zu einer kostspieligen Angelegenheit machen.

Die Konsequenzen wären auch für den normalen Internet-NutzerInnen spürbar. Für viele BloggerInnen wäre diese Angelegenheit der finale Paukenschlag, der ihnen ihr Hobby endgültig vergällt. Bis auf Online-Angebote finanzkräftiger Verlage und Medienhäuser könnte sich wohl kaum jemand Lizenzgebühren leisten. Die Anzahl der Informationsquellen für Musik wäre wieder auf Internet-Vorzeit zusammengestaucht. Denn natürlich würden BloggerInnen hoffnungslos ins Hintertreffen geraten, wenn ihnen die Möglichkeit des Einbindens von Clips und Streams genommen würde. Sie wären in der Steinzeit des Internets angekommen, während den wenigen großen Magazine alle Optionen des digitalen Zeitalter zur Verfügung stünden. Denn es wäre für BloggerInnen schlichtweg nicht praktikabel, in jedem Einzelfall zu recherchieren, ob MusikerInnen in ihrer Eigenschaft als KomponistInnen oder TexterInnen etwa von der GEMA vertreten werden. Jeder vermeintlich verwendbare Clip könnte zu einer Abmahnung führen, selbst wenn ein GEMA-Mitglied wie Lieschen Müller auch nur eine einzige Textzeile dazubeigetragen hat.

Eine somit abhandengekommene Vielfalt hätte aber auch Konsequenzen für MusikerInnen. Wo bislang vom einarmigen, guatemaltekischen Countertenor bis hin zur kasachischen Backpfeifen-Punkband jede Spielart von Musik ihre Würdigung fand, täten sich unbekanntere Acts und kleinere Label mit der Wahrnehmung deutlich schwerer. All die Veröffentlichungen würden in ihrer Fülle nicht länger abgebildet werden.

Aus all den angeführten Gründen wären Lizenzgebühren für eingebettete Inhalte letztlich ein Pyrrhussieg für GEMA und AKM. Als BloggerInnen, denen Musik am Herzen liegt, sprechen wir uns daher gegen den Vorstoß der Musikverwertungsgesellschaften aus. Wir ersuchen MusikerInnen, die VertreterInnen von Plattenfirmen und Promotionfirmen um Unterstützung. Das kann man beispielsweise dadurch tun, indem man diese Petition auf Change.org unterschreibt. Wir würden uns darüber hinaus freuen, wenn unser Anliegen weiterverbreitet wird. Es geht uns wohlgemerkt nicht um die Abschaffung von GEMA und AKM. Lizenzgebühren für Embedded Content sind jedoch eine Schnapsidee, die wir entschieden zurückweisen!

Dieser Aufruf wurde von den geschätzten Berliner Bloggerkollegen von Lie In The Sound verfasst und ist unbedingt unterstützenswert!

 
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